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Genderneutrale Modellbezeichnungen? Warum "das" Autos meist ein „er“ ist

Der BMW, der Opel, der Toyota: Männliche Modellbezeichnungen dominieren. Warum die weiblichen Ausnahmen dennoch Best-Seller werden.

von Teresa Richter-Trummer

08/10/2023, 07:26 AM

Die Deutsche Sprache hat ihre Tücken und ihre Besonderheiten. Eine davon ist, dass „das“ Auto, vom grammatischen Geschlecht her also eindeutig sächlich, in der Umgangssprache fast immer einen männlichen Artikel bekommen: Es ist der Mercedes, der Opel, der BMW. Und selbst der neue Honda mit dem unaussprechbaren Namen e:Ny1 ist ein er. 

Allerdings gibt es ja bekanntlich im Deutschen keine Regel ohne Ausnahme: Und daher haben sich einige wenige Autos als weiblich positioniert. Und das sehr erfolgreich.

Eines der schönsten Beispiele ist die Alfa Rome Giulia. Das "Alfa" ist ein Akronym, das für "Anonima Lombard Fabbrica Automobili" steht. Das "Romeo" stammt von Nicola Romeo, einem Industriellen, der Geschäftsführer des frühen Automobilherstellers wurde.  Und die Giulia? Hier teilen sich die Meinungen.

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Denn ob die Alfa Romeo Giulia  wirklich nach Shakespeares berühmtem Drama „Romeo und Julia“ benannt, ist nicht offiziell bestätigt. Ein Gerücht etwa besagt, dass Giorgia De Cousandier, die Frau eines Dichters, sich den Namen ausgedacht hat. Eine anderes wieder behauptet, dass der Wagen nach der Frau von Federico Fellini - Giulietta Masina - benannt wurde. 

Die romantischste Erzählung geht jedoch auf das Jahr 1950 zurück, als der Grand-Prix-Pilot Jean-Pierre Wimille und sieben Alfa-Romeo-Direktoren die Einführung des Alfa in Paris vorbereiteten. Während dieser Gruppendiskussion sagte angeblich ein in der Nähe stehender russischer Prinz zu der Gruppe: "Ihr seid acht Romeos ohne auch nur eine Giulietta?"

 

Auch darüber, warum die Corvette weiblich ist - und was das für tiefergehende Bedeutung für ihre Fahrer hat -   wird heute noch in einschlägigen Foren gestritten. Ein User behauptet, dass etymologisch im Wort Corvette folgende lateinischen Begriffe vorkommen: Crobis für  Korb, Corbita für Lastschiff und Navis für Schiff. „Ergo alles feminin und demnach ist die Corvette weiblich“, so sein Fazit. Das angezweifelt wird. Verweichlicht hat der Artikel das Fahrzeug freilich nicht. Die Corvette ist der älteste Sportwagen der Welt, der meistverkaufte ebenfalls. Und selbst Barbie, derzeit Feministin der Stunde, fährt Corvette.

Auch ein anderer Sportwagen ist eindeutig weiblich und leidet darunter nicht: Die Doge Viper, lange das leistungsstärkste Modell in der Palette.

Die dritte im Bunde war ein ebenfalls echter Verkaufsschlager, lange Lieferzeiten inklusive: Denn die Lotus Elise ist ein hochwertiger Sportwagen in Leichtbauweise mit exzellenten Fahrleistungen - allerdings zum halben Preis eines Porsche. Sie folgte dem Motto des Firmengründers Colin: „Beginne mit der Umkompliziertheit - und dann mische Leichtigkeit dazu.“ Ein Verweis auf weibliches Gemüt?

Ohne Diskussion bekam die Citroën DS ihren weiblichen Artikel: 1955 war sie eine Sensation und bis heute hat sie von ihrer Schönheit nichts eingebüßt. Daran kann auch ihr Spottname „Haifisch“ nichts ändern. Den göttlichen Namen verdankt sie einem Wortspiel: DS, gesprochen „De-es“, war eine Ableitung der ursprünglichen Typenbezeichnungen der „D-Modelle“: Irgendwann bemerkte Citroën, dass das wie „déesse“, also „Göttin“ klingt. Der Name blieb. Auch eine andere Französin bekam einen weiblichen Artikel, allerdings weniger elegant: Dennoch wurde die Ente eines der bekanntesten Fahrzeuge überhaupt.

In eine ähnliche Kategorie, aber noch viel schräger, fällt eine Dame aus dem Hause BMW: Die Isetta, ein „Motocoupé“ das bis 1965 vom Band lief.

Bei BMW fällt übrigens auf, dass man den motorisierte „Kampf der Geschlechter“ wirklich nicht zu ernst nehmen sollte. Denn startet man ein Auto der Hersteller aus Bayern, fährt man „den“ BMW. Startet man allerdings ein Motorrad aus dem selben Haus, fährt man plötzlich eine „die“.

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