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10/22/2012

E-Mobilität: Was Norwegen anders macht

Strom-Krieger - Warum Oslo die höchste E-Auto-Dichte von allen Hauptstädten hat.

von Maria Brandl

Während in "Kontinentaleuropa" die E-Mobilität samt entsprechender Infrastruktur nur langsam anläuft, hat Norwegen bereits 22 Jahre Vorbereitung und Bürgerinitiativen hinter sich.

Das Ergebnis: In Norwegen sind E-Autos (nicht aber Hybridautos) befreit

– von allen Kaufabgaben

– von der Mehrwertsteuer

– von Parkgebühren

– von Mautgebühren (derzeit 3 bis 5 €/Fahrt in Oslo),

– sie dürfen bei den Einfahrtsstraßen von Oslo die Busspur benützen

– das Laden ist meist gratis.

So kostet ein E-Auto wie der Nissan Leaf nicht mehr als ein Basis-Golf von VW, auf dessen Nettopreis von 146.350 NOK (ca. 21.940 €) 79.550,– NOK (ca. 11.930 €) an Kauf-Steuern kommen.

Möglich wurde dies durch ein Grüppchen rund um Rune Haaland, der 1986 die Umweltschutzorganisation "Bellona" zusammen mit Frederic Hauge gegründet hatte und anfangs vor allem gegen vergrabene Giftfässer kämpfte.

Initialzündung

Als Erstes wurde für Gratis-Parken von E-Autos in Bergen protestiert. "Bereits 1996 hatten wir für E-Autos drei Vorteile erkämpft, freies Parken, Entfall der Maut sowie der Importsteuer", so Haaland vorige Woche in Oslo. Aber: "Es gab keine E-Autos." Also bauten die Norweger selber welche, etwa den auch bei uns bekannten Think oder den frugalen Buddy. Allein von ihm wurden mehr als 1000 Stück verkauft – viele an Akademiker, die durch die Benützung der Busspur enorm viel Zeit sparten.

Während heuer die Regierung zustimmte, bis 2018 die Privilegien der Steuer- und Mautfreiheit für bis zu 50.000 E-Autos zu garantieren, ließen die Stadtpolitiker durchblicken, dass bei größerer Anzahl an E-Autos die Benützung der Busspur sowie Gratisladen "überdacht" werden. Dass E-Autos 2020 ohne Steuervorteile konkurrenzfähig sind, glauben die Norweger nicht.

Die Ladeinfrastruktur soll weiter zügig ausgebaut werden. Norwegen hat derzeit 3500 öffentliche Ladestationen. Der E-Auto-Anteil bei Neuzulassungen in Oslo beträgt 16 % (Bestand: 1800 E-Autos, 4000 E-Autos im Großraum Oslo), in Norwegen 5,2 % (Bestand: 8615 E-Autos). Ein Händler hat 1000 Nissan Leaf in einem Jahr verkauft. In Österreich wurden heuer insgesamt 550 E-Mobile verkauft, davon 32 Leaf. Insgesamt fahren hier 1500 Autos elektrisch laut "Vie-Mobility".

Olivier Paturet, "Zero-Emission-Stratege" von Nissan, ist begeistert vom Enthusiasmus der Norweger. Trotz der Wirtschaftskrise hält Paturet den Umstieg zur E-Mobilität für unumkehrbar. Die Probleme der Luftverschmutzung vor allem in Städten ließen auch in Europa gar nichts anderes zu. Rauchfreie Flugzeuge hätte man vor 20 Jahren auch für unmöglich gehalten. "Jeder, der sich diesem Wandel widersetzt, wird in ein paar Jahren wie ein Clown dastehen."

Viel verspricht sich Paturet von der Leaf-Produktion in Großbritannien Anfang 2013. Durch den Wegfall des Wechselkursrisikos sei mit einer deutlichen Preissenkung zu rechnen. Zudem verkürzen neue Ladesysteme (34 A, 6,6 kW) die Ladezeit von derzeit 8 auf 4 Stunden. Nicht nur in Norwegen entstehen Korridore mit solchen Chademo-Gleichstrom-Schnelllade­sys­temen. Jener zwischen Genf und Bratislava soll noch 2012 eröffnet werden.

Ausblick

Die nächsten E-Modelle aus dem Haus Nissan bauen alle auf der Leaf Bodengruppe auf: Der e-NV200 (Nfz und Pkw, Anfang 2014) und ein E-Infiniti (auch ab 2014). Gleichzeitig arbeitet Nissan mit Hochdruck an Brennstoffzellenautos, die ebenfalls mit E-Motor und abgasfrei fahren (siehe Zusatzartikel) .

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