Mini John Cooper Works

© KURIER/Gerhard Deutsch

Test
08/30/2015

Unterhaltsames Bayerisch-britisches Klein-Kaliber

Top-Sportler im Kleinwagensegment mit bärenstarkem Antrieb und exzellentem Handling.

von Ad Raufer

Man kann sich zum Beispiel fragen, was unglaubliche 231 PS in einem Kleinwagen zu suchen haben. Kann man, muss man aber nicht, weil: Jeder, der auch nur ein paar Meter hinterm Steuer dieses kleinen Topsportlers zurücklegt, wird von der Vehemenz und Dynamik des Testosteron-Zwergerls gefangengenommen und fällt augenblicklich einer unheilbaren Abhängigkeit anheim. Man kann sich auch fragen, was um aller Welt da absurde 32.350 Euro kostet. Oder, wie im Fall des Motor-KURIER, der einen Testwagen probieren durfte, der mit ein paar Extras auf völlig abgehobene 43.000 Euro gekommen ist.

Vielleicht geht’s ja so: Weil Mini zu BMW gehört und dieser Hersteller nach allgemeiner Auffassung ein Premiumhersteller ist, muss dieser Logik folgend eben auch Mini Premium sein. Und aus.

Größer statt kleiner

Handelte es sich beim ersten Works-Cooper noch um einen Kit, der den damaligen 1,6-Kompressor auf 218 PS pushte, so wird die aktuelle Generation von einem 231 PS starken Zweiliter-Direkteinspritzer-Turbo angetrieben: Das klassische Gegenteil vom heute oft und gern praktizierten Downsizing also.

Das für die Marke Mini neue Aggregat, aus dem Regal der Konzernmutter BMW entnommen, bietet in allen Lebenslagen Leistung – und zwar im Überfluss. Der aufgeladene Zweiliter glänzt mit strengem, ernsthaftem Schuberverlauf, wobei die Wucht des Antriebs als unmittelbar entfachter Sturm wahrgenommen wird. Der bissige Direkteinspritzer tritt ausgesprochen heftig an, das früh bei 1250 Umdrehungen anfallende hohe Drehmoment von 320 Newtonmeter ermöglicht im Zusammenspiel mit dem hervorragend übersetzten 6-Gang-Automatik nicht nur niedrige Drehzahlen im Alltagsbetrieb, dann, wenn unaufgeregtes Dahinströmen gefragt ist, sondern auch beeindruckenden Durchzug.

Wenn von Mini die Rede ist, kommt auch immer der Begriff vom Gokart-ähnlichen knackigen Handling ins Spiel. Da macht auch der Works-Cooper keine Ausnahme: Der Bayer mit britischen Wurzeln lenkt spontan und leichtfüßig ein, bleibt bis weit in den Grenzbereich neutral und lässt sich über die präzise, guten Straßenkontakt vermittelnde Lenkung spielerisch-leicht um Kurven aller Radien dirigieren.

Einen sänftenartigen, an Citroën der frühen Jahre erinnernden Fahrkomfort freilich spielt’s nicht: Fahrbahnunebenheiten werden direkt und brutal an die Works-Besatzung weitergegeben, wobei die Abstimmung der Feder und Dämpfer die Wahl zwischen Pest und Cholera lässt. Soll heißen: Zwischen betonter Sportlichkeit und brutaler Härte, dazwischen gibt’s nix.

Die erste Premiummarke im Kleinwagensegment verlangt nach hohem finanziellen Einsatz. Wer den für den Cooper Works zu leisten imstande ist, bekommt aber auch jede Menge zurück: Nämlich einen unglaublich leistungsfähigen Kleinwagen mit Kultstatus und sagenhaftem Image.

Mini John Cooper Works

Antrieb: 4 Zylinder, Benzin, Direkteinspritzer, 2 oben liegende Nockenwellen 4 Ventile/Zylinder, Turbolader, Ladeluftkühler; Frontantrieb, 6-Gang-Automatik; Euro 6.

Hubraum: 1998 cm³

PS/kW: 231 PS/170 kW

maximales Drehmoment:320 Nm bei 1250 U/min

Spitze 246 km/h, 0–100 in 6,1 Sekunden

Fahrwerk:Selbst tragende Karosserie, Hilfsrahmen, vorn McPherson-Federbeine, Dreieckquerlenker, hinten Mehrlenkerachse, vorn/hinten Schraubenfedern, Teleskopstoßdämpfer, Stabilisatoren, Scheibenbremsen (vorn innen belüftet), Zahnstangenlenkung mit Servounterstützung, ABS, Bremsassistent, Berganfahrhilfe, Traktionskontrolle, Dynamische Stabilitäts Control/DSC (ESP).

Maße (L x B x H):3874 x 1727 x 1414 mm

Wendekreis: 10,8 m Radstand: 2495 mm Bremsweg kalt: 34,2m Bremsweg warm: 33,7m

Kofferraum: 211–731 l Gewicht: 1220 kg Gesamtgewicht: 1700 kg Tankinhalt: 44 l

Normverbr.: 5,7 l/100 km 133 g/km CO²

Testverbrauch: 8,4 l/100 km

Preis: 32.350 €

Preis Testwagen: 42.970 €

Motorbezogene Versicherungssteuer: 1189,44 €