News 20.03.2012

Mehr von Toyota aus Europa

Mehr von Toyota aus Europa
© Michael Andrusio

Warum Toyota in Europa mehr herstellen will, auf welche neuen Antriebe man setzt und was das mit einem Grazer zu tun hat.

Das vergangene Jahr war für Toyota durchwachsen, auch in Europa. Aber für 2012 ist man optimistisch, wie Gespräche auf dem Autosalon in Genf zeigten.

Wichtigstes Aushängeschild bleibt der Hybridantrieb. 2012 will Toyota erstmals mehr als eine Million Hybridautos weltweit in einem Jahr verkaufen, so Alain Uyttenhoven, Produktplanungsleiter bei Toyota Europe. Bisher wurden insgesamt seit 1997, dem Start des Prius, weltweit mehr als 3,5 Mio. Hybridautos vom Konzern verkauft. 2011 betrug der Hybridanteil aller Toyota-Modelle 10 %, 2015 will man 20 % erreichen.

Beim Design will man die klassische japanische Zurückhaltung durch mehr Jugendlichkeit ersetzen. Wichtig sei aber, die Wiedererkennbarkeit eines Toyota zu erhalten, so Desig­ner Tokuo Fokuichi.

Was Europa betrifft, so soll der Absatz von 822.000 im Jahr 2011 heuer auf 835.000 steigen, der Marktanteil von 4,2 auf 4,5% zulegen. Laut Didier Leroy, Präsident von Toyota Motor Europe, will Toyota in Europa keine neuen Werke bauen, aber die Produktion ausweiten. Der europäische Wertanteil der in Europa verkauften Toyota soll von derzeit 85 auf 90 % steigen, statt wie bisher 60 % der in Europa verkauften Toyota künftig mehr als 70 % hier erzeugt werden.

Das hilft nicht nur Europas Wirtschaft, sondern entschärft auch das Problem des hohen Yen-Kurses für Toyota. Im Verhältnis zum Euro beträgt der Unterschied pro Yen Kursveränderung für Toyota 40 bis 50 Mio. Euro.

Was die Antriebe betrifft, so startet Toyota heuer in Europa nicht nur mit dem Yaris Hybrid, sondern auch mit dem Prius Plug-in-Hybrid, einem Vollhybrid, dessen Batterien auch an der Steckdose geladen werden können. Reinen E-Autos gibt Toyota nur für Nischen im Kurzstreckenverkehr Chancen.

Im Gespräch: Toyota Europa-Antriebschef übers lange Warten auf bessere Akkus

Gerald Killmann: In Graz geboren, in den USA und Deutschland aufgewachsen, seit 1992 bei Toyota.
© Toyota

Aus Österreich stammen viele Top-Manager der Autoindustrie. Aber er ist ein Unikat: Der gebürtige Grazer Gerald Killmann, 47, spricht auch Japanisch und machte bei einem japanischen Autokonzern Karriere. Seit 1992 ist Killmann bei Toyota, seit 2010 leitet er die Antriebsentwicklung in Europa, zu der auch neue Antriebe gehören.

Gerald Killmann in Genf über ...

... die richtige Batterie "Für Hybridautos werden wir Nickelmetallhydridakkus weiterverwenden, das ist eine robuste Chemie und lässt sich gut kontrollieren. Nur sie ist derzeit in den für uns notwendigen Stückzahlen von 1,1 Mio. pro Jahr produzierbar. Daneben fahren wir aber auch die Produktion für Lithium-Ionen-Akkus hoch. Sie verwenden wir etwa für den Prius Plug-in-Hybrid. 2012 werden wir 4800 Plug-in-Hybride produzieren, 2013 dann 6300 Stück. Das hängt auch von der Verfügbarkeit der Lithium-Batterien ab. Lithium-Ionen-Batterien werden wir sicher noch 20 Jahre haben, aber niemand will Großserien hochziehen, da in wenigen Jahren bessere Batterien kommen werden und dann muss man die Werke umrüsten. Bis aber die Batterien aus der Wunschkiste, etwa Zink-Luft-Akkus, für Autos in Serie gehen, werden noch viele Jahre vergehen. "

... Hilfen zur Reichweitenerhöhung von E-Autos "Der Wankelmotor ist für uns dafür wegen der Abgase kein Thema. Für Zweitakter braucht man große Batterien, aber das wollen wir nicht, denn Überland ergibt das einen schlechten Wirkungsgrad und somit hohen Verbrauch. Um gewohnte Reichweiten zu erzielen, setzen wir auf Plug-in-Hybride. Schwungräder sind eher für den Motorsport interessant, denn damit kann man Energie nur kurz speichern."

... Brennstoffzelle "Wir bekennen uns zum angekündigten Start 2015. Anfangs wird es eine vorsichtige Stückzahl geben, wie Ende der 90er bei den Hybridautos. Nach 2020 planen wir Zehntausende. Der große von uns zu lösende Knackpunkt sind die Kosten, das Modell (Studie FCV-R, großes Bild) hier auf dem Genfer Salon würde 90.000 bis 100.000 € kosten, das ist zu viel. "

... alternative Kraftstoffe "Durch den Atomausstieg wird noch so manches Konzept aus der Schublade wieder herausgeholt werden. Es wird ein breit gefächertes Angebot an alternativen Kraftstoffen geben. "

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(Kurier) Erstellt am 20.03.2012