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05.12.2011

Land Cruiser: 60 Jahre über Stock und Stein

© Bild: Werk

Der Land Cruiser ist kein Auto für den spektakulären Auftritt, sondern für den Weg dorthin. Der Underdog der Geländewagen feiert dieses Jahr seinen 60. Geburtstag. Eine Modellgeschichte. Plus: Bilder & Video.

60 Jahre sind eine lange Zeit. Man könnte also meinen, der Toyota Land Cruiser gehöre zu den bekanntesten Geländewagen. Eigenartigerweise assoziieren die meisten Menschen mit "Offroader" jedoch Jeep Wrangler, Mercedes G-Klasse und Land Rover. Dabei ist der Toyota mit über 6 Millionen verkauften Exemplaren erfolgreicher als die genannten Allrad-Konkurrenten.

Der Land Cruiser hat etwas von einem Underdog, einem unauffälligen Typen, der sich lieber im Hintergrund hält, die Arbeit aber stets souverän erledigt und mit Beständigkeit überzeugt. Salopp gesagt: Er ist kein Auto für den spektakulären Auftritt, sondern für den Weg dorthin. So verwundert es nicht weiter, dass der japanische Geländewagen in unzähligen TV-Beiträgen über weit entlegene Regionen, chaotische Krisengebiete und ergreifende Naturereignisse durchs Bild gefahren ist. Deshalb steht der Land Cruiser trotz seiner relativen Unbekanntheit in den SUV-schwangeren Städten, in mehr als 170 Ländern für Geländetauglichkeit, Langlebigkeit und Zuverlässigkeit. Das waren nämlich schon die Stärken des ersten Prototyps, dem "Toyota Jeep BJ" und es sind heute die Talente des Land Cruiser 150, dem neusten Serienmodell. Den Japanern ist es im Laufe der langen Bauzeit gelungen, neben den traditionellen Stärken eines Geländewagens auch die Fahreigenschaften auf der Straße von Generation zu Generation zu verbessern. Die Erfolgsgeschichte des Land Cruiser steht stellvertretend für die Geschichte von Toyota, der sukzessive zum größten Autohersteller der Welt aufstieg.

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Die Geschichte beginnt 1951: Die in Japan stationierten US-Streitkräfte wollen ihren Bedarf an leichten Geländewagen vor Ort decken und starten eine Ausschreibung. Toyota beteiligt sich und weil die Zeit knapp ist, kombiniert man bereits vorhandene Teile der laufenden LKW-Produktion. Eine minimalistische Karosserie mit Stoffverdeck, ohne Türen und freistehenden Scheinwerfern wird auf einen Leiterrahmen mit blattgefederten Starrachsen geschraubt. Unter der Stahlhaube werkt ein Benzinmotor der damaligen B-Serie. Das Ergebnis nennt man " Toyota Jeep BJ".

Die Japaner erhielten zwar nicht den Zuschlag des US-Militärs, glaubten aber an ihr neues Konzept und legten damit den Grundstein für die Serienproduktion. Weil die Amerikaner kein Interesse zeigten, musste Toyota die Öffentlichkeit auf den Allradler aufmerksam machen. Testfahrer Ichiro Taida fuhr deshalb mit dem Prototyp die Treppen zum Fudo Tempel hinauf. Vor den Augen der Polizei und Forstbehörden. Es hagelte jedoch keine Strafmandate, sondern Bestellungen. Die Uniformierten waren vom kleinen Kletterer mehr als begeistert.

Komfort wird wichtiger

1954 wird Toyota schließlich die Verwendung der Bezeichnung " Jeep" untersagt. Es musste ein neuer Namen her, der kernig klingen und international auf Anklang stoßen sollte. Man fand ihn in der Bezeichnung "Land Cruiser BJ". Bereits 1954 verließen 457 Exemplare die Fertigungshallen. Davon gingen einige nach Pakistan und 23 Exemplare nach Saudi Arabien. Diese Fahrzeuge legten den Grundstein für den internationalen Erfolg des japanischen Offroaders.

Zu Beginn der 1960er Jahre ändern sich die Wünsche der Autofahrer. Besonders in den USA steigt die Nachfrage nach geräumigen, praktischen und vor allem komfortablen Wagen, die auch in der Freizeit eingesetzt werden können. Das "Arbeitstier" Land Cruiser kann diese Ansprüche nicht erfüllen. Toyota reagiert und führt 1967 den LC 50 ein, der Platz für bis zu 10 Personen bietet. Ab 1984 wird der Land Cruiser schließlich immer als robuste "Heavy Duty" und als komfortable "Light Duty" Version angeboten.

(Anmerkung: Mehr Informationen zur Geschichte und Bilder der historischen Modelle finden Sie in der Bildergalerie.)

Grundrezept

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Trotz aller Verbesserungen - eines ist geblieben: Das Grundrezept. Nach wie vor bildet ein Leiterrohrahmen mit Starrachsen (Hinterräder) und Allradantrieb die Basis. Darüber hinaus haben die aktuellen Modelle mit dem Urvater von 1951 jedoch nicht mehr viel gemein. Aus "Land Cruiser" sind "Luxus-Cruiser" geworden, gepimpt mit Elektronik, Lack- und Lederausstattung. Auch kämpft sich der Toyota längst durch den Großstadtdschungel und nicht mehr nur über Stock und Stein. Nicht weil er es nicht könnte - die neuen sind genauso zähe Kletterer wie ihre Urahnen - aber die Käufer wohnen heute eher in der Stadt als in der Wildnis. Auch der Preis ist nicht mehr wirklich traditionsgemäß: Zwischen 37.450 und 87.900 Euro muss man heute für einen Land Cruiser ausgeben.

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