Auto und Reise
07.06.2013

Hochsavoyen: Gipfel, Gletscher und Genüsse

Kurvenreiche Tour vom höchsten Alpenspitz zu einem der schönsten Seen Frankreichs.

Der Eintritt in das Paradies ist durchaus happig: Gut 41 Euro kostet die einfache Fahrt durch den Mont-Blanc-Tunnel mittlerweile. Aber es zahlt sich aus: Nach knapp zwölf Kilometern hat man das höchste Massiv der Alpen elegant unterwandert, fährt die letzten Kehren hinab ins Tal der Arve und genießt dabei schon die ersten Ausblicke auf die fantastische Gletscherwelt rund um Chamonix.

Das kleine Städtchen ist nicht nur das Tor zum Département Hochsavoyen (französisch: Haute-Savoie), sondern auch ein Mekka für alle Outdoor- und Sport-Freaks – und das nicht erst, seit hier 1924 die allerersten Olympischen Winterspiele ausgetragen wurden.

Man muss freilich nicht zwangsläufig Sport betreiben, um am Fuß des Mont-Blanc Adrenalin auszuschütten. Dafür reicht schon eine Fahrt mit der Gondelbahn zur Aiguille du Midi. In zwei Abschnitten überwindet man in nur 20 Minuten fast 3000 Höhenmeter und findet sich auf der dünnen Felsnadel wieder. Ein Aufzug bringt einen auf eine Terrasse in 3842 Meter Seehöhe – mit spektakulären Aussichten, die man sein Leben lang nicht mehr vergisst.

Ein Meer aus Eis

Wer eher die geruhsame Art des Aufstiegs bevorzugt, kann von Chamonix aus auch mit einer Nostalgie-Zahnradbahn zum Montenvers fahren. Dort befindet sich mit der Mer de Glace der größte Gletscher Frankreichs. Eine Besichtigung führt sogar in das Innere der Gletscherzunge: Jedes Jahr wird hier aufs Neue eine schimmernde Höhle für Besucher gegraben; leider muss man dafür immer tiefer hinuntersteigen; das Eis schmilzt auch hier dahin.

Bevor es aus dem engen Tal in die flacheren Gegenden von Hochsavoyen geht, machen wir noch einen kurzen Abstecher nach Megève; neben der Neugier auf den berühmten Wintersportort lockt auch eine kulinarische Adresse: Das Flocons de Sel gilt mit drei Michelin-Sternen als eines der besten Restaurants Frankreichs. Dafür kann man einen kleinen Umweg doch gerne in Kauf nehmen.

Endlich draußen aus der Schlucht geht’s erneut bergauf. Wir schlagen die einfache Möglichkeit der Autoroute aus und wählen das Hintertürchen: Von Cluses aus queren wir über kleine Pässe und geschwungene Wege das Aravis-Massiv. Die Route führt den Citroën C4 Aircross durch die Heimat des Reblochon-Käses, über den Col de la Colombière (legendäre Tour-de-France-Etappe) und St-Jean-de-Sixt direkt an die Gestade des Lac d’Annecy.

Der hübsche Badesee zählt zu den unbekannteren Attraktionen Frankreichs. Er ist eine stille, glitzernde Perle mit pittoresken, ein wenig verschlafenen Örtchen an seinen Ufern. Besonders hübsch ist das kleine Talloires mit alten Villen und üppigem Blumenschmuck – das perfekte Basislager für weitere Erkundungen.

Wer den Ausblick von höherer Warte schätzt, kann nun entweder im Osten Richtung Col de la Forclaz oder im Westen hinauf auf den Semnoz steuern. Diese Gebirgskette überragt den See über dessen gesamte Länge, die Auffahrt beginnt in Sévrier am Westufer. Nach kurviger Fahrt gipfelt die Route am Cret de Chatillon, wo heuer auch – allerdings erstmals – eine Tour-de-France-Zielankunft stattfinden wird.

Steinerne Romantik

Über unzählige Kurven und in Begleitung erhebender Ausblicke windet sich die Straße bergab, der Hauptstadt von Hochsavoyen entgegen: Annecy.

Schon die Lage der kleinen Metropole ist einnehmend: Ausgehend vom Seeufer erstreckt sich die Altstadt entlang des Flusses Thiou. Während der Uferbereich von der Weitläufigkeit großer Grünflächen geprägt ist, wird’s in den Gassen eng und verwinkelt. Die kleinen Wege am Fluss sind besonders charmant und reich besiedelt mit Restaurants, Cafés, Eisdielen.

Kalorien trainiert man sich am besten auf dem steilen Pfad zum Musée-Chateau d’Annecy ab. Von dessen Terrasse aus überblickt man die tönernen Dächer der Altstadt, das Seeufer und die Bergketten, die als perfektes Passepartout dienen.

Fürs Flanieren durch Annecy sollte man übrigens weder Dienstag noch Samstag einplanen – aber dennoch ein zweites Mal an einem dieser Tage wiederkehren. Dann ist hier nämlich Markt und die Hölle los – während man sich selbst im kulinarischen Himmel wähnt.

Hotels & Restaurants

Tipps. Eine mondäne Adresse in Chamonix ist das Hameau Albert 1er (Route du Bouchet 38, www.hameaualbert.fr). Das aus mehreren Gebäuden bestehende Anwesen besitzt eine sehenswerte Bar, zwei ausgezeichnete Restaurants und ein hübsches Spa. Romantisch sind die im modernen Alpinstil gehaltenen Zimmer im Bauernhof (La Ferme) – einige davon mit offenem Kamin. Mont-Blanc-Blick!

Kulinarische Souvenirs bekommt man im Shop der Coopérative fruitère du Val d’Arly in der Rue Whymper 93 – oder am Samstag-Markt am Place du Mont-Blanc.

Mit einer ebenfalls traumhaften Lage ist das liebenswert familiäre Seehotel Le Cottage in Talloires (www.cottagebise.com) gesegnet. Unbedingt ein Zimmer mit Seeblick reservieren! Der romantische Ort ist der perfekte Ausgangspunkt für Erkundungen des Seeufers, des Semnoz und natürlich von Annecy. Dort sollte man keinesfalls die Chocolaterie Meyer versäumen (Place Saint-Francois de Sales 4, www.chocolatier-annecy.com). Unter den handgemachten Pralinen finden sich eigenwillige Kreationen (Hibiskus, Steinpilz).

Ein extravagantes kulinarisches Erlebnis ist der Besuch des hoch dekorierten Restaurants Flocons de Sel (Route de Leutaz 1775, www.floconsdesel.com) in Megève. Chef Emmanuel Renaut erkochte sich hier in den Bergen drei Michelin-Sterne – unter anderem mit selbst gesammelten Pilzen. Wer in dem ultraschicken Restaurant Gerichte wie Gemüselasagne ohne Teig oder Eis mit Holzgeschmack verkosten will, sollte Zeit und Geld mitbringen – und unbedingt lange vorher reservieren.