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16.06.2016

124 Spider: Fiat hat wieder geöffnet

Erstmals am Steuer des Italo-Roadsters auf Mazda-MX-5-Basis.

Eine entsprechende Tradition hat man ja. Was kleine, leistbare, offene Zweisitzer betrifft, können die Fiat-Leute auf eine herzeigbare Ahnengalerie verweisen. Das betrifft nicht nur den 124 Spider, der anno 1966 präsentiert wurde, sondern da finden sich auch der kantige X1/9 oder die schnuckelige Barchetta (um einige Beispiele zu nennen). Allein, nach Auslaufen der Barchetta kam nichts Vergleichbares mehr nach und Frischluftfreunde mussten sich mit dem 500 mit Fetzendach begnügen.

2016 – also exakt 50 Jahre nach dem Auftritt des ersten 124 Spider – hat Fiat nun aber wieder einen Roadster diesen Namens im Programm. Man hat sich freilich mit Mazda zusammengetan und wenn sich der neue 124 Spider den Genpool mit einem MX-5 teilen darf, so kann man sagen, dass dem Auto sicher Schlimmeres widerfahren könnte. Im Vergleich zum Mazda ist der Fiat um 14 cm länger, übernimmt aber sonst die solide Basis des MX-5.

Retro-Design

Optisch setzen die Fiat-Designer auf ein hinreißendes Retro-Design, das klar an das historische Vorbild erinnert. Zumindest von außen.

Hat man einmal im Cockpit Platz genommen, empfangen einen freilich aktuelle japanische Sachlichkeit und Infotainment. Schade, dass es hier nicht mehr italienisch aussieht. Aber eine Ummodelierung wäre mit viel Aufwand verbunden gewesen und hätte die Sache zudem unnötig verteuert.

Ebenfalls vom MX-5 stammt die genial einfache Dachmechanik. Keine angestrengt surrenden Elektromotoren bewegen das Verdeck, sondern eine Handbewegung genügt, um zu öffnen und zu schließen – man muss hierfür nicht einmal aussteigen. Und damit ist das Dach offen und nach der Ernüchterung durch das Cockpit kommt nun wieder Frohsinn auf.

Turbo-Motor

Die Fahrcharakteristik des offenen Fiat ist so, wie man sich einen kleinen Roadster wünscht: Exakte Lenkung, wunderbar aufs Auto abgestimmtes Fahrwerk ohne unnötige Härten, dazu Antrieb auf die Hinterräder. Motorisch gehen Fiat und Mazda getrennte Wege. Während Mazda auf Saugmotoren setzt, baut Fiat einen 1,4-Liter-Motor (lustigerweise genauso viel Hubraum wie der erste 124 Spider aus dem Jahr 1966) ein – allerdings mit Turboaufladung. Das bedeutet 140 PS und die reichen, um den knapp eine Tonne schweren Roadster entsprechend in Fahrt zu bringen. Der Motor verteilt seine Kraft harmonisch über das gesamte Drehzahlband, wird nie unangenehm laut und beschleunigt den Spider in 7,5 Sekunden auf 100 km/h. Wer mehr PS bzw. eine Automatik will, muss zum Abarth greifen.

Fiat bietet den 124 Spider in zwei Ausstattungslinien an. Die Basisversion kostet ab € 27.490,–, der Lusso ab € 29.990,–. Letzterer macht optisch dank Alu-Optik und 17-Zoll-Rädern noch etwas mehr her, zudem darf man auf Ledersitzen Platz nehmen.

Abarth 124 Spider

Wenn man Abarth und 124 Spider hört, werden viele Motorsportfans natürlich an die große Rallye-Historie dieser Kombination denken. Ganz so wild ist der Abarth 124 Spider anno 2016 nicht. Auch wenn man nach dem Starten des Motors vielleicht noch Verwegeneres vermuten würde. Haben doch die Ingenieure gleich von Haus aus die vierflutige Record-Monza-Auspuffanlage verbaut und die macht durchaus so Radau, wie es dem Rallye-Abarth von anno dazumal zustehen würde. Dazu wird die Abarth-Werdung auch durch eine schwarze Motorhaube und einen ebenso lackierten Kofferraumdeckel zur Schau gestellt.

Unter der langen Motorhaube steckt ein 1,4-Liter-Turbomotor mit 170 PS, der den 124 Spider in 6,8 Sekunden auf 100 km/h beschleunigt. Wahlweise bietet Fiat den Abarth mit 6-Gang-Schaltgetriebe oder mit 6-Gang-Automatik an. Bei Letzterer kann man auch mittels Wippen am Lenkrad durch die Gänge surfen, allerdings ist dies kein Schaltknecht mit Doppelkupplung, was die Gangwechsel etwas länger dauern lässt, als man vermuten könnte.

Trotzdem ist auch der Abarth Spider mit Automatik ein witziges Auto, das man eben auch ziemlich entspannt fahren kann, so einem danach ist – und die Kunden in den USA werden diese Kombination sicher zu schätzen wissen, zumal man auch zwischen Sport- und Normalmodus wechseln kann.

Natürlich sind hier diverse Annehmlichkeiten serienmäßig dabei. Ledersitze (mit sehr gutem Seitenhalt) samt Sitzheizung, Alu-Pedalerie, Drehzahlmesser mit rotem Hintergrund oder ein griffiges Lederlenkrad.

Der 124 Spider als Abarth kostet ab € 42.000,–, die Version mit Automatikgetriebe steht ab € 44.000,–. in der Preisliste.