News 03/25/2014

Mercedes TE 300 Bluetec Hybrid und TE 400 4Matic im Test

Mercedes TE 300 Bluetec Hybrid und TE 400 4Matic im Test
© Werk

TE 300 Bluetec Hybrid: Wie effizient der Dieselhybrid in der Praxis ist.

Als "sparsamstes Oberklasse-Modell der Welt" bewirbt Mercedes die neue E-Klasse mit Dieselhybridantrieb. Es handelt sich um die nächste Stufe des von der S-Klasse bekannten S 400 Hybrid.

Der zusätzliche E-Antrieb erlaubt auch im Real-Betrieb mit knapp 6 l/100 km einen sehr geringen Verbrauch. Die rein elektrische Reichweite ist aber wegen der kleinen Lithium-Ionen-Akkus (0,8 kWh) mit weniger als 1 km bescheiden. Es ist auch kein E-Fahren per Knopfdruck möglich. Im Winter sinkt der E-Anteil weiter, was schade ist, denn gerade in der Stadt macht der zusätzliche E-Antrieb viel Freude: Er hebt den Komfort, vor allem beim Anfahren, Dahingleiten und den vielen Start-Stopp-Zyklen. Diese erfolgen sehr harmonisch, geräuscharm und abgasreduziert. Anders als der E-Kombi mit dem neuen V6-Benziner ist der Dieselhybrid aber auf Euro5 zertifiziert, was meist mit höheren Hybrid-Kosten erklärt wird.

Der Dieselhybrid spart spürbar Sprit. Das Ladevolumen sinkt um 45 Liter.
© Werk/Daimler AG Global Communications

Käufer dürfen sich dennoch als Vorreiter sehen: Die Lithium-Ionen-Batterie dient hier neben Stromspeicher auch Starterbatterie. Bei der 7G-Tronic wird der Wandler durch eine nasse Anfahrkupplung ersetzt wie bei AMG-Pkw. Somit kann der E-Motor in die Getriebeeinheit integriert werden. Kaum Abstriche erfordert der zusätzliche E-Antrieb punkto Raum und Zuladung. Nur die Anhängelast ist deutlich geringer.

Punkto elektronischer Assistenten sind der Auffahrwarner (Collision Prevention Assist) sowie der Müdigkeitswarner (Attention Assist) Serie. Der Auffahrwarner ist sehr hilfreich, neigte im Testmodell aber zum Schielen und warnte vor jedem Lkw, den er auf der Nachbarspur erspähte. Nach wie vor trügerisch ist die Tempolimitanzeige, die Rückfahrkamera ist bei Schlechtwetter oder Nacht praktisch blind. Die Verarbeitung war top. Weitere Vorteile: Der Hybrid wurde dank NoVA neu um 1714 € billiger und kostet nun um 4010 € weniger als der TE 300 Bluetec mit ebenfalls 231 PS.

Antrieb: Dieselhybrid mit R4-Diesel (2143 ) und E-Motor (Permanentmagnet), Lithium-Ionen-Akkus (0,8 kWh), Start-Stopp, 7-Gang-Automatik (7G-Tronic Plus), Heckantrieb, 0–100 km/h in 7,8 sec, Spitze 232 km/h, Euro 5.

Diesel: 204 PS/150 kW

E-Motor: 27 PS/20 kW

Gesamtleistung: 231 PS/170 kW

maximales Drehmoment: 500 Nm (CDI) und 280 Nm (E-Motor)

Fahrwerk: Einzelradaufhängung, vorne Mehrlenker-, hinten Raumlenkerachse, Luftfederung an Hinterachse, elektromechanische Servolenkung (Direktlenkung), innen belüftete Scheibenbremsen, ABS, adaptiver Bremsassistent, Stabilitätssystem ESP, Anhängelast gebr./ungebremst 300 kg, Höhe Ladekante 562 mm, Bodenfreiheit mind. 92 mm.

Maße (L x B x H): 4905 x 1854 x 1507 mm

Wendekreis: 11,28 m Radstand: 2874 mm Segeln: bis 160 km/h E-Fahrt: bis 35 km/h

Kofferraum: 650–1905 l Zuladung: 595 kg Gesamtgewicht: 2550 kg Tankinhalt: 59 l

Normverbrauch: Gesamtsystem 4,5 l/100 km 119 g/km CO²

Testverbrauch: Hybridmodus 5,9 l/100 km Reichweite rein elektrisch real unter 1 km

Preis: 57.550 €

Preis Testwagen: 78.111 €

Motorbezogene Versicherungssteuer/NEU: 1009,44 €

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© Werk/Daimler AG Global Communications

Was die üppigen Raumverhältnisse betrifft, so blieben die wichtigsten Eckdaten auch nach der großen Überarbeitung unverändert: Das Ladevolumen beträgt zwischen 695 und 1950 Liter. Die große Öffnung lässt auch sperriges Gut verstauen.

Der große Laderaum blieb trotz Facelift gleich. Sehr praktisch: Tiefe Ladekante, weite Öffnung.
© Andrusio Michael

Der Laderaum ist zudem bequem und flexibel gestaltbar, dafür sorgen nun auch bei Mercedes die Klappmechanismen ("Easy Pack") für die Rückenlehnen. Der Fahrkomfort bleibt auch bei voller Beladung exzellent. Zudem ist mit der Modellpflege der E-Klasse im Vorjahr die Höhe der Ladekante von 570 auf 562 mm gesunken. Völlig neu sind manche Motoren und einige, bisher der S-Klasse vorbehaltene, elektronische Assistenten. Aber der Reihe nach.

