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© Lynk&Co

News
11/25/2021

Lynk&Co-Chef: „Sind wie Spotify, nur dass wir auch CDs verkaufen“

Alain Visser im Gespräch über das neue Auto-Vertriebsmodell. Und wo man mit den eigenen Erwartungen komplett danebengelegen ist.

von Horst Bauer

Alain Visser, der frühere Vertriebs-Vorstand von Opel und Volvo, erprobt als CEO der neuen Marke Lynk&Co für den chinesischen Geely-Konzern ein vollkommen neues Vertriebskonzept.  Neben dem herkömmlichen Kauf des Autos bietet es den Kunden auch die Option eines monatlichen Abos. Zusätzlich hat man als Kunde die Möglichkeit, sein abonniertes Auto an andere Mitglieder der Lynk&Co-Community weiterzuvermieten, wenn man es gerade selbst nicht braucht.

motor.at: Lynk&Co ist nach einer intensiven Vorbereitungsphase inzwischen in sieben europäischen Märkten vertreten. Wie hoch ist der Anteil der Kunden, die sich für das Abo-Modell statt für den Kauf des Autos entscheiden?

Alain Visser: Da wir nicht sicher waren, wie offen die Europäer für so ein Vertriebskonzept sind, haben wir uns entschlossen, das Auto auch zu verkaufen. Unser Ziel - das wir nie extern kommuniziert haben - war es, zu Beginn 9.000 Kunden oder Mitglieder, wie wir das nennen, zu bekommen. Und das interne Ziel war, mittelfristig auf rund 70 Prozent Abo-Anteil zu kommen. Wobei wir davon ausgegangen sind, dass wir am Anfang einen großen Anteil an Käufern haben und sich die Leute dann erst langsam an das Konzept mit dem Monats-Abo gewöhnen werden. Heute liegen wir mit über 30.000 Mitgliedern nicht nur über dem Jahresziel für 2021. Zu unserer großen Überraschung haben auch 95 Prozent das Monats-Abo gewählt. Ich habe zu meinen Kollegen zu Beginn immer gesagt, wir sind wie Spotify, nur mit dem Unterschied, dass wir auch noch CDs verkaufen. Und jetzt sehen wir, dass es hauptsächlich um das Streaming-Service geht und kaum um das Kaufen.

Der Lynk&Co 01 kostet in Deutschland mit Hybrid-Antrieb 35.000 € und als Plug-in-Hybrid 42.000 €

Gegen 500 € Monatsgebühr kann er auch abonniert . . .

. . und selbst weitervermietet werden

Gibt es dabei Unterschiede zwischen den einzelnen Märkten? Ist der Abo-Anteil etwa in Schweden oder in Italien anders?

In diesem Punkt ist es auf allen sieben Märkten sehr ähnlich. Wir sehen nur große Unterschiede beim Volumen. Der Nummer-1-Markt sind derzeit die Niederlande, was uns nicht sehr überrascht hat, weil wir ja in Amsterdam auch unseren ersten Club eröffnet hatten. Der zweitstärkste Markt ist hingegen eine große Überraschung. Obwohl wir dort noch keine Präsenz mit einem Club haben, ist Italien derzeit die Nummer 2 für uns. Erst auf dem 3. Platz liegt unser Heimmarkt Schweden.

Wieviele der Mitglieder, die sich für das Abo-Modell entschieden haben, nutzen die Möglichkeit, das Auto selbst weiterzuvermieten?

Wir haben zwar mit der Auslieferung der Autos vor drei Monaten begonnen, aber das Sharing-Modell wurde erst vor drei Wochen geöffnet. Und das bisher auch nur in drei Ländern, nämlich Belgien, Holland und Schweden. Wir sehen da zwar, dass sehr viele das System geöffnet haben, aber die Zahlen, die uns zeigen, wie stark es genutzt wird, werden wir erst in den nächsten Wochen bekommen.

Woher kommen Ihre Kunden? Sind das eher Menschen, die bisher kein Auto besessen haben und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gefahren sind oder solche, die ihr Auto verkaufen und sich nur die Möglichkeit der anlassbezogenen Nutzung erhalten wollen?

