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01/29/2020

Mini Electric: Spaß auch nach dem Systemwechsel

Mini Cooper SE. Erste Ausfahrt mit dem Elektro-Mini, der die Tugenden der Marke hochzuhalten versucht

Eigentlich war das ja nicht ganz so geplant. BMW sollte ursprünglich nur mit einer eigens dafür konzipierten Modellfamilie, deren erste spektakuläre Vertreter der i3 und der i8 waren, in die Elektromobilität starten. Die Dynamik durch die Verschärfung der Flottenverbrauchsziele der EU ließ die Bayern aber vor drei Jahren die Strategie ändern und zur Elektrifizierung bestehender Baureihen umschwenken.

Das betrifft natürlich auch die Marke Mini, deren erster Beitrag dazu der Plug-in-Hybrid des Countryman war. Der nächste Schritt ist nun der erste rein elektrisch angetriebene Mini.

Dabei musste man sich nach der vorgegebenen Decke strecken und den aktuellen Dreitürer umbauen, bei dessen  Entwicklung noch keine Rede von einer batterieelektrischen Version war. Daraus resultiert etwa die Beschränkung der Reichweite auf 235 bis 270 km (gemessen nach WLTP-Norm), die sich aus dem maximal zur Verfügung stehenden Platz für das Batteriepaket (96 Zellen mit 32,6 kWh Bruttokapazität) ergibt. Dieses wurde so gut in den Fahrzeugboden integriert, dass man bei den Platzverhältnissen in Passagier- und Kofferraum keine Abstriche gegenüber dem herkömmlich angetriebenen Modell machen musste. Einziger (kaum erkennbarer) Unterschied: Die Karosserie des Stromer liegt 18 mm höher.

Gewichtsmäßig legte dieser vergleichsweise bescheidene 145 kg auf 1.365 kg zu. Die Leistung des die Vorderachse antreibenden E-Motors liegt bei 135 kW (184 PS) und 270 Nm, was für Mini-typisch sportliche Fahrleistungen sorgt (0 auf 100 km/h in 7,3 Sekunden).

Und Mini-typisch sollte auch das Fahrverhalten sein. Das bekannte Gokart-Gefühl wurde beim Cooper SE voll erhalten, betonen die Entwickler mit glaubwürdigem Enthusiasmus. Wirklich überprüfbar war dies auf der von den Mini-Leuten für die ersten Testfahrten ausgewählten Strecken jedoch nicht.

So gut die flachen und günstig temperierten Küstenstraßen in der weitgehend topfebenen Umgebung von Miami auch zu einem batterieschonenden Fahrprofil passen, die beschworene Kurvengierigkeit lässt sich dort nicht ausreizen. Sehr wohl erfahrbar war jedoch der markante Unterschied der beiden hier erstmals im BMW-Universum eingesetzten unterschiedlich starken Rekuperationsstufen. Anders als etwa im BMW i3 bekommt man im Mini als Pilot die Wahl, ob man im „Ein-Pedal-Modus“ unterwegs sein will (System rekuperiert beim Gaswegnehmen so stark, dass man die eigentliche Bremse fast nie braucht), oder ähnlicher der herkömmlichen Fahrweise.

In dem Fall rollt der Wagen nur sanft abbremsend aus. Dabei wird zwar weniger Energie zurückgeladen in die Batterie, man kann die Fuhre aber rollen lassen, ohne durchgehend das Fahrpedal zu bedienen. Beide, via Kippschalter anwählbare Varianten, funktionieren bestens, welche man benutzt bleibt Geschmackssache. Aber zumindest hat man als Fahrer des Mini SE selbst die Wahl und bekommt nicht wie bei BMW vorgeschrieben, was gut für einen sein soll.

Weiters feststellbar war, dass der angegebene Normverbrauch nach WLTP von 14,8 bis 16,8 kWh auch in der Praxis erreichbar sein sollte. So günstige Bedingungen wie im milden Winter-Klima von Florida bei gleichmäßig dahinrollendem Verkehr vorausgesetzt. Wie es sich auswirkt, wenn die gepriesenen Fähigkeiten des Mini SE auf kurvigen Bergstraßen ausgelotet werden, müssen Tests auf heimischem Geläuf noch zeigen.

Ebenfalls aufgefallen: Einen der derzeit bei fast allen Neuwagen mehr oder weniger gut funktionierenden bzw. nervenden Spurhalte-Assistenten sucht man im Mini SE vergeblich.

Dafür gibt es im Elektro-Mini (wie seit Jänner nun auch bei BMW) neben dem Ladekabel für die Haushaltssteckdose auch ein dreiphasiges Kabel für die Verbindung mit öffentlichen Ladestationen. Damit kann die Batterie in 3,5 Stunden (11 kW) bzw. 4,2 Stunden ( 7,4 kW) vollgeladen werden. An Schnellladestationen mit 50 kW Gleichstrom geht  es von 0 auf 80 % in 35 Minuten.

Der Mini SE ist bei uns ab März zu haben. Der – mittels vier Ausstattungspaketen ausbaubare Einstiegspreis liegt bei € 32.950,–.
Zum Vergleich: der 192 PS starke Cooper S Automatik startet bei € 29.173,–.