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Luftfahrt
11/26/2013

Fünfzig Jahre Learjet

Im Herbst 1963 hob erstmals jenes Flugzeug ab, das zum Synonym für exklusive Privatjets werden sollte.

von Michael Andrusio

Die Geschichte des Learjet beginnt eigentlich in der Schweiz. Der Amerikaner William P. Lear ging 1955 in die Schweiz, um die SAAC (Swiss American Aviation Corporation) zu gründen. Er holte Dr. Hans Studer in sein Team, einen Konstrukteur, der für die Schweizer Luftwaffe die P-16 entwickelt hatte. Die P-16 kam zwar nie über das Prototypenstadium hinaus, Lear verwendete aber einige Elemente der P-16 für seinen Jet. Firmenflugzeuge wurden zu dieser Zeit von Militärflugzeugen abgeleitet, waren meist zu groß und enorm teuer. Hier sah William Lear die Marktlücke für ein leichtes, schnelles und vergleichsweise preiswertes Fluggerät.


Die Zusammenarbeit mit den Schweizern war freilich nicht von langer Dauer, Sprachprobleme und bürokratische Hürden veranlassten William P.Lear wieder in die USA zurückzukehren. Er fand seine neue Firmenzentrale in Wichita, Kansas. Von der P-16 übernahm man das (aerodynamisch ausgereifte) Flügelprofil mit den am Ende der Flügel angebrachten Tanks. Das ursprünglich angedachte kreuzförmige Leitwerk der P-16 wurde am Learjet durch ein T-förmiges Leitwerk ersetzt. Dazu kamen eine großflächige, um das Cockpit herumgezogene Winschutzscheibe und eine zweiteilige Einstiegstür.

Sinatra & Armstrong

Am 7.Oktober 1963 war es schließlich soweit, der erste Prototyp hob zum ersten Flug ab. Die beiden Testpiloten Bob Hagan und Hank Beaird waren sich sofort sicher, dass man hier einen Volltreffer gelandet hatte. 1964 erhielt der Learjet 23, so die Bezeichnung der ersten Baureihe, die Zertifizierung durch die FAA und die Produktion lief an.
Der Bekanntheitsgrad des Learjet ging in den darauffolgenden Jahren steil nach oben. Zum einen konnte man Hollywoodstars wie Frank Sinatra oder Danny Kaye als Kunden gewinnen und zum anderen stellte das kleine Flugzeug einige erstaunliche Rekorde auf. 1965 flog ein Learjet in 10 Stunden und 21 Minuten von Los Angeles nach New York und wieder retour (inklusive zweier Tankstopps), was einen neuen Rekord darstellte und im selben Jahr kletterte ein Jet mit fünf Passagieren auf 40.000 Fuß (12.200 Meter) in nur 7 Minuten und 21 Sekunden - schneller als ein F-100-Kampfflugzeug.
1966 umrundete ein Learjet 24 die Erde in 50 Stunden und 19 Minuten Flugzeit und stellte dabei nicht weniger als 18 Rekorde im Bereich Luftfahrt auf. Auch der erste Mensch auf dem Mond, Neil Armstrong, war Teil eines Rekordflugs. 1979 stellten er und Testpilot Pete Reynolds fünf neue Weltrekorde für Geschäftsreiseflugzeuge auf (mit einem Learjet Longhorn 28). William P.Lear hat das nicht mehr erlebt. Er hatte das Unternehmen 1969 verlassen und starb im Jahr 1978.

Bombardier

Die Einsatzgebiete des Flugzeugs sind mittlerweile vielfältiger den je. Neben Privatleuten, Firmen, Regierungen und Rettungsdiensten nutzt auch Hollywood die Talente des Learjet. Die Flugsequenzen im Film Top Gun wurden beispielsweise aus einem Learjet heraus gefilmt.

Seit 1990 ist die Learjet Inc. Teil des kanadischen Bombardier-Konzerns. Und ein Ende der Learjet-Story ist nicht in Sicht. Noch vor Ende des Jahres soll der erste Prototyp des Learjet 85 fliegen, der - wie man bei Bombardier verspricht - größte, schnellste und leistungsfähigste Learjet aller Zeiten werden wird mit einer Höchstgeschwindigkeit von Mach 0,82 und einer Reichweite von 5,556 Kilometer.

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