Citroen C4 Cactus

© /Daniel Schubert

Testbericht
10/21/2014

Im Geiste der Ente: Citroën C4 Cactus

Nicht ganz zu Ende gedacht, dennoch eine willkommene Alternative zur SUVisierung der Kleinwagen.

von Horst Bauer

Da konnten die Citroën-Lenker machen was sie wollten. Die Öffentlichkeit wollte sich einfach nicht einreden lassen, dass der C4 Cactus kein später Nachfahre des legendären 2 CV sein sollte. Zu stark ist die gute alte Ente noch im kollektiven Gedächtnis verankert und zu sehr klang alles, was über den Cactus im Vorfeld zu hören war nach einer modernen Interpretation des bodenständigen Konzeptes eines einfachen, bequemen und vielseitig verwendbaren Autos, das praktische Lösungen statt modischer Gimmicks in den Vordergrund stellt.

Demgemäß groß ist auch das Aufsehen, wenn man derzeit mit einem Cactus unterwegs ist (zumal in der nicht schüchternen Zitronengelb-Lackierung). Eindeutiger Trend bei den Betrachtern am Wegesrand: Mundwinkel nach oben.

Nach intensiverer Auseinandersetzung mit dem so sympathisch auf optische Eigenständigkeit setzenden Ableger des C4 bleiben die Mundwinkel zwar auch beim Fahrer weitgehend in der Lächel-Stellung, die Stirn kann sich aber dennoch leicht in Falten legen ob so mancher vergebener Chance bei der Umsetzung des Cactus-Konzeptes in die Serienreife.

Gute Stimmung erzeugt die gelungene, bewusst komfortabel ausgelegte Abstimmung des Fahrwerks und die unaufgeregt aber effizient im Hintergrund werkende Motor-/Getriebe-Kombination. Das leichte Knattern des Dreizylinder-Benziners erinnert Nostalgiker an die Ente, ist sonst aber nicht weiter störend. Und hat man sich einmal an die betont weichen aber dennoch guten Halt bietenden Sitze gewöhnt, ist man im Cactus so richtig angekommen.

Ausstellfenster

Dann bleibt Zeit, sich so seine Gedanken zu machen darüber, dass die Citroën-Entscheider bei der propagierten neuen Einfachheit des Cactus-Konzeptes da und dort auf der Hälfte des Weges stecken geblieben sind.

So mutig und in der Praxis sinnvoll die Entscheidung für die (übrigens aus Oberösterreich stammenden) Airpumps als optisch auffälliger Schutz vor Dellen und Kratzern auch war, warum ist der Lack beim Türfalz damit nicht geschützt? Statt eines nur ohne Sonnenschutzrollo angebotenen Glasdaches, wäre etwa eine geteilt umlegbare Rücksitzbank sinnvoller (und wohl auch billiger) gewesen. Und eine richtig argumentierte Handkurbel für die vorderen Fensterheber wäre kein Problem gewesen. Aber Ausstellfenster hinten sind für ein auf Vollbesetzung ausgelegtes Familienauto sehr wohl eines.

Dennoch bleibt unter dem Strich ein positiver Gesamteindruck des so eigenständig geformten Cactus.

Schon alleine deswegen, weil ihn selbst die schärfsten SUV-Kritiker nicht als solchen erkennen werden.

Citroen Cactus PureTech 110

Antrieb: 3-Zylinder, Benzin, 2 oben liegende Nockenwellen, 4 Ventile/Zylinder, Alu-Zylinderkopf und -block; Frontantrieb, 5-Gang-Schaltgetriebe;

Spitze 190 km/h, 0–100 in 10,4 Sekunden;

Euro 5.

Hubraum: 1199 cm³

PS/kW: 110 PS/81 kW maximales Drehmoment:205 Nm bei 1750 U/min

Fahrwerk: Selbst tragende Karosserie, Einzelradaufhängung, vorn McPherson-Federbeine, Dreieckquerlenker, Stabilisator, hinten Verbundlenkerachse, v/h Schraubenfedern, Teleskopstoßdämpfer, Scheibenbremsen (vorn innen belüftet), Zahnstangenlenkung mit elektrischer Servounterstützung, ABS, Bremsassistent, (BA), elektronisches Stabilitätsprogramm (ESP), Antriebs-Schlupf-Regelung (ASR).

Maße (L x B x H): 4157 x 1729 x 1480 mm Wendekreis: 10,2 m Radstand: 2595 mm Bremsweg warm: 35,1 m Bremsweg kalt: 35,1 m Kofferraum: 358–1170 l Zuladung: 535 kg Gesamtgewicht: 1555 kg Tankinhalt: 50 l

Normverbr.: 5,7 l/100 km 107 g/km CO²

Testverbr.: 6,5 l/100 km

Preis: 17.290 €

Preis Testwagen: 21.077 €

Motorbezogene Versicherungssteuer: 424,08 €