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© Horst Bauer

Fahrbericht
11/25/2021

Erste Ausfahrt mit dem Abo-SUV: Das kann der Lynk&Co 01

Wieviel man im Fahrbetrieb von der Verwandschaft zu Volvo merkt und warum die Hauptattraktion des Lynk&Co sein Vertriebssystem ist

von Horst Bauer

Ob die Welt auf ein weiteres Mittelklasse-SUV gewartet hat, steht in den Sternen. Auch wenn der Lynk&Co 01 optisch durchaus eine Bereicherung im breiten Angebot der Geländewagen-Darsteller ist, scheint er in keine bisher klaffende Marktlücke zu fahren. Dies umso mehr, als er seine Technik weitgehend mit dem aktuellen Volvo XC 40 teilt.

Und doch hat der 4,54 m lange Lynk&Co 01 ein Alleinstellungsmerkmal, das ihn aus dem Meer der anderen SUV dieser Größenordnung herausstechen lässt. Das SUV mit dem sperrigen Markennamen kann man nämlich nicht nur kaufen, sondern auch abonnieren - und es dann auf eigene Rechnung weitervermieten. Ein Monat Nutzung kostet fixe 500 Euro und das Abo kann per jedem Monatsende problemlos beendet werden, sollte man es sich anders überlegen.

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Abgesehen von diesem neuen Ansatz, mit dem die junge Marke aus dem chinesischen Geely-Konzern einen Versuchsballon zum Thema Autobesitz versus Autonutzung startet, soll deren erstes Modell aber natürlich auch alle Anforderungen erfüllen, welche die europäische Kundschaft an ein modernes Auto dieser Größenordnung heute stellt. Ob das dem Lynk&Co 01 gelingt, sollte eine erste Schnupperrunde am Steuer des Modells mit Plug-in-Hybrid-Antrieb zeigen.

Zunächst fällt auf, dass es den Designern besser als den Kollegen von Polestar gelungen ist, von der engen Verwandtschaft zu Volvo abzulenken. Dieser Eindruck setzt sich auch nach dem Einsteigen fort. Die Kommandozentrale kommt nicht nur ohne hochgestelltem Bildschirm in der Mitte aus, dieser ist auch elegant in den Armaturenträger integriert und wirkt nicht wie ein nachträglich eingepflanzter Fremdkörper.

Auch was den Bedienhebel für das 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe angeht, hat man sich auf keine Design-Experimente eingelassen. Der ist auf Anhieb auffind- und in seiner Funktion erkennbar, was ja derzeit nicht mehr überall der Fall ist. So braucht man keine nähere Einschulung, um den Lynk&Co 01 einfach einmal in Bewegung zu setzen und ihn seiner Bestimmung gemäß zu verwenden.

Komfortable Abstimmung

Im Fahrbetrieb zeigt sich dann recht schnell, dass das Gesamtsystem eher auf die komfortable Seite hin ausgelegt ist. Dies jedoch ohne Lenkpräzision und Spurhaltung dafür zu opfern. Auch die ESP-Abstimmung wird nicht dazu missbraucht, Schwächen des Fahrwerks durch unharmonische Eingriffe auszubügeln. Ganz im Gegenteil. So absolvierte der Lynk&Co 01 mit Plug-in-Hybrid-Antrieb den Elchtest im Zuge der Testfahrten der Auto-des-Jahres-Jury bis Tempo 67 souverän. Kommentar der Tester: "Merkbarer ESP-Eingriff, Fahrzeug leicht zu kontrollieren, schafft das Ausweichmanöver sehr sicher."

Die Systemleistung des Plug-In-Antriebs aus einem Dreizylinder-Benziner und einem E-Motor beträgt 261 PS (Batterie-Kapazität 17,6 kWh). Das reicht trotz des Kampfgewichts von rund 2,4 Tonnen für ansprechende Fahrleistungen. Aber auch wenn man theoretisch in 8,0 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 beschleunigen kann und die Spitze bei 210 km/ liegt, wird man mit dem schwedischen Chinesen wohl kaum je die sportliche Gangart anschlagen. Dies nicht zuletzt auch deswegen, weil die Fahrwerksabstimmung dafür sorgt, dass man relativ bald mit starkem Untersteuern in Kurven zu kämpfen hat, sollte man es einmal doch zu forsch angehen.

Lässt man sich hingegen auf die dem Lynk&Co 01 angestammte entspannte Fahrweise ein, wird man auch gute Chancen haben, einen Gutteil der 70 km Normreichweite im rein elektrischen Betrieb tatsächlich zu erreichen.

Nach den ersten Fahreindrücken lässt sich somit sagen, dass es sich hier um ein technisch wie verarbeitungsmäßig solides SUV handelt, dessen Einzigartigkeit vor allem in seinem speziellen Vertriebssystem besteht.

In Österreich wird Lynk&Co erst frühestens in einem Jahr starten. Der Abo-Preis pro Monat liegt derzeit bei 500 Euro. Der Kaufpreis des gefahrenen Modells mit Plug-in-Hybrid-Antrieb beträgt in Deutschland derzeit 42.000 €.

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