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09/07/2013

Ford Focus Electric: Die Energiewende kann kommen

Erste Ausfahrt mit dem Ford Focus mit Elektroantrieb.

Weltweit ist Ford nach eigenen Angaben mit 270.000 seit 2004 verkauften Autos nach Toyota die Nr. 2 unten den Hybridanbietern. Wichtigster Markt dafür sind die USA. Dort verkauft Ford zudem bereits den Focus mit Elektroantrieb, der seit Juli auch in Europa angeboten und für Europa im deutschen Ford-Werk Saarlouis gebaut wird.

In Frankfurt stand der Focus mit E-Antrieb vor Kurzem für eine Proberunde bereit. Äußerlich unterscheidet er sich nur wenig von seinen Diesel- und Benzin-Kollegen, außer am Stecker, dem veränderten Cockpit samt den speziellen Anzeigen für E-Betrieb sowie dem viel kleineren Laderaumvolumen durch die dort verbauten Lithium-Ionen-Batterien. Ford baut sie selbst zusammen, die Zellen stammen von LG Chem. Das Batteriepaket für 23 kWh wiegt rund 300 kg und soll für eine Reichweite von etwa 160 km reichen (siehe Zusatzgeschichte). Das Mehrgewicht durch den E-Antrieb insgesamt liegt laut Ford bei ca. 350 kg.

Der Focus Electric wurde in den USA bereits 2011 vorgestellt, neue energiesparende Systeme für eine bessere Reichweite vor allem im Winter bei uns wie eine Wärmepumpe für die Klimatisierung ist noch nicht verbaut, so ein Ford-Sprecher.

Auf den ersten Kilometern im Stadt- und Autobahnbetrieb wirkte der Focus mit dem 145 PS starken Permanentmagnet-Synchronmotor trotz des beachtlichen Leergewichts von 1700 kg durchaus agil. Der Normverbrauch von 15,4 kWh erscheint plausibel (mit deaktivierter Klimaanlage). Deutlich gewöhnungsbedürftiger ist das Gefühl der elektromechanischen Servolenkung aufgrund des hohen Gewichts des E-Antriebs sowie der deutlich größer wirkende Wendekreis. Ford bestätigt diesen Eindruck, genaue Zahlen wurden auf Nachfrage nicht genannt.

In Österreich rechnet der Importeurssprecher vor allem mit Interessenten aus dem Gewerbebereich für den E-Focus. Der Preis liegt mit ab € 39.990,– im Spitzenfeld der elektrischen Mitbewerber. Auf Wunsch kann das Fahrzeug auch geleast werden, ein Batterieleasing, wie es Renault oder Nissan für E-Autos anbietet, ist bei Ford derzeit aber nicht geplant. Der E-Focus wird derzeit mit einem Ladekabel ausgeliefert (mit Schukostecker für Haushaltsstrom). Verträge mit Energie-Dienstleistern für Wallbox-Lösungen (erlauben schnelleres Laden) gebe es noch nicht.

Zwei E-Focus sind bereits in Österreich angekommen, Absatzziele nennt der Importeurssprecher nicht. In Deutschland werden derzeit 30 bis 40 E-Focus pro Monat verkauft.

Ausblick

Der E-Focus ist aber nur die Vorhut für weitere Ford-Modelle mit alternativem Antrieb, die die Palette an umweltfreundlichen Fahrzeugen (z. B. mit Eco-Boost-Dreizylinder) ergänzen sollen („Power of Choice“). Ende 2014 soll der „C-Max Energi“ aus den USA nach Europa importiert werden. Es handelt sich dabei um einen Plug-in-Hybrid, der seine Batterien auch extern an der Steckdose laden kann. Ziel für Europa ist laut Ford eine Elektro-Reichweite von 40 km. Zudem soll ebenfalls Ende 2014 auch für den nächsten Mondeo ein Vollhybridmodell verfügbar sein. Dieses soll in Europa gefertigt werden.

Ford Focus Electric

Technik: E-Motor, 145 PS, 250 Nm, Lithium-Ionen-Akku (23 kWh). 1-Gang-Aut., 0–100 in 11,4 sec, 137 km/h Spitze, Reichweite (Norm) 160 km. Verbrauch (Norm): 15,4 kWh/100 km, Ladezeit 11h (10A), 6–7 h (Wallbox, 16A), 3–4h (32A). Garantie Lithium -Akkus: 5 Jahre. Leergewicht 1700 kg. Zuladung 385 kg, Laderaum 237 l.

Preis: ab €39.990,–.

Händler/Werkstätten: Autopark in Innsbruck, Autohaus Danninger in Linz, Luckerbauer in Krumbach, Czeczelits in Wr. Neustadt, MVC Motors in Wien (Brünner Straße).

Radnabenantrieb für die Stadt, Brennstoffzellen für Langstrecken

Neben dem konventionellen E- und Hybridantrieb arbeitet Ford auch an Zukunftssystemen wie dem Radnaben-Antrieb. Mit Technologie-Partner Schäffler wurde z. B. ein Fiesta damit vorgestellt, bis 2015 sollen zwei weitere Fahrzeuge umgerüstet werden. Noch leidet dieser Antrieb am hohen Gewicht dieser E-Motoren (40 kg pro Rad), Ford sieht aber für Stadtautos großes Potenzial darin durch die Wendigkeit und den zusätzlichen Innenraum.

Mit Daimler und Renault-Nissan entwickelt Ford dagegen Brennstoffzellenautos für einen großen Verkaufsstart 2017. Solche Ankündigungen gab es bereits öfter. So sprachen 2009 auf der IAA in Frankfurt führende Hersteller, auch Daimler und Ford, von Hunderttausenden Brennstoffzellenautos bis 2015. Ungelöst bis heute sind die fehlende Wasserstoff-Infrastruktur sowie der hohe Preis der Brennstoffzellen (wegen des hohen Edelmetallgehalts).