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11.02.2019

Erste Ausfahrt mit dem neuen Volvo V60 Cross Country

Höhergelegter Offroad-Kombi als D4 AWD mit 190-PS-Diesel und Allradantrieb.

Welches Auto würde Jesus fahren? Dieser wichtigen Frage widmete sich kürzlich eine große deutsche Tageszeitung. Einen Volvo jedenfalls nicht, so der Artikel, weil Jesus kein Familienmensch gewesen wäre. Das erscheint mir fragwürdig, aber nicht wegen Jesus, sondern wegen Volvo. Erstens sind die Bestseller der einstigen Kombimarke inzwischen SUVs (XC40, XC90 und XC60) und zweitens werden die meisten Volvos von Geschäftskunden gekauft, nicht von Familienvätern. Sei's drum. Das neueste Werk der Schweden ist wieder ein Kombi, wenn auch ein höhergelegter mit Offroadoptik: der V60 Cross Country. Wir haben ihn getestet.

Was für eine Art von Auto ist das?

Der V60 ist ein Mittelklassekombi im Premiumsegment, konkurriert also mit Autos wie dem Audi A4 Avant, BMW 3er Touring und Mercedes C-Klasse T-Modell. Im Juli 2018 startete die neue Generation, die es nun auch wieder als Cross Country gibt. Dieser liegt 65 Millimeter höher und hat damit fast so viel Bodenfreiheit wie das entsprechende SUV: Der V60 CC liegt bei 209 Millimeter, der XC60 bei 210 Millimeter. Außerdem hat der V60 CC ein bisschen Offroad-Lametta wie schwarze Kratzschutzleisten und einen angedeuteten Unterfahrschutz. Für den Antrieb sorgt zumindest zum Start nur eine Motorisierung: ein 190-PS-Diesel mit Allradantrieb und Achtgang-Automatik.

Wie sieht es innen drin aus?

Wie ein Volvo so aussieht. Große Unterschiede zum zuletzt gefahrenen XC40 habe ich nicht entdeckt. Statt auf konventionelle Instrumente guckt der Fahrer auf ein Display (optional, aber die normalen Instrumente bekommt man in Testwagen nie zu Gesicht. Hinzu kommt es ein senkrecht stehendes Display in der Mittelkonsole. Außerdem viel Leder und edle Nähte sowie unlackierte Holzleisten, deren Oberfläche in ihrer Natürlichkeit fast schon spröde und ausgetrocknet wirkt.

Alles gut bedienbar hoffentlich?

Das Instrumentendisplay lenkt weniger ab als das aus dem VW-Konzern. Denn bei Volvo kann man (zumindest am Lenkrad) weniger einstellen, es sind immer zwei Rundinstrumente zu sehen und dazwischen die Navi-Karte in einer passenden Zoomstufe. Damit komme ich gut zurecht. An dem senkrechten Screen in der Mitte des Cockpits nervt mich, dass bei jedem Motor-Neustart wieder ein Fingertipp fällig ist, um wieder die Navi-Karte zu sehen – auch wenn das Ziel noch nicht erreicht ist. Optisch ist die Display-Landschaft in Autos des VW-Konzerns ansprechender. Dort sieht man zum Beispiel bei der Fahrt durchs Gebirge die Berge als beeindruckende, schneebedeckte 3D-Klötze in Google-Earth-Darstellung. Die Volvo-Karte bietet nur graugrüne Flächen.

Wie sitzt man denn?

Im Cross Country ist die Kopffreiheit gut, im vergleichsweise gefahrenen V60 R-Design dagegen viel zu gering. Sogar mit meinen bescheidenen 1,76 Meter Körpergröße stoße ich mit dem Kopf oben an, wenn ich mich auch nur ein klein wenig strecke. Die Sitze dagegen sind in der R-Design-Version besser, seine Sportsitze umschließen meinen Körper besser die Komfortsitze des Cross Country.

Und was ist mit Kofferraum und Fond?

Im Fond sitzt man gut, die Kniefreiheit ist mehr als ausreichend, auch der Platz nach oben reicht leicht. Der Kofferraum ist gut nutzbar, das heißt, es gibt keine störenden Schwellen, herausstehende Radkästen oder so. Das Volumen ist mit 529 bis 1.441 Liter auf dem Niveau der Premium-Konkurrenz (Audi A4 allroad quattro: 505 bis 1.510 Liter). Aber es gibt viele Mittelklasse-Kombis, die mehr Stauraum bieten, so der VW Passat Variant Alltrack (639 bis 1.769 Liter), genauso wie der Skoda Superb Combi (660 bis 1.950 Liter).

Und wie fährt das Auto?

Sehr ordentlich. Bei dieser Motorisierung ja auch kein Wunder: Der 190 PS starke Diesel bietet 400 Newtonmeter, das reicht dicke, wenn man von einer minimalen Anfahrschwäche absieht. Der Volvo ist so, wie die Schweden in ihrem Heimatland fahren: vernünftig, defensiv, zurückhaltend. Dazu passt, dass es keine Schaltwippen für den V60 CC gibt, noch nicht mal optional. Die braucht der Schwede nicht. Der V60 CC ist ein kompletter Fehlgriff für Leute, die gerne sportlich fahren. Das Fahren wird hier eher zur Nebensache, man gleitet im Cruising-Modus dahin. Dass ein Mittelklassekombi auch ganz anders sein kann, habe ich kürzlich im Peugeot 508 SW erlebt, der mich mit seinem kleinen Lenkrad und seiner agilen Art schon nach kurzer Zeit dazu brachte, viel zu schnell zu fahren ...

Wie ist das Fahrwerk? Komfortabel wahrscheinlich, oder?

Richtig, es passt zur Gesamtcharakteristik. Wenn man bei Tempo 80 auf der Landstraßen ein wenig am Lenkrad hin- und herruckelt, fühlt sich das Auto sogar ziemlich schwammig an, ähnlich wie in vielen Mercedes-Modellen (und ganz anders als bei Audi oder BMW). Mir gefällt das tiefergelegte Fahrwerk des R-Design viel besser, aber das muss jeder selber wissen. Auf langen Autobahnetappen dürfte der Cross Country der angenehmere Reisepartner sein.

Kommen wir zum Preis ...

Der Volvo V60 kostet in Österreich als Cross Country als D4 AWD ab € 50.510,-.

Okay, kapiert: Der Volvo ist teuer, aber vielleicht ist er auch super ausgestattet?

Das ist er in der Tat. Die Ausstattung (für den Cross Country gibt es nur eine) umfasst unter anderem 19-Zoll-Aluräder, das Instrumentendisplay (12,3 Zoll), das vertikalen 9,0-Zoll-Display, eine 170-Watt-Audioanlage, Zweizonen-Klimaautomatik, LED-Scheinwerfer, Motor-Startknopf, elektrische Parkbremse, Sitzheizung vorn, Lederausstattung, Holzleisten im Cockpit und Ambientelicht. Zu den Assistenzsystemen zählen standardmäßig Parkpiepser hinten, Verkehrszeichenerkennung, Tempomat, Spurhalteassistent, Antikollisionssystem mit City-Notbremssystem und Fußgängererkennung. Wer mag, kann den Schweden aber noch mit weiteren Goodies ausstaffieren. Für den Volvo gibt es zum Beispiel noch eine Head-up-Display, teilautonome Fahrfähigkeiten, Lenkradheizung, elektrisch einstellbare Sitze und vieles Schönes und Teures mehr. Den Preis auf 70.000 Euro zu treiben, fällt da nicht schwer.