News 23.02.2012

Mercedes ML 350: Locker und leicht

Mercedes ML 350: Locker und leicht
© Hersteller / Mercedes-Benz

Der fast 2,2 Tonnen schwere Last-Kraftwagen kann eines besonders gut: Sämtliche Fahrbahnunebenheiten applanieren – gleiten und schweben, sozusagen. Etwas Unfug findet sich auch.

Da möge sich der eine Mitbewerber ruhig eines Vorsprungs durch Technik berühmen – und der andere seiner "Fahrdynamik". Beide, und auch noch einige andere Mitglieder der Oberliga, können eines nicht so gut wie der Mercedes der M-Klasse: Eine Leichtigkeit des Seins und eine Leichtigkeit der Bewegung so souverän und gelassen zu vermitteln.

Ja ja, natürlich ist Leichtigkeit ein Euphemismus, wenn man das Leergewicht ins Kalkül zieht. Aber dennoch: Fahrwerksabstimmung, die Lenkung selbst und dazu die unglaublich gute Geräuschdämmung sorgen für ein Fahrgefühl, das jede Aufregung als unnötig erscheinen lässt. Man steht (oder sitzt) irgendwie über den Dingen, es ist halt so. Luftfederung gibt’s als Extra, sie ist aber nicht wirklich nötig.

Viel Speck am Heck: Deswegen stehen hier aber bei Bedarf gut zwei Kubikmeter Ladevolumen zur Verfügung.
© Hersteller / Mercedes-Benz

Von außen wirkt die neue M-Klasse irgendwie fetter als der Vorgänger, der dynamisch ansteigende Keil ist weg. Wenn das mitverantwortlich ist für eine Art "häusliche" Geborgenheit im Auto, dann soll das gerne so sein.

Ein Gedicht ist das überarbeitete Triebwerk in Zusammenarbeit mit der perfekt harmonierenden Siebenstufenautomatik. Wer es gelassen angeht (und die Schaltwippen am Lenkrad unberührt lässt), wird kaum jemals Drehzahlen von mehr als 2000 Touren registrieren – und trotzdem stets das Gefühl haben, der Bär unter der Haube warte nur auf ein Startkommando. Umgekehrt: Das Auskosten der souveränen Sprinterqualitäten sowie hurtiges Vorwärtsstreben in Volllastnähe wird mit Verbräuchen quittiert, die ziemlich rasch zweistellig werden, während gemächliches Gleiten locker einen Siebener vor dem Komma ermöglicht.

Verarbeitung

Selbstverständlich erfreut sich die M-Klasse solider Verarbeitung und bemüht sich im Interieur stets, eine Art eleganter Robustheit vorzuzeigen. Sehr gutes Gestühl gehört da ebenso dazu wie ein (maximal) mehr als zwei Kubikmeter großer Laderaum, mit feinem Teppich ausgeschlagen, sowie eine große Zahl nutzbarer Ablagefächer.

Und ebenso selbstverständlich ist die gefahrene Version mit permanentem Allradantrieb über alle Widrigkeiten im Fahrbetrieb erhaben. Fürs Bergauf- und -abfahren gibt es zwei Knopferln für elektronische Hilfen. Nur wer es noch härter braucht, muss ein üppiges Geländepaket (Untersetzung, Längsdifferenzialsperre usw.) als Extra ordern.

Aufpreis

Mercedes-Benz ML 350
© Hersteller / Mercedes-Benz

In der Nähe des Volants gibt es einen großen und einen kleinen Kritikpunkt. Der kleine: Der Gangwählhebel am Lenkrad hat Vorteile (mehr gestaltbarer Raum in der Mittelkonsole), ist aber, z. B. beim raschen Umdrehen des Fahrzeuges samt Reversieren) doch eher Geschmacksache. Oder vielleicht nur Gewöhnung, anfangs erwischt man jedenfalls fast immer die falsche Getriebestufe.

Der große: Bei aller Mercedes-Tradition – der Hebel für den Tempomat ist unten links einfach deplatziert. Und zwar simpel deswegen, weil man ihn dort bei Normalstellung des Lenkrades nicht, wirklich gar nicht sehen kann. Wozu er dann noch einen gelbe Lampe trägt, bleibt doppelt unklar.

Die Ausstattung verdient eine genauere Beleuchtung. Für den Listenpreis ist die M-Klasse bereits sehr gut ausgerüstet. Start-Stopp ist auch serienmäßig dabei. Für knapp 12.000 Euro brutto Aufpreis gab es richtige Luxusdetails wie Aktiver Parkassistent (lenkt selbsttätig in Parklücken hinein), elektrisch betätigte Heckklappe, Sitzheizung vorne oder "Comand Online" (Multimediapaket mit Festplattennavigation).

Es ist nachvollziehbar, dass Kindersitzerkennung im Beifahrersitz 50 Euro netto kostet. Das gilt allerdings kaum für einen größeren Tank (93 statt 70 l), für den genau 105 Euro (netto) extra hinzulegen sind.

Steckbrief
Antrieb
V6-Diesel, Direkteinspritzer, Common Rail, 2987 , 190 kW/258 PS bei 3600 U/min, maximales Drehmoment 620 Nm bei 1600 U/min, 2 x 2 oben liegende Nockenwellen, 4 Ventile/Zylinder, Turbolader, Ladeluftkühler, Partikelfilter, Euro 5; Kraftübertragung: Permanenter Allradantrieb, 7-Gang-Automatik.
Fahrwerk
Einzelradaufhängung, vorn Doppel-Querlenker, hinten Mehrlenkerachse, v/h Schraubenfedern, Teleskopstoßdämpfer, Scheibenbremsen, Servolenkung, ABS, Bremsassistent ( BA), elektronisches Stabilitätsprogramm ( ESP); Maße: Länge x Breite x Höhe 4804 x 1926 x 1796 mm, Radstand 2915 mm, Wendekreis 11,8 m, Gewicht 2175 kg, Zuladung 775 kg, zulässiges Gesamtgewicht 2950 kg, Tankinhalt 70 Liter, Kofferraum 690–2010 Liter, Höhe Ladekante 730 mm, Anhängelast gebremst/ungebremst 3500 kg/750 kg, Böschungswinkel vorn/hinten 26 /25 , Rampenwinkel 17 , Bodenfreiheit 202 mm, Wattiefe 500 mm.
Messwerte
Spitze 224 km/h, 0–100 in 7,4 sec; Testverbrauch: 10,1 Liter Diesel/100 km, Reichweite 693 km; Bremsen: 35,9 m/kalt, 34,9 m/warm; CO2 in g/km: 179 (Norm).
Kosten
Steuer/Jährlich € 1095,60; Preis: € 65.710,–; Preis/Testwagen: € 77,562,–.
KURIER-Bewertung
Plus: Souveräner Motor, sehr großes Platzangebot, exzellente Geräuschdämmung, äußerst komfortable Fahrwerksabstimmung, sehr gute Verarbeitung.
Minus: Tempomathebel unsichtbar, größerer Tank kostet extra.
(Kurier) Erstellt am 23.02.2012