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19.04.2012

Jede Minute zählt

© Bild: KURIER / Stephan Boroviczeny

Warum das europaweite Notrufsystem E-Call auch 2015 noch nicht kommen wird.

Jede Minute zählt, wenn es darum geht, Leben zu retten. Schon das letzte Verkehrssicherheitsprogramm der EU, das eine Halbierung der Zahl der Verkehrstoten bis 2010 gegenüber 2001 zum Ziel hatte, sah ein EU-weites Notrufsystem für neue Pkw vor.

Beide Ziele wurden verfehlt. Aber im aktuellen Zehnjahresprogramm wollte die EU das ändern.

2015 sollte jeder neue Pkw, jedes neue Leichtfahrzeug, mit dem "E-Call" genannten automatischen Notruf­system in EU- sowie weiteren europäischen Ländern ausgestattet sein. Auch Russland schloss sich an. E-Call verwendet die europäische Notrufnummer 112, sendet aber auch Angaben über Unfallort, Unfallschwere sowie Unfallzeitpunkt mit. Der Notruf kann manuell aktiviert werden oder automatisch über Crashsensoren im Auto. Das klingt bestechend einfach und sinnvoll. Die Technik dafür wird seit Jahren von Autoherstellern als Teil teurer Gesamtpakete verkauft.

E-Call für sich allein als Pflichtübung dagegen dient als Schauplatz konträrer Interessen der zahlreichen Beteiligten aus der Autozuliefer- und Telekomindus­trie. Es geht nicht nur um viel Geld, sondern auch um möglichst viele Daten jedes einzelnen Unfallopfers. Inzwischen ist klar: Der Start wird wieder verschoben.

Anders in Russland. Dort will man schon 2013 mit E-Call starten. Der Notruf enthält nur die wichtigsten Daten. Die Technik dafür kommt unter anderem aus Deutschland und den USA. China plant Ähnliches.

Für sie zahlt sich der Datentransfer dank E-Call sicher aus. So werden nicht nur Leben gerettet, sondern auch Arbeitsplätze dank E-Call geschaffen. Aber nicht bei uns.

maria.brandl(at)kurier.at