Wir sehen eine sehr grobe Mischung von allem. Unsere Kunden sind durchschnittlich zwischen 35 und 36 Jahre alt, also viel jünger als normale Autokäufer. Aber es sind eben nicht die Millennials, wie es manche erwartet haben. Dann ist die Kundschaft extrem urban, das heißt, dass 95 Prozent davon in Großstädten und deren Umgebung wohnen. Und zusätzlich sehen wir eine komplette Mischung von Leuten, die bisher Premium-Modelle etwa von Mercedes, Audi oder BMW gefahren sind. Manche kommen aus dem Gebrauchtwagen-Markt. Und einige haben bisher auch noch nie ein Auto gekauft, sehen unser Modell jetzt aber als eine Alternative dazu.

Haben Sie auch schon Zahlen, wie lange die Leute in diesem Abo-Modell bleiben, wenn sie sich ja immer nur für einen Monat verpflichten und praktisch keine Hürden für den Ausstieg bestehen?

Bisher sind die Autos ja längstens erst seit sechs Monaten auf der Straße. Aber von derzeit rund viertausend ausgelieferten Autos haben es bisher weniger als eine Handvoll Kunden zurückgegeben. Und die Gründe dafür lagen fast immer in einem Umzug ins Ausland. In unseren Planungen haben wir angenommen, dass der durchschnittliche Kunde zweimal im Jahr das Auto wechselt. Jetzt sehen wir aber, dass diese Annahme viel zu konservativ war und die Realität für uns viel besser ist.

Wie hoch sind die Kosten für das Abo-Modell und wie unterscheiden sie sich zwischen den einzelnen Märkten? Und wie funktioniert das mit der Versicherung?

Die Monatsgebühr für die Nutzung eines Lynk&Co 01 beträgt 500 Euro und ist überall gleich. In Schweden sind das 5.500 Kronen. Das Versicherungsmodell haben wir gemeinsam mit der deutschen Allianz-Versicherung entwickelt, für die das auch Neuland war. In der Monatsgebühr von 500 Euro ist jetzt die Versicherung des jeweiligen Nutzers und des Fahrzeugs inkludiert. Wenn sie ihr Auto weitervermieten, dann werden vorher und nachher jeweils Fotos des Autos gemacht. Und sollte bei der Rückgabe ein Schaden festgestellt werden, dann wird alles an die Allianz geschickt, die sich um die Abwicklung kümmert. Etwaige Verkehrsstrafen kommen ohnehin direkt zu uns, weil wir ja als Fahrzeughalter eingetragen sind. Und wir wissen über das System, wer wann mit dem Auto gefahren ist, um die Strafe direkt weitergeben zu können.

Den Lynk&Co 01 gibt es aktuell ja nur mit Hybrid bzw. Plug-in-Hybrid-Antrieb. Warum hat man sich nicht gleich für eine batterielektrische Lösung entschieden?

Wir haben uns bewusst für einen Plug-in-Hybrid entschieden, weil wir nur maximal zwei verschiedene Modelle im Angebot haben wollen. Und wir sind der Meinung, auch wenn die Zukunft elektrisch ist, dass derzeit, wenn man nur ein Auto zur Verfügung hat, ein Elektroauto noch nicht die richtige Wahl ist. Die Ladeinfrastruktur ist außerhalb Norwegens noch in keinem Land so weit, dass ich nur mit einem Elektroauto auskomme. Wenn das einmal so weit ist, dann werden wir auch ein vollelektrisches Modell anbieten.

Wann werden Sie mit Lynk&Co auch auf dem österreichischen Markt starten und haben Sie Pläne für Märkte außerhalb Europas?

In den ersten zwölf Monaten konzentrieren wir uns auf diese sieben Märkte. Innerhalb von 24 Monaten wollen wir uns dann auf die restlichen europäischen Märkte inklusive Österreich ausbreiten. Und als nächsten Schritt haben wir die Ambition, auch in die USA zu gehen. Das wird aber nicht vor 2024 der Fall sein.

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