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16.03.2012

Eine Handvoll Gramm

© Bild: KURIER / Boroviczeny Stephan

Der Kampf der Autohersteller um plakativ niedrige CO2-Werte und ihr Praxisnutzen.

Er muss schon zweistellig sein. Zumindest bei einem Modell. Sonst hat man am Stammtisch oder im Chatroom der angepeilten Käufer schlechte Karten.

Was früher die PS-Zahl oder die Höchstgeschwindigkeit war, ist seit einiger Zeit der CO2-Wert: Maßzahl für die Einschätzung eines neuen Autos und Werbe-Argument der Hersteller. Überdies auch noch Gewissensberuhiger für die Kundschaft.

Die Latte liegt aktuell bei 90 Gramm pro Kilometer, wer einen Achter an erster Stelle zu bieten hat, ist ganz vorne dabei. Und es geht weiter in Richtung 70. Zumindest für Klein-und Kompaktwagen.

Aber auch Premium-Limousinen schreiben sich schon gerne niedrige CO2-Werte groß aufs Plakat.

Das Gerangel um jede Handvoll Gramm hat aber weniger mit einem geänderten Zugang der Kundschaft zu tun als mit der anstehenden EU-Regelung zum Flottenverbrauch und Steuer-Gesetzen der Staaten, die zunehmend auf CO2-Werten aufbauen.

Dass man diese anhand eines praxisfernen Labortests ermittelt, auf den hin neue Motor-Getriebe-Kombinationen natürlich immer stärker optimiert werden, ist die andere Seite der Medaille.

Der tatsächliche Nutzen für die Kundschaft – abseits eventuell geringerer Steuern – hält sich daher in viel engeren Grenzen, als durch vollmundige Werbeaussagen vermittelt. Mit dieser weiter aufgehenden Schere zwischen der selbst geschürten hohen Erwartungshaltung der Käufer und den im Alltag erzielbaren Verbrauchswerten zu leben, wird zu einer der großen Herausforderungen der Autoindustrie.

horst.bauer(at)kurier.at