Christian Klingler

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Interview
04/26/2013

Christian Klingler: „Wir sind keine Rabatt-Treiber“

VW-Konzernvertriebs-Vorstand Christian Klingler zur aktuellen Lage der Branche.

Der Tiroler Christian Klingler ist Vertriebsvorstand des Volkswagen-Konzerns. Auf der Automesse in Schanghai nahm er im Motor-KURIER-Gespräch zu aktuellen Themen Stellung.

Christian Klingler über ...

... die Lage auf den internationalen Märkten„Es gibt Sonnen- und Schattenseiten. So haben wir mit Sicherheit in Nordamerika Wachstum zu erwarten, wo es einigermaßen überraschend ist, dass die Fiskal-Klippe bis jetzt noch keine gravierenden Spuren auf dem Markt hinterlassen hat. Südamerika wird aus unserer Sicht relativ stabil bleiben, das größte Risiko dort stellt Argentinien dar, wo die wirtschaftliche Lage derzeit etwas schwerer einzuschätzen ist. Russland ist recht stabil und in Afrika wird es in Summe Wachstum geben. Indien wird stabil bleiben, was nicht als positiv einzuschätzen ist. Und in China erwarten wir weiter Wachstum im einstelligen Bereich.

In Europa tun sich die südeuropäischen Länder weiterhin sehr schwer und wir glauben, dass die Gesamtsituation zu einem negativen Wachstum des Pkw-Marktes führen wird. Das wird sich auch nicht so schnell ändern. Wir sehen da Märkte auf einem Niveau, das es schon längere Zeit nicht gegeben hat.“

... die weitere Internationalisierung des VW-KonzernsVW steht zu seinen Werken in Europa und das „German Engineering“ ist und bleibt eine wichtige Voraussetzung für unseren Erfolg. Wir glauben aber auch daran, dass Wertschöpfung in den Ländern passieren muss, in denen man verkauft. Nur so bekommen die Menschen dort auch das Geld, das sie brauchen, um konsumieren zu können. Und die Automobilindustrie zieht ja viele andere Industrien mit sich, von der Ölindustrie bis zu den Zulieferern. Wir bekennen uns dazu und haben in den letzten Jahren international viele Arbeitsplätze geschaffen. Wir haben also keine reduziert, sondern welche geschaffen.“

... die Stärke der chinesischen Autohersteller „Es gibt hier in China nationale Konkurrenten, die in den letzten Jahren eine sehr gute Entwicklung gemacht haben, wie etwa Great Wall oder auch SAIC. Die werden immer stärker werden und es ist nicht ausgeschlossen, dass hier in einer absehbaren Zeitspanne weitere ernst zunehmende Wettbewerber entstehen. Warum soll das auch nicht gehen, in Korea hat es auch funktioniert. Ob es gelingen wird, eine Luxusmarke hochzuziehen, wird man allerdings erst sehen. Volvo zum Beispiel hat, seit es von unseren chinesischen Freunden übernommen wurde, auf dem Markt hier keine Steigerung geschafft. Und von Qoros muss man sich dann einmal die ersten Serienmodelle anschauen und sie fahren, um die Sache beurteilen zu können. Dabei darf man allerdings nicht vergessen, dass man eine Marke nicht von einem Tag auf den anderen aufbauen kann.“

... die Rabattschlacht auf dem österreichischen Automarkt „Grundsätzlich verfolgen wir nicht die Politik, Rabatte zu treiben. Wir waren und sind keine Rabatt-Treiber. Es gibt aber speziell in Europa Mitbewerber, die da wesentlich unfreundlicher agieren und dem können wir uns nicht entziehen. Da kann es dann schon die eine oder andere Aktion geben. Aber wir haben hohes Interesse an Preisstabilität und das haben wir bisher auch ganz gut beibehalten. Unsere wirtschaftlichen Erfolge wären anders nicht gut möglich. Und wenn man sich die Zahlen anschaut – auch in Österreich – sieht man, wer bei den Tageszulassungen führend ist. Dem entziehen wir uns. Denn wir haben hervorragende Produkte und wir haben auch in den Jahren der Krise nicht gespart mit Investitionen, daher können wir jetzt auch ein neues Modell nach dem anderen auf den Markt bringen.“

... die Entwicklung der Salzburger Porsche-Holding als Teil des VW-Konzerns „Wir haben ja damals, als wir den gemeinsamen Weg mit der Holding begonnen haben schon gesagt, dass sich da einiges tun wird. Und inzwischen ist ja auch schon viel passiert, wie zuletzt in Südamerika (Anm.: Die Übernahme des Imports der Konzernmarken in Chile).

Das ist kein kleines Projekt. Die Kollegen bei der Holding machen da hervorragende Arbeit und inzwischen haben sie auch schon ein kleines Reich, in dem sie die Gärten erst einmal bestellen müssen. Das eine oder andere wird möglicherweise noch dazukommen. Aber wenn man sich das Wachstum der letzten zwei Jahre ansieht, dann hat das schon eine Größenordnung, die man erst einmal verdauen muss.“