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Motorrad
03/26/2017

KTM 1290 Super Duke R: Biest zum Liebhaben

Das nachgeschärfte Streetfighter-Flaggschiff von KTM punktet nicht nur mit satten 177 PS, sondern mit einer unerwartet großen Portion Alltagstauglichkeit.

Von wegen Facelift: Mit der frisch nachgeschärften 1290 Super Duke R bekräftigt KTM endgültig seine Position als Naked-Bike-Vorreiter am Motorradmarkt. Vier Pferdestärken mehr als ihr Vorgängermodell stemmt die muskulöse Asphalt-Rakete auf den Prüfstand. Mit fabulösen 177 Pferdestärken und 141 Newtonmetern mutiert die zweite Version des 2014 vorgestellten Biests aus Oberösterreich damit zum unbestrittenen Alphatier des Segments: Kein anderes Naked Bike am Markt ist aktuell so kräftig wie die radikale KTM, deren Wurzeln schon bis 2005 zurückreichen. Da wurde in Mattighofen die erste hubraumstarke Super Duke mit Zweizylinder-V-Motor aus der Taufe gehoben, die den Grundstein für die heutige Erfolgsgeschichte legte.

Mit 273 zugelassenen Exemplaren war der orange Streetfighter 2016 das bestverkaufte Power-Nakedbike der heimischen Verkaufs-Charts. An dieses Ergebnis dürfte trotz 19.398 Euro Einstiegspreis auch die runderneuerte Version nahtlos anknüpfen können, denn abgesehen von der erhöhten Potenz durch Titan-Einlassventile, höhere Verdichtung und eine leichtere Kurbelwelle hat die Super Duke R auch deutlich an Alltagswert zugelegt. Dank des serienmäßigen Keyless-Go-Systems ist das lästige Kramen nach dem Zündschlüssel ab nun passé, gestartet wird per Knopfdruck.

Völlig alltagstauglich

Kultiviert und vibrationsarm rollt das agile KTM-Flaggschiff unangestrengt durch den Kolonnenverkehr, die aufrechte Sitzposition mit moderatem Kniewinkel machen die optisch so radikal anmutende Super Duke R tatsächlich zum bequemen City-Verkehrsmittel. Auf atemberaubenden Schub beim Ampelsprint muss der Pilot dennoch nie verzichten: Ganz egal welche Drehzahl das neue Farb-TFT-Display (optional mit My Ride-Bluetooth-Schnittstelle für Smartphone-Steuerung) im Cockpit auch anzeigt, es stehen jederzeit mindestens 100 Newtonmeter per elektronischem Gasgriff abrufbereit parat.

Das Surfen auf der Drehmoment-Welle sorgt selbstverständlich außerhalb des belebten Stadtgebietes für besondere Glücksgefühle unterm Helm, und hier lassen sich auch die Qualitäten von Traktionskontrolle, Kurven-ABS, Tempomat und der drei serienmäßigen Riding-Modes (Street, Sport, Rain) standesgemäß auskosten. Wie ein brennender Pfeil jagt die handliche, 195 Kilo leichte KTM aus allerlei Kurvenradien und die Elektronik hat alle Hände voll zu tun das beim Beschleunigen permanent schwebende Vorderrad in Bodennähe zu halten.

Gebremst und eingelenkt wird mindestens genauso vehement, und in tiefer Schräglage vermittelt der Großherzog dank klarer Rückmeldungen viel Vertrauen. Wer die aufpreispflichtigen Performance- und Track-Packs ordert, ist dank des zusätzlichen Track-Modus, der nun merklich strafferen Fahrwerksabstimmung und diverser technischer Raffinessen wie einer Launch-Control auch für den Rennstrecken-Einsatz bestens gerüstet. Ein Schaltassistent erlaubt Gangwechsel ohne Kupplungsbetätigung, Wheelies werden von der Elektronik nicht unterdrückt und kontrollierte Power-Drifts dank Spin-Adjuster möglich.

Trotz Muskel-Protzerei und radikaler Sportlichkeit bleibt die Vernunft beim Kauf einer 1290 Super Duke R nicht ganz auf der Strecke: Während die Einhaltung der Euro-4-Norm ohnehin als Pflicht gilt, ist das börselfreundliche Wartungsintervall von 15.000 Kilometern eine gelungene Kür.