News 13.08.2016

Hyundai Tucson: Etwas weniger könnte mehr sein

Hyundai Tucson: Etwas weniger könnte mehr sein
© /Schubert Daniel

Erkenntnisse nach einem halben Jahr mit dem Topmodell der neu entwickelten Baureihe.

Die Kundschaft hat sich nicht abschrecken lassen. Durch den Schritt nach oben, den Hyundai vom iX35 zum Tucson getan hat, ist man offenbar dort angelangt, wo es nicht mehr nur um das billigste Angebot geht. Das zeigen die Verkaufsraten bei den höheren Ausstattungspaketen.

So gesehen müsste der Kandidat, mit dem der Dauertest des Tucson gestartet wurde, voll ins Bild passen. Das Topmodell der Baureihe mit 185 Diesel-PS, Automatik und Allrad sowie Platin-Ausstattung (u. a. mit beheiz- und belüftbaren Ledersitzen), zeigte auf rund 15.000 Kilometern in 6 Monaten zwar, dass Hyundai hier tatsächlich eine neue Qualitätsstufe erreicht hat.

Hyundai Tucson 2,o CRDi 4WD…
© /Schubert Daniel

Anderseits stellte sich im Umgang mit dem Top-Tucson auch so manche Frage.

Etwa jene, warum es für den Top-Diesel auch für gutes Geld keine Start-Stopp-Automatik gibt. Oder warum die Allrad-Option im gesamten Tucson-Programm ausschließlich an das Topmodell gebunden ist.

Abgesehen davon sammelte der Kandidat vor allem mit seinem sehr geräumigen Passagierabteil Pluspunkte, das auch bei montierten Kindersitzen noch genug Raum lässt. Außerdem positiv vermerkt im Fahrtenbuch: Die vielen praktischen Ablagen, die rein auf Annäherung (mithin ohne unwürdiges Fuß-Gefuchtel) reagierende, automatisch öffnende Heckklappe und die sehr solide Verarbeitung. Wobei deren Image von einem nicht zu stellenden Quälgeist belastet wurde, der immer wieder für Klappergeräusche von der Rückbank sorgte.

Hyundai Tucson 2,o CRDi 4WD…
© /Schubert Daniel

Was die Motorisierung angeht, zeigte der Zweiliter-Diesel nicht in allen Lebenslagen, dass er nominell 185 PS Leistung zur Verfügung hat. Ein Gutteil davon dürfte wohl im Drehmomentwandler der 6-Gang-Automatik versickern, die zudem immer wieder mit recht eigentümlichem Hochschalt-Verhalten auffiel (und nach Überholvorgängen nicht und nicht in den 6. Gang weiterschalten wollte).

Solides Fahrwerk

Durchwegs positive Einträge erntete hingegen das Fahrwerk, das nicht nur eine gute Mitte zwischen komfortabel und sportlich findet, sondern die Fuhre auch souverän und ohne ständige Rückgriffe auf die elektronischen Helfer in der Spur hält. An den wenigen Schnee-Tagen des vergangenen Winters konnte der Allradantrieb zeigen, dass er es verdient hätte, auch in andern Tucson-Modellen (siehe Tucson 1,7 CRDi 2WD unten) einen Auftritt zu bekommen.

Hyundai Tucson 2,o CRDi 4WD…
© /Schubert Daniel

Wenig erhellend im wahrsten Sinne des Wortes zeigte sich die Lichtanlage. Vor allem die Straßen-Ausleuchtung durch das Fernlicht erntete viel Kritik.

Unterm Strich stellt sich nach dem halben Jahr – auch angesichts des recht hohen Verbrauchs – die Frage, ob es unbedingt diese Kombination sein muss. Etwas weniger Tucson könnte da wesentlich mehr sein.

Ein Verdacht, der sich nach den ersten Erfahrungen mit dem zweiten Kandidaten des Tucson-Dauertests zu erhärten scheint.

Antrieb: 4 Zylinder, Diesel, Direkteinspritzer, 2 oben liegende Nockenwellen, 4 Ventile/Zylinder, Alu-Zylinderkopf, Turbolader, Ladeluftkühler; Allradantrieb, 6-Gang-Automatik spitze 201 km/h, 0–100 in 9,5 Sekunden; Euro 6.

Hubraum/Leistung: 1995 /185 PS/136 kW

maximales Drehmoment: 400 Nm bei 1750 U/min

Fahrwerk: Selbst tragende Karosserie, vorn McPherson-Federbeine, Querlenker, hinten Mehrlenkerachse, vorn/hinten Schraubenfedern, Teleskopstoßdämpfer, Stabilisatoren Scheibenbremsen (vorn innen belüftet), Zahnstangenlenkung mit elektrischer Servounterstützung, ABS, Bremsassistent, elektronisches Stabilitätsprogramm (ESP).

Maße (L x B x H): 4475 x 1850 x 1650 mm

Wendekreis: 11,0 m

Radstand: 2670 mm

Böschungswinkel: vorn/hinten 17,2 Grad/23,9 Grad

Rampenwinkel: 18,6 Grad Wattiefe: 500 mm

Bodenfreiheit: 172 mm

Gewicht: 1690 kg

Gesamtgewicht/Kofferraum: 2250 kg/513–1503 l Anhängelast:gebremst/ungebremst 1900 kg/750 kg

Tankinhalt: 62 Liter

Bremsweg kalt: 35,1 m

Bremsweg warm: 35,2 m

Normverbr.: 5,6 l/100 km170 g/km CO²

Testverbr.: 8,8 l/100 km

Preis: 43.990 €

Preis Testwagen: 44.740 €

Motorbezogene Versicherungssteuer:883,44 €

Wie es diesseits des Topmodells (siehe oben) in der Tucson-Palette aussieht, soll die zweite Etappe des Dauertests mit dem neuen Kompakt-SUV der Koreaner klären. Nach einem halben Jahr erfolgte der Fahrzeugwechsel hin zu einem Tucson 1,7 CRDi mit 141 PS Leistung, dem neu entwickelten 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe der Koreaner und Frontantrieb.

Allrad ist für diese Kombination leider nicht zu bekommen, dafür arbeitet hier ein Start-Stopp-System, das wiederum im oben beschriebenen Allrad-Modell nicht zu haben ist.

Auf den ersten Kilometern der zweiten Dauertest-Etappe zeigte sich nicht nur, dass der nominell um 44 PS schwächere Kandidat dem Zweiliter-Diesel des Vorgängers in puncto Fahrleistungen in der Praxis abseits des technischen Datenblatts kaum nachsteht. Er erfreute auch mit zeitgemäßeren Verbrauchsschnitten, die mit derzeit rund 6,5 Litern Diesel für 100 Kilometer immerhin fast 2 Liter unter jenen des Vorgängers liegen (siehe Steckbrief oben). Dabei ließ auch das 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe in seiner Automatik-Stellung die Erinnerungen an die 6-Gang-Wandler-Automatik sofort verblassen.

Überdies positiv vermerkt: Der um satte 4000 Euro geringere Einstandspreis.

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© KURIER/Horst Bauer
(Kurier) Erstellt am 13.08.2016