© Teresa Richter-Trummer

Mama mobil

Die Kids wollen Wohnmobil-Urlaub. Stoppt uns der Pickerl-Check?

Geschichten über das Unterwegssein mit Kindern: Die Kinder wollen mit Opas Peugeot in den Urlaub. Aber da gibt es Hürden.

von Teresa Richter-Trummer

08/03/2023, 03:00 AM | Aktualisiert am 08/16/2023, 08:00 AM

Ein Bett - im Auto! Eine Küche - im Auto! Ein Klo - im Auto! Die Augen der Kinder sind groß, als sie in das Gefährt klettern, dass bei den Großeltern in der Garage steht. Grün ist es, groß ist es. Für die herumkletternden Kinder ist es das Versprechen von wunderbaren Abenteuern. Und für ihre Mutter die Erinnerung an solche. Allein schon der Geruch: Das ist Urlaub.

Doch als Erwachsener sieht man auch die Nachteile: 20 Jahre hat der gute Peugeot am Buckel. Gut gepflegt, das ist er, fleißig gefahren aber auch. Klimaanlage, Navi, Rückfahrkamera? Solche Nettigkeiten kennt er nicht. Dennoch: Die Kinder haben die Lust am Leben auf vier Rädern wieder erweckt. Und warum ihnen Freuden versagen, die man selbst erlebt hat? Zum Camping nach Savudrija sind es laut Google Maps nur 5,28 Stunden. Und das Meer, es lächelt uns auf den Bildern in einem Blau an, wie es nur das kroatische Wasser kann.

Also auf ins Abenteuer, vor dem aber noch eine Hürde liegt: Das Pickerl sowie die Fahrt dahin. Den LKW-Führerschein hat Mama zwar in der Tasche, aber das Lenkrad eines Großgefährts schon länger nicht in Hände gehabt. Mit dem Worten, "Den Mutigen gehört die Welt", den bewundernden Blicken der Kinder sowie den etwas ernsteren des Besitzers sowie des Ehemanns im Rücken geht es in den Fahrersitz. Erster Eindruck: Weich, hoch, bequem. "Handbremse geht schwer", tönt es von draussen. Die rechte Hand greift ins Leere. Handbremse? Wo? Schließlich wird man links fündig. Zum Lösen muss man erst Kraft und dann Beweglichkeit beweisen: Um sie ganz zu lockern, ist eine tiefe Linksbeuge nötig. Bremse, Kupplung - nach langen Jahren am Automat finden die Füße wieder ihren Platz. Schlüssel gedreht, Vorglühen - das vergisst man nicht - und dann brummt er, der Motor. Brav und verlässlich, wie es nur ein Diesel kann. So: Und jetzt: Rückwärts aus der schmalen Garage reversieren, ohne die Hauskante oder sonstwas mitzunehmen. Das Herz klopft. Aber man kann doch die Kinder nicht enttäuschen. Also aufs Gas.

 

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Geschafft! Die Rückspiegel sind groß und fein, doch beim ersten Vorwärtsfahren, leicht bergauf, passiert das, was sonst nur Fahranfängern passiert: Der Motor stirbt ab. Die Balance zwischen wie viel Gas und wie viel Kupplung, sie ist noch nicht in den Füßen. Dann rollt das Ganze auch noch rückwärts, schnell Handbremse ziehen. Mit dieser anzufahren klappt wie am Schnürchen, gelernt ist gelernt. Die ersten Kurven sind schmal, eng und steil - rechts der Abhang, links  Bäume. Geschwindigkeitsrekorde breche ich auf den ersten Metern keine.

Aber schon zwei Minuten später stellt sich das gemütliche Fahrgefühl ein. Es schaukelt sanft, die Welt sieht von so hoch oben anders aus, der Geruch in der Nase sagt nur eines: Urlaub. Und das Schalten! Wie vermisst man am Automat eigentlich, auf den Motor zu hören. Ein kleines Zwiegespräch mit ihm zu halten, seine Drehzalwünsche und Steigungssorgen zu beachten? Gemütlich gleiten wir die Landstrasse entlang, überholen muss nicht sein. Dann in die Stadt, das Anfahren bei den Ampeln funktioniert schon klaglos, bis dann eine stärkere Steigung wieder das Handbremse-Manöver verlangt. Ein Glück, dass der LKW hinter mir genügend Abstand gehalten hat.

