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05/31/2012

Linzer Künstler baut Fahrrad-Ferrari

Sein Porsche heißt Ferdinand, sein Ferrari Fahrradi. In der Welt des Linzer Künstlers Hannes Langeder geht es ziemlich wunderlich zu.

von Bernhard Praschl

Nichts ist echt an diesem Auftritt. Nicht der Burt-Reynolds-Schnauzer, nicht der goldfarbene Porsche, schon gar nicht der Ferrari. Selbst der barocke Spiegelsaal existiert lediglich in Form einer Fotomontage.

Aber was ist schon "echt", wenn man sich mit der Kunstwelt auseinandersetzt, im Speziellen mit der Welt des Künstlers Hannes Langeder.

Wenn der groß gewachsene Kreative sich hinter das Steuer seines schmalbrüstigen Fahrradi Farfalla FFX klemmt, macht er das mit der Ernsthaftigkeit eines Hochgeschwindigkeitssportlers.

Dabei besteht an Bord des Ferrari-roten Boliden kaum Gefahr, einem Temporausch zu erliegen. Statt mit PS wird die Kunststoff-Flunder per pedes betrieben, quasi betreten. Der Fahrradi ist ein Tretauto.

"Als Kind hatte ich keines", sagt Langeder. Jetzt hat der 47-jährige Linzer zwei. Mehr noch. Mit seinen Eigenbau-Rennern sorgt der Mann, der weder notorischer Benzinbruder ist noch Pedalritter aus Prinzip, weltweit für Schlagzeilen.

Sicher, kommt man Ferdinand GT3 RS – "das RS steht für Radsport" – nahe, merkt man plötzlich, dass unter der maßstabgetreuen Porsche-Kopie eine aufwendige Fahrradkonstruktion steckt. "Die stammt von dem Rad-Spezialisten Paris Maderna aus der Josefstadt in Wien." Karosserie und Chassis sind jedenfalls der totale Hingucker. Am Stand sowieso, erst recht aber im fließenden Verkehr, denn der Gegensatz zwischen rasantem Schein und zähem Sein könnte nicht größer sein.

Mit dem nach dem legendären Porsche-Konstrukteur benannten "Wagen" war Hannes Langeder vor zwei Jahren Gast in ,Top Gear’, dem großartigen BBC-Automagazin mit Jeremy Clarkson, das regelmäßig von Millionen Menschen auf dem ganzen Erdball gesehen wird.

"Das wusste ich vorher auch nicht, aber wenn man sich mit Autos in welcher Form auch immer beschäftigt, kriegt man mit der Zeit ein ziemliches Insiderwissen zusammen. In dieser Sendung", so der kunstsinnige Neo-Autobauer weiter, "ging es um ein Aufeinandertreffen des schnellsten Autos der Welt, ein Bugatti Veyron, mit dem langsamsten – eben meinem Ferdinand." Ergebnis war eine Show, die den Familienmenschen und Vater dreier kleiner Kinder zu einem weiteren Schaustück inspirierte: Einen Bugatti als Attrappe herzustellen – für die Garage.

Wer die metallen schimmernden Objekte für bare Münze hält, den befällt bei näherer Betrachtung möglicherweise das Gefühl, einen Bären aufgebunden zu bekommen. Dabei hat alles mit einem Elefanten begonnen. "Für ein Projekt zur Kulturhauptstadt Linz ’09 dachte ich an einen weißen Elefanten auf Rädern, mit dem man durch die Stadt reiten kann."

Das Spiel mit der Mimikry findet nun eben auf einer anderen Ebene statt. Mit dem Vorteil, dass sich der Künstler mit einer Arbeit wie dem Fahrrad-Ferrari genau am Puls der Zeit bewegt. Denn Ziel von Lang­eders Arbeit ist, "die Entschleunigung im Gewand der nahezu grenzenlosen Schnelligkeit und Kraft voranzutreiben."

Bisweilen fühlt sich das durchaus spaßig an, etwa wenn ein Audi-80-Fahrer seinen Glücksmoment hat, weil er es einem Porsche einmal so richtig zeigen kann. Apropos zeigen: Ein Clip mit dem Ferdinand GT3 RS steuert auf YouTube bereits auf die Drei-Millionen-Marke zu. Der erst vor wenigen Wochen präsentierte Fahrradi hält immerhin schon bei mehr als 1,1 Millionen Klicks.

 

Getreu dem Spruch des deutschen Happening-Künstlers Wolf Vostell, "Das Auto ist die Plastik des 20. Jahrhunderts", sind bis 4. Juli beide Prachtstücke in Linz im Lentos Museum zu sehen – im Rahmen der Ausstellung "Car Culture".

Möglich, dass sich unter die Besucher auch Abgesandte aus Maranello mischen, um sich was abzuschauen. Langeders Fahrradi braucht den Vergleich mit Concept Cars der italienischen Sportwagenschmiede nicht scheuen. Völlig aus der Luft gegriffen ist hingegen der Wert des ökologisch absolut korrekten Renners, den die Boulevardzeitung "The Sun" nannte: 1,2 Millionen Britische Pfund. Gerade bei der Arbeit mit Autos, so der Künstler, sei Übertreibung gefragt und gerne gesehen. Im Fahrradi aber steckt in Wahrheit "nur" ein fünfstelliger Euro-Betrag – dafür ein ganzes Jahr Arbeit. Das Zeug zum Sportwagen-Designer hat der Besitzer eines alten Ford Transit jedenfalls. Wär’ ja gelacht, ist doch auch schon sein Kunstprojekt "Dilettantenorchester" genial gescheitert: "Die ,Linzer Philharmonie’ wurde zu schnell zu professionell", sagt er – immerhin mit einem lachenden Auge.

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