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14.06.2012

Ein Auto für gewisse Stunden

Privates Carsharing: Immer mehr Autobesitzer wollen ihren fahrbaren Untersatz mit anderen teilen. Plattformen im Internet sollen dabei helfen.

Pascal Cerny hat Ver­trauen in die Menschen. Der hoch gewachsene junge Mann steht neben seinem Auto, das er künftig mit Wildfremden teilen will. Ein Audi TT Sportcoupé im Wert von mehr als 40.000 Euro. Baujahr 2011, 160 PS, Alufelgen, Lederausstattung. "Ich will damit zeigen, dass man bei privatem Carsharing keine Angst um sein Auto haben muss", sagt Cerny. Und natürlich gehe es auch um das liebe Geld. "Ich brauche den Audi nicht immer, da wir in der Familie mehrere Autos haben." Da biete es sich an, es mit anderen zu teilen. Für 99 Euro pro Tag ist es auf der privaten Carsharing-Plattform Autoshare.at zu finden.

Cerny ist hierzulande einer der Ersten, der sein Auto vermieten will. Dass das Prinzip funktioniert, zeigt ein Blick zu den deutschen Nachbarn. Auf der Plattform Tamyca.de etwa tummeln sich in etwa 650 Städten schon mehr als 2500 Autos. Ob Kleinwagen, Cabrio, Transporter oder Oldtimer – hier ist fast alles zu finden. Die Nachfrage ist hoch, betragen doch die Preise etwa die Hälfte bis ein Drittel gegenüber kommerziellen Anbietern. So ist ein Kleinwagen schon ab 20 Euro pro Tag zu bekommen.

Gründerzeit

Ganz so weit ist man hierzulande noch nicht. In den vergangenen Monaten wurden drei pri­vate Carsharing-Plattformen gegründet, eine davon ist Autoshare.at "Wir wollen vorzeigen, dass privates Carsharing ganz einfach ist", sagt Karim Saad, Mitgründer von Autoshare.at.

Der Anfang war schwer. Man habe lange gebraucht, bis eine Versicherung für das Modell überzeugt werden konnte. Nun sind alle Autos der Plattform für die Dauer der Miete vollkasko­versichert. Dafür zahlt der Mieter pauschal 9,50 Euro pro Tag an Autoshare.at. Das Angebot ist noch mager, gerade einmal 15 Autos sind derzeit zu finden. Die meisten davon in Wien, einige auch in Baden und Linz. Bald sollen es mehr werden. "Bis Ende des Jahres wollen wir 500 Autos im Programm haben", sagt Saad.

Gruppenauto

Ein anderes Konzept verfolgt die Plattform Caruso aus Vorarlberg. "Bei uns ist Carsharing verbindlicher und langfristiger angelegt", sagt Gründer Christian Steger-Vonmetz. Bei Caruso schließen sich mehrere Personen – etwa in einer Wohnhausanlage – zum Autoteilen zusammen. Auf Caruso wird die komplette Abrechnung abge­wickelt. Die Plattform zeigt auch, dass Carsharing kein städtisches Phänomen ist. So sind viele der knapp 30 Gruppen aus kleinen Dörfern wie Seekirchen in Salzburg oder Langenegg in Vorarlberg. Eine Autoversicherung kann Steger-Vonmetz vorerst nur für Vorarlberg anbieten. "Wir arbeiten aber an der Ausweitung", sagt er.

Das Beste aus beiden Welten will Carsharing247.com bieten. Hier kann ein Auto in der Gruppe genutzt, aber auch tageweise ausgeborgt werden. Seit Februar besteht die Plattform, laut Gründer Robert Reithofer steige das Interesse täglich an. Ver­sicherung kann er aber im Gegensatz zu Autoshare und Caruso noch keine bieten. "In ein bis zwei Monaten sind wir aber so weit", hofft Reithofer.

Steuer

Neben der Versicherung ist für Carsharer auch die Steuer ein Problem. "Wer sein Auto wiederholt öffentlich zur Miete anbietet, muss die Einnahmen versteuern", sagt Steuerexperte Rainer Fussenegger. Es gäbe zwar geringe Freibeträge, trotzdem sollten sich künftige Carsharer mit ihrem Steuerberater zusammensetzen, rät der Experte.

Audi-Besitzer Pascal Cerny ist trotzdem von der Idee überzeugt. Angst um sein teures Auto hat er nicht. "Hätte ich einen Lam­borghini", sagt er, "würd’ ich den auch anbieten."