News 05.12.2011

Fiat Panda: Überleben im Großstadtdschungel

© Bild: Werk

Die dritte Generation des erfolgreichen Kleinwagens hat an Statur zugelegt, bleibt aber der eigenen Legende treu.

Bei dem Spiel macht man eher mit einem Augenzwinkern mit. Weil sich viele Hersteller für ein neues Modell auch gleich einen schrecklich innovativen Gattungsnamen einfallen lassen, will Fiat-Designchef Roberto Giolito da nicht nachstehen.

Vollkommen neu und doch sofort als Panda erkennbar.
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Der neue Panda sei ein "USV", ein Urban Survival Vehicle, stellt er sein jüngstes - und angesichts der Bedeutung für Fiat wichtigstes Werk - schmunzelnd vor. Das Auto fürs einfachere Überleben im Großstadtdschungel kommt in seiner dritten Neuauflage seit den Tagen der "tollen Kiste" in den 80er-Jahren des vorigen Jahrhunderts den Wünschen der Stammkundschaft weiter entgegen. Diese hatte bei Befragungen durch Fiat zwei klare Favoriten auf dem Wunschzettel: Mehr Stauraum und weniger Verbrauch.

Ersteres hat dazu geführt, dass der neue Panda rund 10 cm länger, 4 cm breiter und 1 cm höher geworden ist als sein Vorgänger. Letzteres bringt eine Start-Stopp-Automatik für den Diesel und den neuen Zweizylinder-Benziner des Hauses in zwei Leistungsstufen (65 bzw. 85 PS).

Silhouette

Vollkommen neu und doch sofort als Panda erkennbar.
© Bild: Werk

Optisch hat man sich an der Silhouette des Vorgängers orientiert (das dritte Seitenfenster ist geblieben), das Thema aber zeitgemäßer interpretiert. Der Neue ist somit aus jeder Perspektive sofort als Panda erkennbar, auch wenn etwa die das Heck des Vorgängers dominierenden Rückleuchten hier nicht mehr bis zu den Stoßfängern hinunterreichen.

Im Cockpit fällt die Reminiszenz an den Ur-Panda mit seiner großen offenen Ablage vor dem Beifahrer auf. Hier wird diese jedoch von einem darunter liegenden abschließbaren Staufach ergänzt. Die neuen Sitze wurden in der US-Version des Fiat 500 erstmals eingesetzt und bringen dank schmälerer Lehnen mehr Beinfreiheit in der zweiten Reihe.

Die Lehne des Beifahrersitzes lässt sich überdies nach vorne umlegen, wenn lange Gegenstände transportiert werden müssen. Die Rückbank kann mit drei Sitzen geordert werden oder nur mit zwei, dafür aber verschieb- und 50:50 geteilt umlegbar.

Umsteiger von einem Vorgängermodell können einen allfälligen zweiten Reifensatz auf 13-Zoll-Rädern allerdings nicht mehr verwenden. Der Neue rollt auf 14-Zöllern, der nächstes Jahr folgende Panda 4x4 auf 15-Zoll-Rädern.

Für den Marktstart ist der Dezember angepeilt, bei uns wird es wohl erst im Jänner richtig losgehen. Parallel zum neuen Modell wird der Vorgänger noch rund ein Jahr lang weiter zu haben sein.

Heim nach Italien: Der Neue wird nicht mehr in Polen gebaut.

Vollkommen neu und doch sofort als Panda erkennbar.
© Bild: Werk

Der Ruf war nicht der allerbeste. Das Auto-Werk von Pomigliano D'Arco bei Neapel erlangte mit dem schon im Schauraum rostenden Alfasud zweifelhaften Ruf in Sachen Produktionsqualität. Nachdem der Staat Alfa Romeo an Fiat verkauft hatte, bemühten sich Generationen von Turiner Managern mit unterschiedlichem Erfolg um die Hebung der Qualitätsstandards.

Die aktuelle Führung entschied sich zum Radikalschnitt. Der deutsche Produktionsvorstand des Fiat-Konzerns, Stefan Ketter, sperrte 2008 das Werk in Pomigliano für zwei Monate komplett zu, um Teile davon umzubauen und das - weiter bezahlte - Personal neu auszubilden. Teil der ungewöhnlichen Maßnahme: Alle 5000 Mitarbeiter traten an, um das Werk zu säubern und neu auszumalen.

Nach der Radikalkur stiegen die Qualitätsindikatoren der Produktion so stark an, dass das Werk schließlich in einer Fiat-internen Ausschreibung den Zuschlag für den neuen Panda bekam. Der Vorgänger wurde in Tichy in Polen gebaut, wo man durch den Erfolg des Fiat 500 aber inzwischen aus allen Nähten platzt.

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011