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10/18/2020

Luca de Meo: Sein Weg an die Spitze von Renault

Zum ersten Auftritt von Luca de Meo als neuer Chef von Renault – ein Blick hinter die Kulissen seiner bisherigen Laufbahn

von Horst Bauer

Beim ersten Treffen war er zwar noch jung, sah aber nicht unbedingt so aus. Zu viel hatte die immer größere Verantwortung, die ihm von Fiat-Konzernchef Sergio Marchionne aufgehalst wurde, vom persönlichen Leistungskonto abgebucht.

Damals, im Sommer 2008, war Luca de Meo bei einem Termin für Juroren der Wahl zum „Auto des Jahres“ als abendlicher Gesprächspartner angekündigt. Mit 41 Jahren war der Mailänder Chef von Alfa Romeo geworden. Und das zusätzlich zur Verantwortung für die – vor allem auf seine Initiative hin – wieder mit neuem Leben erfüllte Marke Abarth und das Marketing für die gesamte Fiat-Gruppe (inklusive der IVECO-Lastwagen und der Landmaschinen von Case New Holland).

Irgendwann am späteren Abend schälte er sich aus einem noch nicht serienreifen Alfa, den er zwecks Erprobung selbst vom Büro in Turin bis zum Hotel in den piemontesischen Hügeln getrieben hatte, und stellte sich den Fragen der Fachjournalisten. Trotz tiefer schwarzer Ringe unter den Augen und spürbarer Übermüdung beeindruckte er die Runde mit beeindruckender Eloquenz im Gespräch. Und das in verständlichem Englisch. Was man bei Fiat-Managern vor der Übernahme von Chrysler nicht gewohnt war.

Der bleibende Eindruck nach diesem Abend war nicht nur, dass hier ein geborener Kommunikator am Werk ist, der Enthusiasmus für seine Marken verbreiten kann. Sondern auch, dass er einen über den italienischen Kosmos hinausreichenden Horizont hat. Beruflich sozialisiert wurde de Meo nicht wie die meisten Fiat-Manager nur im eigenen Konzern. Der Einstieg in den Job erfolgte nach dem Studium an der Bocconi-Universität in Mailand bei Renault. Was sich jetzt – ganz oben in der Renault-Hierarchie angekommen – gut macht im Lebenslauf. Stärker geprägt hat ihn jedoch die darauf folgende Zeit in der Europazentrale von Toyota, wo er Einblick in eine für italienische Manager dieser Zeit neue Welt bekam.

Zurück in Italien bei Fiat orchestrierte der Marketing-Spezialist dann gemeinsam mit dem exzentrischen Fiat-Erben Lapo Elkann den Erfolg des neu aufgelegten Cinquecento, der zum Retter des angeschlagenen Konzerns werden sollte. Der Trick dabei war die Positionierung des Sympathieträgers zu einem gerade noch vertretbaren Grundpreis und die professionelle Vermarktung von breit gefächertem schickem Zubehör. Damit konnte man pro Auto mehr Geld verdienen als die Konkurrenz auf dem preissensiblen Kleinwagenmarkt.

Der Ruf von Piëch

Dieser Erfolg katapultierte de Meo in kürzester Zeit die Fiat-Karriereleiter so weit hinauf, bis es zu viel wurde. Nach jenem Abend im Piemont dauerte es nicht mehr lange, bis er dem Ruf Ferdinand Piëchs zu VW folgte. Der war gerade dabei, einen Angriff auf das traditionell von den Italienern dominierte Kleinwagensegment unterhalb des Polo zu starten, und holte sich 2009 de Meo als Marketingdirektor für die Marke VW und den Gesamtkonzern.

Die Weltpremiere des VW Up inszenierte dieser dann gleich in Rom, quasi in der Höhle des Löwen.

Drei Jahre später wechselte de Meo als Vorstand für Vertrieb und Marketing zu Audi. 2015 wurde er schließlich Chef von Seat. Dort wendete er ein Rezept an, das er schon bei Fiat mit der Wiederbelebung von Abarth erfolgreich umgesetzt hatte. Er gliederte Cupra als eigene sportive Marke aus Seat aus. Den Erfolg dieses zu Beginn nicht von allen im Konzern goutierten Schritts, kann er sich nun aus der Entfernung ansehen.

Als er im Jänner dieses Jahres überraschend seinen Rücktritt als Seat-Chef verkündete, steckte Cupra noch in den Kinderschuhen. Jetzt, da mit dem Formentor das erste eigenständige Modell der Marke Premiere feiert, tritt dessen geistiger Vater Luca de Meo erstmals als Vorstandsvorsitzender von Renault vor die Öffentlichkeit.

Womit er zeigt, dass ein von ihm als junger Alfa-Chef geprägter Satz, auf ihn selbst nicht zutrifft. De Meo, damals auf Fragen der Auto-des-Jahres-Juroren nach den Fertigstellungsterminen neuer Modelle: „Unterschätzen sie uns Italiener nicht. Wir mögen nicht so koordiniert sein wie die Deutschen. Aber wir sind die Weltmeister auf der letzten Meile.“

Er selbst beherrscht offensichtlich auch die Langstrecke.

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