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05.12.2011

"Grüne" Antriebe im Praxistest

© Bild: Werk

Michael Lohmeyer von der Deutschen Post DHL fordert von den Lkw-Herstellern mehr Transparenz.

Er war der letzte Redner des VDI-Nutzfahrzeug-Kongresses, aber die Aufmerksamkeit im Saal war unüberhörbar, als Michael Lohmeyer von der Deutschen Post DHL die ersten Zahlen nannte. Der führende Logistikriese steht für:

- 500.000 Mitarbeiter in mehr als 220 Ländern und einem Umsatz von mehr als 51 Mrd. Euro (2010)

- mehr als 100.000 eigene Fahrzeuge und solche von Subunternehmern

- einen Dieselverbrauch von 1,5 Mrd. Liter pro Jahr allein im Straßenbetrieb.

Seit 2005 setzt die Deutsche Post DHL auf "grüne Logistik". Laut Lohmeyer ist der CO2-Wert inzwischen ein Kriterium für Auftraggeber. Bis 2020 soll der jährliche CO2-Ausstoß pro Serviceleistung um 30 % gegenüber dem Basisjahr 2007 gesenkt werden, das Transportgeschäft soll sich aber bis 2020 gegenüber 2007 verdoppeln.

Derzeit liegt das Unternehmen beim CO2-Ausstoß knapp hinter der Lufthansa. Er repräsentiert 0,1% des weltweiten CO2-Ausstoßes. Bisher hat das Unternehmen 3000 Hybrid- und E-Fahrzeuge in Betrieb.

Doch um den Spritverbrauch und somit CO2-Ausstoß der Fahrzeuge spürbar zu senken und das zu wirtschaftlichen Bedingungen, sei noch vieles zu verbessern.

- Elektro-Autos: "Derzeit brauchen wir zwei E-Transporter, um einen 3,5-Tonner mit Diesel zu ersetzen", so Lohmeyer. Grund: E-Autos haben wegen der schweren Batterien oft nur 650 statt 1000 kg Nutzlast, sprich, es gibt "35 % Geschäftsverlust".

Die genaue Aufschlüsselung der Verbrauchswerte der Deutschen Post zeigt zudem, dass urbane Transporte mit bis zu 3,5 Tonnen nur 5 % des Gesamtspritverbrauchs ausmachen. Mehr als 50 % entfallen auf den Fernverkehr. E-Fahrzeuge sind damit dort unterwegs, wo ohnehin der geringste Spritverbrauch anfällt, so Lohmeyer. Dennoch werde die Deutsche Post E-Fahrzeuge für den Stadtbetrieb anschaffen, um zum schadstofffreien Verkehr beizutragen und mit den Erfahrungen den Fortschritt anzukurbeln.

- Start-Stopp: Dieses gerade für Stadttransporter scheinbar ideale Spritsparsystem kommt für die Deutsche Post DHL nicht infrage, weil "unsere Fahrzeuge während ihrer Laufzeit 1,5 Millionen Stopps haben, aktuelle Start-Stopp-Systeme sind aber auf 450.000 Stopps ausgelegt." Im Schnitt seien die Fahrzeuge acht bis neun Jahre in Betrieb.

- Lkw: Die Deutsche Post DHL verlässt sich nicht auf offizielle Verbrauchsangaben, sondern erstellt eigene Effizienzrechnungen. Von den Lkw-Herstellern fordert Lohmeyer punkto Verbrauch: "Wir brauchen mehr Transparenz." Wichtig sei nicht nur der Verbrauch, sondern auch die Leistung, die damit erbracht wurde.

Anders als in der Luft- und Seefahrt, wo es laut Lohmeyer sehr genaue Daten gibt, sei dies im Straßenverkehr wegen der vielen Subunternehmer schwierig. Überhaupt sei es sehr schwer, vor dem Kauf eines Lkw eine gute Verbrauchsangabe zu erhalten. Selbst wenn die Post selbst die Lkw testet, weichen die Verbräuche je nach Fahrer und Witterung stark voneinander ab.

Grundsätzlich gebe es bei den alternativen Antrieben keinen Königsweg, es brauche maßgeschneiderte Lösungen. Es hätte sich zudem gezeigt, "dass die Mitarbeiter intensivste Schulungen brauchen, um damit umzugehen und vielleicht sogar Begeisterung dafür aufzubringen."

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