40 Minuten später rollen wir hinein in die Werkstatt, wieder eine enge Kurve, wieder viele männliche Blicke, wieder die Nervosität. Warum eigentlich? Einparken, Motor abstellen, Handbremse anziehen, durchatmen. Der erste Blick fällt auf ein hübsches rotes Mercedes Cabrio. Ist das ein 190 SL? Zeit für einen zweiten Blick bleibt nicht, hinein müssen wir und die Fahrzeugpapiere abgeben. Und dann heißt es Warten. Schließlich siegt die Neugier, also mit hinein in die Werkstatt: Denn was passiert da überhaupt, beim Pickerlmachen?

Prinzipiell müsse alle Kraftfahrzeuge und ihre Anhänger in regelmäßigen Abständen auf Verkehrs- und Betriebssicherheit überprüft werden, also zur sogenannten § 57a-Begutachtung. Das sagt das Gesetz. Der Überprüfungstermin für die § 57a-Überprüfung richtet sich nach dem Monat der ersten Zulassung. Mitbringen muss man nicht viel: Das Fahrzeug natürlich und die Zulassungspapiere.  Das so genannte Pickerl erhält man dann, wenn man die  §57a-Begutachtung „bestanden“ hat, also keine "gravierenden Mängel" festgestellt wurden. Wo man das Pickerl macht, darf man selbst entscheiden - allerdings muss die Begutachtung in einer vom Landeshauptmann ermächtigten Begutachtungsstelle geschehen: Autofahrerklubs wie ÖAMTC oder ARBÖ sowie ausgewählte Kfz-Werkstätten fallen in diese Kategorie.

Überprüft wird, ob das Fahrzeug den Erfordernissen der Verkehrs- und Betriebssicherheit entspricht. Gecheckt werden etwa Ausrüstung, Beleuchtung, Sicherheitseinrichtungen, Fahrgestell und Karosserie, Reifen und Räder, Motor und Bremsen. Zusätzlich wird darauf geachtet, dass mit dem Fahrzeug nicht übermäßig Lärm, Rauch, übler Geruch oder schädliche Luftverunreinigungen verursacht werden können.

Hat das Fahrzeug schwere Mängel, die sofort zu beheben sind oder besteht gar "Gefahr im Verzug", muss eine Reparatur vor einer neuerlichen Vorführung des Fahrzeuges erfolgen. Erst wenn das Fahrzeug keine schweren Mängel aufweist, bekommt man eine Begutachtungsplakette, also das  Pickerl. Den meist weißen Aufkleber pickt man dann in die obere Ecke der Windschutzscheibe. Darauf vermerkt sind Kennzeichen, Prüfplakettennummer sowie Jahr und Monat der nächsten vorgeschrieben §57a-Begutachtung - denn das Pcikerl gilt freilich nicht für immer.

So weit die Theorie. Und die Praxis? Während ich noch die Papiere abgegeben und ausgefüllt habe, hat der Prüfer das Wohnmobil breits auf die Hebebühne gefahren und die Motorhaube geöffnet. Und er freut sich über das etwas höhere Alter des Gefährts: "Da sieht man noch etwas", lautet sein Kommentar. Es folgt ein zufriedenes Nicken: "Gut gepflegt ist er auch."


Das stimmt: Das Wohnmobil hat gerade ein - nicht ganz günstiges - Service hinter sich, einen neuen Zahnriemen, neuen Dieselfilter und frische Flüssigkeiten aller Art erhalten. Ein Blick auf die Karosserie bezeugt: Kein Rost. Dass der Wagen von Anfang an in den Hohlräumen mit Korrosionsschutz-Wachs von Mike Sanders behandelt wurde, scheint zu lohnen.

Worte werden nur mehr wenige gewechselt: Ein Computer wird herangefahren, es wird gemessen, geschäftig hin und her gewandert, Flüssigkeiten entnommen und irgendwo hin gebraucht. Dann gibt es grünes Licht,  beziehungsweise ein weißes Pickerl. Und natürlich: Die Rechnung.

Die Heimfahrt, sie ist beschwingt: Das Abenteuer kann und wird losgehen!

 

Teresa Richter-Trummer ist eigentlich am liebsten mit eBike oder Vespa unterwegs - fährt Hund und Kindern zu Liebe aber gerne auch Auto und Zug. Für größere Partien darf sie sogar ans LKW-Steuer. Gerne würde sie Motorboote lenken, aber das kommt erst.
Haben Sie Fragen zur Mobilität mit Kindern? Die Motor-Journalistin ist studierte Entwicklungs-Psychologin und geht gerne darauf ein.  teresa.richter-trummer@kurier.at

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