News 05.12.2011

Ford: Die Welt im Focus

Ford: Die Welt im Focus
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Ford Focus. Erste Ausfahrt mit der neuen Generation des Golf-Konkurrenten, der bei uns im April startet.

Die Ansage ist eindeutig: "Der neue Focus ist das erste wirklich globale Auto." Und das Ford-Top-Management ist sichtlich stolz darauf, dass man für die Varianten, die in Europa, den USA und Asien auf den Markt kommen, zu 80 % idente Bauteile verwenden kann. Der Rest ist bedingt durch unterschiedliche gesetzliche Vorgaben in den Märkten.

Was für den Hersteller und dessen Finanzen eine Frohbotschaft ist, muss dies jedoch nicht auch für die Kundschaft sein. Deren etwa in den USA und Europa so unterschiedliche Vorlieben unter einen Hut zu bringen, ist schließlich keine leichte Übung. Wer somit befürchtet, dass der neue Focus ein schwammiger Kompromiss aus einem Mix an Anforderungsprofilen geworden ist, kann nach ersten Schnupperkilometern auf europäischen Straßen beruhigt werden.

Der unter Federführung von Ford-Europa entwickelte Kompakte hält trotz seines Anspruchs, es allen recht zu machen, die Fahne der bisherigen Focus-Stärken weiter hoch.

Fahrwerk

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Die Kernkompetenz, das souveräne Fahrwerk, hat man nicht nur nicht auf dem Altar der US-Highways geopfert, sondern dessen Fähigkeiten mit einem serienmäßigen dynamischen Drehmomentausgleich an der Vorderachse (Torque Vectoring) noch weiter ausgebaut. Kombiniert mit dem neuen 1,6-Liter-Eco-Boost-Turbo-Benziner (150 bzw. 182 PS) und den gewundenen Straßen durch die französischen Seealpen unter den Rädern, zeigt der neue Focus, dass er beim Handling weiterhin an der Klassenspitze liegt. Die präzise Lenkung, ein exakt zu schaltendes Sechsganggetriebe, guten Seitenhalt bietenden Sitze und das wie im Rallye-Focus sehr steil stehende Lenkrad unterstützen den Fahrspaß für aktive Piloten.

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Von einer anderen Stärke des neuen Focus profitieren auch die Passagiere. Wohl der sehr auf Ruhe im Cockpit Wert legenden asiatischen Kundschaft zu danken ist die hervorragende Geräuschdämmung, die schon bei dem technisch verwandten Kompakt-Minivan C-Max überzeugen konnte.

Ein weiterer Schwerpunkt der Entwicklungsarbeit hat sich in einer Vielzahl an elektronischen Helfern und Warnern manifestiert, die man in dieser Klasse in der Dichte bisher nicht gesehen hat. Nachteil in der Praxis: Die hinter dem Rückspiegel an der Frontscheibe platzierte Kameraeinheit plus Radarsensor nimmt dort so viel Platz ein, dass sie die Sicht auf rechts oben hängende Ampeln behindert, so man an der Kreuzung in der ersten Reihe steht.

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Was die Platzverhältnisse angeht, so bietet der um 21 mm längere, aber um je 16 mm niedrigere und schlankere Focus die gewohnte Großzügigkeit. Und die üppige Kopffreiheit in der zweiten Reihe fällt zusätzlich positiv auf. Die Motorenpalette (Diesel von 95 bis 163 PS, Benziner von 105 bis 182 PS, später auch 250 PS) lässt kaum Wünsche offen.

Die Preisskala beginnt bei 18.350 Euro für den Fünftürer, den Kombi gibt's ab 19.150 Euro.

Assistenten im Totaleinsatz

Focus-Elektronik. Die diversen Hilfssysteme im Praxis-Check.

Ford offeriert fünf Fahrer-Assistenten. Der Spurhalte-Warner (Vibrieren im Lenkrad, wenn man unabsichtlich die Fahrbahnabgrenzung überfährt) kann erweitert werden durch eine Spurhalte-Hilfe. Damit wird das Fahrzeug selbsttätig in die Spur zurückgelenkt, was in der Praxis sehr gewöhnungsbedürftig ist, weil damit in eines der letzten Gebiete des unmittelbaren Kontaktes zwischen Fahrer und Auto eingegriffen wird.

Ebenfalls Kamera-gestützt funktioniert der Müdigkeitswarner , der anschlägt, wenn man häufig die Leitlinien überfährt.

Die Verkehrszeichen-Erkennung reagiert auf Tempolimits, Überholverbote und deren Ende, kann jedoch keine Zusatztafeln wiedergeben. So werden auch Limits am Cockpit-Monitor angezeigt, die etwa nur für Lkw gelten. Schließlich wird auch das automatische Auf- und Abblenden der Scheinwerfer über die Frontkameras geregelt. Radarsensoren sind zuständig für den adaptiven Tempomaten (hält die Distanz zum vorderen Auto konstant), den Kollisionswarner (gibt Laut, kann auch selbst bremsen, wenn ein Auffahrunfall droht) und den Totwinkel-Warner in den Rückspiegeln.

Ein Infrarot-Laser sucht bis Tempo 30 das Geschehen vor dem Auto nach stehenden Objekten ab und kann eine automatische Notbremsung einleiten, wenn ein Unfall mit geringer Geschwindigkeit droht. Bis Tempo 15 wird dieser ganz vermieden, andernfalls werden die Folgen des Anpralls gemildert.

Erfahrung: In der Praxis hat sich gezeigt, dass die Feinjustierung der Sensoren noch nachgebessert werden muss, soll der neue Ford Focus nicht vor den sich zu knapp vor dem Auto öffnenden Schranken der automatisierten französischen Autobahn-Zahlstellen (Télépéage) bocken.

(Kurier) Erstellt am 05.12.2011