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10/12/2012

Fiat Freemont: Zwischen Van und SUV

Cowboy mit Krawatte: Die italienische Version des Dodge Journey im Motor-KURIER-Praxistest.

von Maria Brandl

Der Freemont, italienischer Bruder des Dodge Journey, ist das erste Modell, das der Ehe Fiat und Chrysler entstammt (Motor-KURIER 24.6.2011). Vom Dodge unterscheidet sich der Freemont nicht nur durch das Fiat-Zeichen auf der Nase, sondern vor allem durch ein höherwertiges Cockpit und einen Dieselmotor aus dem Hause Fiat.

Nun ist der Freemont als Diesel mit Sechsgang-Automatik sowie Allradantrieb kombinierbar. Wir fuhren diese Version in der "Urban"-Ausstattung mit Teil-Lederausstattung samt beheizbaren Vordersitzen sowie Metallic-Lackierung als Extras.

US-Wurzeln

Obwohl der Freemont als Van bezeichnet wird und den Fiat Ulys­se ersetzen soll, fühlt er sich eher wie ein SUV an (Sport Utility Vehicle). Das Raumangebot ist amerikanisch großzügig, die Sitzposition des Lenkers hoch, die Übersichtlichkeit dank der eckigen Karosserieform weit besser als bei schnittigen Mitbewerbern vor allem aus Europa, der Einstieg dank weit öffnender Türen leicht.

Bei Bedarf lässt sich der Fünf- zum Siebensitzer erweitern. Die Sitze in der dritten Reihe sind leicht herauszuklappen und bieten viel Kopffreiheit, Knie- und Beinfreiheit sind jedoch minimal. Das Ladevolumen schrumpft so auf 167 Liter.

Der Freemont hat einen Knopf zum Starten und für hinten eine (dezente) akustische Einparkhilfe, erspart darüber hinaus aber den Passagieren eine Menge an diversen Piepstönen, die uns sonst umfluten.

Den US-Wurzeln geschuldet sind jedoch auch die aus EU-Sicht wenig smarten Tatsachen bei Gewicht (2 Tonnen), Temperament und Verbrauch. Mit Sechsgang-Automatik und Allradantrieb wirkt der Diesel-Freemont punkto Beschleunigung deutlich gedämpfter als mit Frontantrieb und Handschalter.

Grundsätzlich ist auch der AWD-Freemont Fronttriebler, bei Bedarf schaltet die Elektronik jedoch in den Allradmodus (50:50 vorne/hinten). Am besten steht ihm aber entspanntes Gleiten. Das hält den Verbrauch in Grenzen, obwohl der Freemont auf inzwischen bei uns übliche Spartechnologien wie Start-Stopp oder bedarfsgeregelte Nebenaggregate (etwa elektrische Servolenkung) verzichtet. Er ist zudem nach Euro5-Abgasnorm zertifiziert – anders als die meisten Mitbewerber, die in Städten mit Umweltzonen von Euro6 profitieren.

Die Verarbeitung des Freemont zeigte im Testbetrieb keine Schwächen. Unterm Strich wirkte er erfrischend ungekünstelt und ehrlich. Er verspricht nicht mehr, als er halten kann.

Steckbrief: Fiat Freemont 2.0 AWD

Vierzylinder, Dieseldirekteinspritzer, 1956  , 125 kW/170 PS bei 4000 U/min, max. Drehmoment 350 Nm bei 1750– 2500 U/min, Turbolader mit variabler Turbinengeometrie, Ladeluftkühlung, Partikelfilter, Euro5-Abgasnorm. Kraftübertragung: Allradantrieb (elektro­nisch geregelt, Lamellenkupplung, 6-Gang-Automatik.

Vorne McPherson-Einzelradaufhängung, hinten Multilink-Einzelradaufhängung, Zahnstangenlenkung, vier Scheibenbremsen (vorne innen belüftet), ABS, Stabilitätsprogramm ESP, Berganfahrhilfe.

Maße: Länge x Breite x Höhe 4888 x 1876 x 1745 mm, Radstand 2890 mm, Wendekreis 11,6 m, Ladevolumen 472 bis 1481 l, Höhe Ladekante 770 mm. Gewicht 2004 kg, Zuladung 579 kg, Gesamtgewicht 2583 kg, Anhängelast gebremst/ungebremst 1100/ 450 kg, Tank 78 l.

183 km/h Spitze, 0 auf 100 in 11,1 sec, Testverbrauch 8,7 l/100 km, Reichweite rund 895 km, in g/km 194 (Norm).

Motorbezogene Versicherungssteuer € 666,60; Preis/Basis € 35.750,–, Preis/Testmodell € 36.682,40