Neuer Motor

Unser Testmodell war als E400 mit dem V6-Benziner ausgestattet, der hier erstmals als Biturbo angeboten wird. Damit erreicht er sein maximales Drehmoment von 480 Nm bereits bei 1600 U/min (siehe Steckbrief). Die 0 auf 100 erreicht er unter 6 sec. Bemerkenswerterweise schafft er trotz seines Biturbos bereits die künftige Abgasnorm Euro6 und kommt auch im voll beladenen Zustand im Schnitt mit 10 l/100 km aus. Obendrein beeindruckt er durch eine sehr angenehme Geräuschkultur – kaum wahrnehmbar im Normalbetrieb, kernig bei sportlicher Fahrweise. Trotz seiner üppigen Leistung verführt er vor allem zum entspannten Dahingleiten. Langstreckenfahrer werden ihn schätzen, das nötige Startgeld vorausgesetzt.

Großes Lob verdient auch die sehr weich funktionierende Start-Stopp-Automatik. Der permanente Allradantrieb 4Matic ist eine wertvolle Traktionshilfe, etwa bei verschneiten steilen Garagenausfahrten.

Etwas gewöhnungsbedürftig für langjährige Mercedes-Fahrer mag die neue, für alle E-Klasse-Modelle serienmäßige elektromechanische "Direktlenkung" sein. Sie vermittelt nun aber ein deutlich "europäischeres" Lenkgefühl anstelle des bisherigen "US-Feelings", sprich, sie wirkt feinnerviger. Zudem spart sie Sprit, da sie bedarfsgeregelt ist.

Cockpit: Seit der Überarbeitung viel eleganter. US-Lenkgefühl adé dank neuer Direktlenkung.
© Andrusio Michael

Verbesserungspotenzial bietet der Lenkassistent im Rahmen der "Distronic Plus" (automatischer Abstandshalter) bzw. Fahrassistenz Plus (Extra), der auf Wunsch die Lenkaufgabe bei Geradeausfahrt oder leichten Kurven (z. B. auf Autobahnen) übernimmt (ausreichende Spurmarkierung vorausgesetzt). Die Hände des Lenkers müssen aus Produkthaftungsgründen aber regelmäßig das Lenkrad berühren. Im Fahrbetrieb litt der Lenkassistent unter einem "Linksdrall". Als unterdimensioniert erschien in Anbetracht des möglichen Unfallrisikos die Warnung, wenn der Fahrer wieder selbst lenken muss.

Zwei Hilfen, die ebenfalls noch Verbesserungspotenzial haben, sind die Tempolimitanzeige sowie die Kamera.

Die Überarbeitung brachte der E-Klasse auch neu gestaltete Scheinwerfer, wo alle Funktionselemente von einem Glas überdeckt werden. Unser Testmodell verfügte über das automatische Fernlicht, das das Sichtfeld für den Lenker deutlich erhöht und bei Bedarf automatisch abblendet. An Extras hatte das Testmodell (Version "Avantgarde") u.a. auch ein Panorama-Schiebedach, Airmatic (Luftfederung v/h), A-Edition Plus, Comand-System, AMG-Sportpaket. Von der NoVA neu hat er nicht profitiert, der Mehrpreis beträgt ca. 1340 €.

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© Andrusio Michael

Antrieb: V6, Benziner, Direkteinspritzung, 4 Ventile/Zylinder, 2 Turbolader, Ladeluftkühlung, Allradantrieb (Momentenverteilung v/h 45/55 %), 7-Gang-Automatik, Spitze 250 km/h, 0–100 in 5,4 sec, zwei 3-Wege-Kat, Euro6.

Hubraum: 2996 cm³

PS/kW: 333/245

maximales Drehmoment:480 Nm bei 1600–4000 U/min

Fahrwerk: Einzelradaufhängung, vorne Mehrlenker-, hinten Raumlenkerachse, Luftfederung mit Niveauregulierung hinten (Serie), elektromechanische Servounterstützung (Direktlenkung), innen belüftete Scheibenbremsen, ABS, ESP, elektronisches Traktionssystem 4ETS, Bodenfreiheit mind. 103 mm, Rampenwinkel 10,7, Anhängelast gebremst/ungebremst 2100/750 kg, Höhe Ladekante 562 mm.

Maße (L x B x H): 4905 x 1854 x 1509 mm

Wendekreis: 11,28 m Radstand: 2874 mm Bremsweg warm: 34,3 m Bremsweg kalt: 34,8 m

Kofferraum: 695–1950 l Zuladung: 595 kg Gesamtgewicht: 2530 kg Tankinhalt: 59 l

Normverbr.: 8,8 l/100 km 205 g/km CO²

Testverbr.: 10,2 l/100 km

Preis: 72.170 €

Preis Testwagen: 109.293 €

Motorbezogene Versicherungssteuer/NEU: 1864,44 €

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© Andrusio Michael
(Kurier) Erstellt am 03/25/2014