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Ferdinand Dudenhöffer: "Tesla kann den Preiskrieg ausrufen"

Tesla senkt in vielen Märkten die Preise. Das birgt Risiken, erklärt der Direktor des CAR-Center Automotive Research

01/25/2023, 10:18 AM

Heute Abend präsentiert Tesla die Geschäftsergebnisse für das Jahr 2022. Die ersten neun Monaten waren ausgezeichnet. Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Center Automotive Research: "Tesla erzielte, was nur ganz wenige Autobauer schaffen, über die ersten neun Monate eine operative Marge von 17%. Im vierten Quartal startete Tesla mit Preissenkungsrunden. Und das ist sehr untypisch für Autohersteller. Während klassische Autobauer die Listenpreise ihrer Fahrzeuge so gut wie nie senken, hat Elon Musk damit kein Problem. Die konventionelle Autoindustrie greift stattdessen zum Discount, zu Rabatten, die über die Händlernetze weitergereicht werden, zu Sondermodellen oder speziellen Leasingangeboten, aber Preissenkungen sind tabu."

Seit Oktober ist in wichtigen Tesla-Märkten verstärkter Preisdruck beobachtbar. So hat Tesla in China, dem wichtigsten Markt für Elektroautos weltweit, im Oktober und Januar seine Preise gekappt. Das Model 3 in der Basisversion wurde von 38.950 US-Dollar auf 33.520 US-Dollar reduziert. Das sind 13,9% oder 5.430 US-Dollar Preisabschlag. Analog verfuhren Elon Musk in China beim Model Y, das seit Oktober um 5.800 US-Dollar oder 13,3% billiger wurde. Es blieb nicht bei China allein, auch in anderen Märkten wie den USA und Europa hat der Elektrautobauer massiv die Preise gesenkt.

Protest der Kunden

Mit seinen Preisreduktionen setzt Tesla die Wettbewerber unter Druck, erklärt Ferdinand Dudenhöffer. So hat der chinesische Elektroautobauer XPeng am 17. Januar 2023 über seine gesamte Modellreihe deutliche Preissenkungen vorgenommen. Gleichzeitig wächst die Enttäuschung bei Tesla-Besitzern, denn wenn die Preise der Neuwagen fallen, spüren das auch die Besitzer von Tesla schmerzhaft. Lautstark haben Tesla Besitzer in China Elon Musk Täuschung und Wertevernichtung ihrer Fahrzeuge vorgeworfen.

Mit Preissenkungen bei Neuwagen werden gleichzeitig die Restwerte der im Leasing laufenden Fahrzeuge beschädigt und Leasinggesellschaften oder Tesla zu Sonderabschreibungen gezwungen. In Preissenkungen stecken Risiken für die Bilanzen von morgen. Auch das ist Rabatttreibend, denn gebrannte Leasinggesellschaften werden fordern bei einen Geschäften Absicherungen oder noch höhere Rabatte. Eine Teufelsspirale kann in Gang kommen.

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Dudenhöffer: "Mit seiner heutigen Gewinn-Marge kann Tesla den Preiskrieg im Elektroauto-Markt ausrufen. Die meisten Autobauer schreiben bei Batterie-elektrischen Autos eher Verluste oder „hauchdünne“ Gewinne. Natürlich wird mit dem Preiskampf die Gewinn-Marge von Tesla fallen, was sich in Verlusten im Aktienkurs spiegeln wird. In Europa sieht es nach einer langsameren Entwicklung der Elektroautoverkäufe aus. Damit steigt der Markt langsamer als die Produktionskapazitäten von Tesla. Also muss Tesla in dem noch jungen Markt der Elektroautos in Europa den anderen Anbietern Marktanteile kontinuierlich wegnehmen. Das ist ungewöhnlich, dass ein junger Markt direkt in die Discountfalle stürzt."

Die Ziele von Elon Musk sind laut Dudenhöffer klar, nämlich um das Jahr 2030 jährliche Neuwagenverkäufe von rund 20 Millionen Fahrzeugen. Um dies zu erreichen, steckt das Unternehmen im kontinuierlichen Wachstumsstress.

Gleichzeitig verliert Tesla in wichtigen Bereichen den Nimbus als Technologieführer. Beim autonomen Fahren, der Qualität der Fahrzeuge und beim Elektroantrieb sind die Chinesen deutlich besser. Dudenhöffer: "Während Tesla mit nur zwei verkaufsstarken Modellen sehr risikoreich im Markt agiert, rauben die Wettbewerber Tesla das Innovator-Image. Der Preiskampf wird zum Stellungskrieg. Wer zu schnell wächst, kauft sich viele neue Risiken ein."

Im US-Staat Nevada weitet Tesla seine Produktion aus. Für mehr als 3,6 Milliarden Dollar sollen zwei neue Giga-Fabriken entstehen. In einem der Werke erfolge die Massenproduktion des vollelektrischen Sattelschleppers „Semi Truck“, die zweite Anlage produziere Batterien für zwei Millionen Nutzfahrzeuge pro Jahr. Durch den Bau der beiden Fabriken sollen insgesamt rund 3.000 Arbeitsplätze entstehen. Die Produktion des Elektro-Lkws war seit der Vorstellung des Modells Semi 2017 mehrmals wegen Engpässen bei Fahrzeugteilen aufgeschoben worden. 

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