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Interview
10/31/2012

Maserati: Diesel ist kein Tabu

Harald Wester, Chef von Maserati, Alfa Romeo, Abarth und Entwicklungsvorstand des Fiat-Konzerns über den Luxusmarkt in Krisenzeiten, Kunden-Loyalität und die neuen Modelle.

von Horst Bauer

Er hat so viele Hüte auf wie kein anderer Spitzenmanager im Fiat-Konzern. Aber der Deutsche – mit kurzer Magna-Steyr-Vergangenheit in GrazHarald Wester wird im kommenden Jahr wohl hauptsächlich als Chef von Maserati in Erscheinung treten. Die kleine Luxusmarke aus Modena steht nämlich vor der größten Modelloffensive ihrer wechselvollen Geschichte.

Harald Wester im Motor-KURIER-Gespräch über ...

... die neuen Modelle

"Wir haben nach dem Neustart der Marke 2005 alles verbessert, was zu verbessern war und mit den beiden bestehenden Modellen auch großen wirtschaftlichen Erfolg gehabt. Vor allem konnten wir bei Qualität und Image aufschließen zu den Mitbewerbern. Was wir jetzt vorhaben, ist also kein Schuss ins Blaue. Wir haben beachtliche Summen in die Produkte investiert, die jetzt kommen werden. Zu Beginn des Jahres geht der neue Quattroporte in Produktion, Mitte des Jahres folgt die kleinere Europaklasse-Limousine, die Ghibli heißen wird, und Ende 2014 folgt dann der SUV, den wir Levante nennen werden."

... Wachstum in Krisenzeiten

"Wir operieren da mit Maserati in einem sehr kleinen Segment. Das hat zwar, wenn es weltweite Krisen gab, immer auch gelitten, weil es ja Luxusgüter sind, die man nicht unbedingt braucht. Das heißt aber nicht, dass die Menschen, die sich sonst solche Dinge kaufen, kein Geld mehr haben. Sie sind vielleicht nur nicht in der Stimmung, Geld dafür auszugeben. Unabhängig davon gibt es aber heute neue Märkte für solche Produkte, die vor zehn Jahren noch gar nicht existiert haben, wie China, Südamerika oder Russland. Und weiters unterscheidet sich dieses Segment vom Massenmarkt dadurch, dass es dort wesentlich schwieriger ist, Kunden von einer Marke zur anderen zu bringen. Mehr als 85 Prozent der Kunden von Maserati in den vergangenen fünf Jahren kommen von anderen Marken. Das Wachstum wird also einerseits durch neue Märkte kommen. Anderseits aber auch, weil es für die Kunden eine neue Alternative gibt, die sie sich einmal anschauen wollen."

... die geplanten Stückzahlen

"Wir haben nach unserem Rekordjahr 2008 einen Einbruch von knapp 50 Prozent gehabt, also von 9000 auf rund 4600 Fahrzeuge, dennoch haben wir immer mit positiven Zahlen abgeschlossen. Dann haben wir 2010 und 2011 wieder um 20 Prozent auf jetzt rund 6200 Stück zulegen können, ohne grundlegend neue Modelle zu haben. Und im ersten Halbjahr 2012 liegen wir global rund 3 % im Plus, was vor allem auf Steigerungen in den USA um 25 %, in China um 20 % und im Mittleren Osten um 80 % zurückzuführen ist. Vom neuen Quattroporte beabsichtigen wir 8000 bis 10.000 Stück pro Jahr zu verkaufen, vom Ghibli 22.000 bis 25.000 und ähnliche Stückzahlen planen wir ab Ende 2014 auch vom Levante. Damit sollte Maserati dann ab 2015 insgesamt rund 50.000 Autos verkaufen."

... Maserati und Diesel

"Wenn man in Europa mit einem Auto wie dem Ghibli auf den Markt geht, kommt man ohne einen Dieselmotor nicht aus. Dieser muss allerdings zur Marke passen und wird die aktuellste Technologie nutzen. Ein bestehender, moderner, aufgeladener V6-Diesel aus dem Konzern mit 250 PS lässt sich ohne Weiteres auf über 300 PS Leistung bringen. Das gilt jetzt einmal für den Ghibli. Aber auch im Segment des Quattroporte sagt der Markt in Europa ja zu Diesel, der Schnitt liegt bei 75 %. Zur Markteinführung haben wir das zwar nicht geplant, aber es ist kein Tabu für mich. Und einen Levante kann man in Europa ohne Diesel ohnehin nicht verkaufen."