News 05.12.2011

Kurvige Meisterwerke

Kurvige Meisterwerke
© rts

Luxus Oldtimer: Zum ersten Mal zeigt Modeschöpfer Ralph Lauren seine exquisite Auto-Sammlung in Europa.

Zur Eröffnungs-Gala am Abend kamen Stars in Scharen. Am nächsten Tag in der Früh standen unzählige Leute Schlange vor dem Eingang. Um ebenfalls die Ausstellung "L' Art De l' Automobile - Meisterwerke aus der Sammlung von Ralph Lauren" zu sehen.

Gleich das erste Auto, das da im Design-Museum Les Arts Decoratives auf der Rue Rivoli in Paris prangt, wäre es sogar wert, dass man sich stundenlang anstellt. So einmalig, so formvollendet, so traumhaft, so hinreißend schön ist er. Der Bugatti 57 S(C) Atlantic aus dem Jahr 1938.

Teuerster Oldtimer

Ästhetik pur: Bentley & Ferraris.
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Für das futuristische Coupé aus gedengeltem Aluminium mit sichtbaren Nähten und abgekanteten Hohlnieten erhielt Ettore Bugatti damals drei Bestellungen. Zwei davon haben im Originalzustand überlebt. Jenes von Ralph Lauren und ein anderes, das im Jahr 1971 zum damaligen Rekordpreis von 59.000 Dollar ersteigert wurde. Nach dem Tod des Besitzers wurde es 2010 wieder versteigert: Um 30 Millionen Dollar (rund 23 Millionen Euro). Somit steht man auch noch vor dem teuersten Oldtimer der Welt.

Spitzname

Ein paar Treppen hinauf und man steht vor dem Mercedes-Benz SSK „Count Trossi“ aus 1930. Das elegant-extravagante Auto mit dem Hai-ähnlichen Profil und der kapitalen Kühlerhaube gehörte einst dem Grafen Carlo Felice Tossi, einem Rennfahrer. Daneben steht das älteste Auto der Sammlung, ein Bentley aus dem Jahr 1929. Seinen Spitznamen „Blower“ (Bläser) erhielt er wegen seines Zusatzkompressors, der es ihm ermöglichte, zahlreiche Rennen zu gewinnen. Ian Flemming wählte dieses Auto in seiner ersten Novelle für James Bond 007. Enzo Ferrari bezeichnete ihn als „den schnellsten Lastwagen auf Rädern“.

Ästhetik pur: Bentley & Ferraris.
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Dahinter steht der hinreißende, rote Alfa Romeo 8C 2900 Mille Miglia aus dem Jahr 1938. Und Jaguars, Porsches, Ferraris, Mercedes-Benz’ und – der Jüngste– ein Mc Laren F1 LM in Knallgelb mit nach oben zu öffnenden Türen aus dem Jahr 1996. LM steht für Le Mans, wo das legendäre 24-Stunden-Rennen stattfand, das einige Autos aus der Sammlung gewannen.
70 Oldtimer umfasst die Sammlung von Ralph Lauren. Siebzehn davon hat der Modeschöpfer jetzt zum ersten Mal in Europa ausgestellt. Man geht von einem zum anderen und kann sich an der genialen Ästhetik nicht sattsehen.

Ästhetik pur: Bentley & Ferraris.
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Um den Genuss, den die Ausstellung vermittelt, noch zu steigern, kann man die Boliden auch akustisch erleben. In eigens dafür errichteten Kabinen. Man setzt sich nieder, bekommt auf einer Leinwand das jeweilige Auto und seine inneren und äußeren Besonderheiten im Detail vor Augen geführt und aus dem Lautsprecher röhrt der Motor. Beim Starten und beim Gasgeben, beim sanften Fahren und bei Höchstgeschwindigkeit.
Und wie beim Design – wer ist der Schönste? – ist auch hier die Entscheidung schwer bis unmöglich: Bereitet einem nun der Ferrari 375 Plus aus dem Jahr 1954 (gewann das 24-Stunden-Rennen von Le Mans), der Jaguar XKD aus dem Jahr 1955 oder doch der Mercedes-Benz 300SL Gullwing Coupé, ebenfalls aus dem Jahr 1955, den schönsten Ohren-Orgasmus?

Formel-1-Stars

Diesen Genuss ließen sich ehemalige Rennfahrer und andere Prominenz nicht entgehen. Ralph und Ricky Lauren samt den beiden Söhnen David und Andrew begrüßten unter anderen die Chefin des Hauses, Madame Michel David Weill, die Schauspielerin Emmanuelle Béart (in Ralph Lauren)mit den Kollegen Jean Reno und Lambert Wilson, Starregisseur Claude Lelouch, Formel-1-Weltmeister Sir Jackie Stewart mit seiner Frau Helen und Ex-Ferrari-Formel-1-Boss Jean Todt.

Nachgefragt: "Weil man mit Gemälden nicht fahren kann"

Ästhetik pur: Bentley & Ferraris.
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Vom armen Kind aus der New Yorker Bronx zum reichsten Modeschöpfer der Welt - und zum leidenschaftlichen Oldtimer-Sammler: Wie kam es zu dieser Kombination, wollte der KURIER von Ralph Lauren wissen.

KURIER: Warum sammeln Sie Autos?
Ralph Lauren: Weil man mit Gemälden nicht fahren kann.

Autos und Mode, wie passt das zusammen?
Da gibt es viele Gemeinsamkeiten. Mir geht es in beiden Fällen vor allem um die unbedingte Einheit von Form und Funktion.

Haben Sie schon als Kind Autos geliebt?

Meine erste Erinnerung geht dahin, dass ich mit meinen Brüdern auf die Straße geschaut habe, und wir konnten alle Autos beim Namen nennen.

Sie wollten einmal Rennfahrer werden.
Ja, aber der Traum war rasch vorüber. Ich habe diese Autos auch nicht gekauft, um sie auszustellen. Ich lebe mit ihnen und erlebe sie. Sie sind wie Teile von mir.

Es muss eine große Freude sein, so unglaublich schöne, einmalige Dinge zu besitzen.
Diese Autos sind für mich Kunstwerke. Viele der ganz alten meiner Kollektion sind handgemacht.

Nach welchen Kriterien sammeln Sie Autos?
Ich liebe Maschinen, die das Produkt eines Menschen sind, der seine ganze Leidenschaft dafür einsetzt, um wunderschöne Formen oder Sounds zu kreieren. Heutzutage ist da schon so viel technische Raffinesse und Perfektion im Spiel. Aber diejenigen, die ich liebe, sammle und fahre, sind immer noch ganz speziell und haben ihre künstlerische Vollkommenheit beibehalten. Sie sind so begehrenswert, weil sie von dauerhafter Zeitlosigkeit sind.

Das streben Sie ja auch in Ihrer Mode an.
Genau. Ich möchte beim Entwerfen meiner Modelle erreichen, dass sie der Trägerin über die Jahre immer besser gefallen.

In Paris: Ausstellung und Buch

Ort: Lauren zeigt seine Autos im Musée des Arts décoratifs, 107, rue de Rivoli, 75001 Paris.

Zeit: Die Ausstellung ist bis 28. August dienstags bis sonntags jeweils von 11 bis 18 Uhr geöffnet.

Preise: Der Eintritt kostet 9 € pro Person, ermäßigt 7,50 Euro.

Buch: Ralph Lauren - "L'Art de l'automobile. Chefs-d'œuvre de la collection", 48 €, im Museum.

(Kurier) Erstellt am 05.12.2011