Zweirad 04/05/2017

Ducati Monster 1200 S: Gratwanderung

Ducati Monster 1200 S: Gratwanderung
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Das aufgewertete italienische Nakedbike schafft den Spagat und kombiniert modernste Technik mit zeitloser Eleganz.

Mit der Zeit Schritt zu halten und trotzdem den eigenen Wurzeln treu zu bleiben – jedes Update der Monster-Modellpalette stellt Ducati vor dieselben Schwierigkeiten: Einerseits darf der klassische Roadster aus Bologna keinesfalls kurzlebigen Modetrends hinterherhecheln, anderseits will sich auch der Monster-Kunde in Sachen Technik und Performance nicht vor der reißerischen Konkurrenz à la KTM 1290 Super Duke R, BMW S 1000 R und Yamaha MT-10 verstecken müssen.

Keine leichte Aufgabe, denn die Wurzeln der Monster-Familie reichen zurück bis in die Neunzigerjahre, als Kult-Designer Miguel Galluzzi dem ersten Modell der Erfolgsserie das Leben schenkte. Mittlerweile hat der Monster-Vater längst in den Piaggio-Konzern gewechselt, den langjährigen Kundenwunsch kennt man bei Ducati dennoch ganz genau: Monster-Piloten wollen zeitlose Eleganz, vollendete Formen und eine Extraportion Understatement, ohne dabei Fahrdynamik-Einbußen hinnehmen zu müssen.

Zurück zu den Wurzeln

Mit der kürzlich präsentierten Monster 1200 S um 19.995 Euro ist die heikle Gratwanderung zwischen Historie und Moderne ein weiteres Mal geglückt: Ihr Körperbau wurde einer radikalen Fitnesskur unterzogen und ist dank schlankerem Tank und knackigerem Heck nun athletischer denn je zuvor. Neben ihrer gedrungenen Statur hat die Monster 1200 S auch an Maximalkraft zugelegt: Beachtliche fünf PS mehr als ihr Vorgängermodell stemmt die auf 150 Pferdestärken erstarkte Italienerin nun auf den Asphalt.

ducati monster 1200 s…
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Ihr 1198-Kubik-V-Zweizylinder brilliert mit geschmeidiger, ruckfreier Gasannahme und kultiviertem Motorlauf. Die gewachsene Potenz ist dagegen nicht auf Anhieb spürbar. Am Kurvenausgang enger Serpentinen genehmigt sich die Monster 1200 S wegen der auffällig langen Übersetzung des zweiten Gangs erst eine kleine Verschnaufpause, bevor sie ordentlich in Fahrt kommt. Wenn die Drehzahl stimmt, hechtet sie schwungvoll von Kehre zu Kehre und lässt keinen Zweifel an ihrer Sprintstärke. Wer’s eilig hat, schaltet daher flink und dank serienmäßigem Schaltassistenten ohne Kupplungsbetätigung einen Gang herunter.

Straffes Fahrwerk

Die Brembo-Bremsanlage verzögert vorbildlich und hervorragend dosierbar. Verblüffend handlich lässt sich die trotz diverser Carbon-Teile trocken 185 Kilo schwere Monster 1200 S in aufrecht-komfortabler Sitzposition durch engste Haarnadeln dirigieren.

Auch durch weite Kurven zieht die wendige Ducati präzise Linien, sofern dem straffen Öhlins-Fahrwerk keine plötzlichen Bodenwellen in die Quere kommen. Dann werden feinfühlige Korrekturen notwendig, die einen routinierten Piloten hinter dem Lenker erfordern.

Kinderleicht klappt dagegen die merklich vereinfachte Bedienung des TFT-Farbdisplays, über das unter anderem ABS, Wheelie- und Traktionskontrolle justiert werden. Außerdem stehen die Fahrmodi Urban, Street und Sport zur Auswahl, dank derer sich die Elektronik der Monster 1200 S auf Knopfdruck ihrer Umwelt anpasst.

Nicht unerwähnt bleiben soll die (neben traditionellem Ducati-Rot erhältliche) neue Lackvariante Liquid Concrete Grey mit signalroten Akzenten.

Sie beweist endgültig, dass sich Mut zu Innovation und ein dauerhaft geschmackvoller Auftritt nicht zwangsläufig ausschließen.

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(Kurier) Erstellt am 04/05/2017