News 05.12.2011

Fiat will Chrysler bis Ende 2011 übernehmen

Fiat will Chrysler bis Ende 2011 übernehmen
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Die Italiener erhöhen den Anteil am Detroiter Autobauer auf 46 Prozent. Die Gewerkschaft befürchtet ein Ende der Produktion in Italien.

Fiat will zu einem internationalen Großkonzern avancieren. Bis Jahresende will der Turiner Autobauer die Mehrheit beim US-Partner Chrysler übernehmen, kündigte Fiat-Chef Sergio Marchionne am Donnerstag an. Der Konzern unter Kontrolle der Unternehmerfamilie Agnelli einigte sich mit Chrysler auf den Erwerb eines weiteren 16-Prozent-Anteils am US-Autobauer. Der Umfang der Transaktion beträgt 1,26 Mrd. Dollar (868 Mio. Euro). Damit können die Italiener ihren Chrysler-Anteil auf 46 Prozent aufstocken. Bis Jahresende soll die Schwelle von 50 Prozent überschritten werde, erklärte Marchionne.

"Chrysler hat auf industrieller und wirtschaftlicher Ebene einen außerordentlichen Aufschwung erlebt. Fiat ist bereit, die Kontrolle zu übernehmen, um im beiderseitigen Interesse die Beziehung noch stabiler und stärker zu machen", erklärte Fiat-Chef Sergio Marchionne. Nur gemeinsam könnten die beiden Unternehmen im Konkurrenzkampf mit Kolossen wie Volkswagen, Toyota und General Motors punkten.

Das Abkommen mit Chrysler bezeichnete der Präsident des Turiners Konzerns, John Elkann, als "historische Etappe für beide Unternehmen". "Im Laufe der letzten Jahre haben Fiat und Chrysler miteinander mit Engagement und gegenseitigem Respekt gearbeitet. Jetzt kann die Zusammenarbeit stärker werden, damit wir noch schönere, sichere und umweltfreundlichere Autos bauen können", erklärte Elkann.

Fiat hatte während des Beinahe-Kollaps von Chrysler im Jahr 2009 die Kontrolle übernommen und Anteile erworben.
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Fiat hatte während des Beinahe-Kollaps von Chrysler 2009 und der darauffolgenden staatliche Rettung die Kontrolle übernommen und Anteile erworben. Durch die Vereinbarung mit dem US-Finanzministerium erhielt Fiat eine Option auf den Kauf eines weiteren 16-Prozent-Anteils, sobald die Schulden von Chrysler unter die Marke von 4 Mrd. Dollar fallen. In der letzten Quartalsbilanz hatte Chrysler angeben, bei den USA mit 5,8 und bei Kanada mit 1,3 Mrd. Dollar in der Kreide zu stehen.

Fiat stellte am Donnerstag auch die Zahlen seiner Nutzfahrzeugsparte "Fiat Industrial" für das erste Quartal 2011 vor. Die Sparte meldete einen Nettogewinn von 114 Mio. Euro nach Verlusten von 34 Millionen Euro im Vergleichszeitraum 2010. Der Umsatz kletterte um 19,3 Prozent auf 5,3 Milliarden. Euro. Unter "Fiat Industrial" bündelten die Italiener den Landmaschinenhersteller CNH, den Lkw-Bauer Iveco sowie Marine- und Industrie-Aktivitäten.

Die Fiat-Aktien an der Mailänder Börse reagierten positiv auf die Aufstockung des Chrysler-Anteils. Die Fiat-Aktie legte am Donnerstag um 2,59 Prozent auf 6,745 Euro zu. Kritischer zeigten sich dagegen die italienischen Gewerkschaften, die eine schrittweise Verlegung des Turiner Konzerns nach Detroit befürchten. "Die Aufstockung des Fiat-Anteils bei Chrysler ist eine schlechte Nachricht für Italien. Der Konzern wird alles daran setzen, um das Geld für Chryslers Übernahme einzutreiben. Das wird das Ende der Produktion in Italien bedeuten", warnte der Präsident der italienischen Metallgewerkschaft FIOM, Giorgio Cremaschi.

(KURIER.at, apa) Erstellt am 05.12.2011