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07/05/2021

Mercedes EQV: Mit dem Elektrobus in den Urlaub

Elektrobus und Urlaub passten bisher nicht gut zusammen. Wir haben es mit dem EQV von Mercedes gewagt.

von Andrea Hlinka

Als der 1-Zylinder Steyr-Traktor aus dem Jahr 1952 an dem zur Zeit wohl modernsten Elektrobus vorbei tuckert, müssen wir lächeln. Weil der Kontrast größer kaum sein könnte, vor allem aber, weil wir heil und ohne Heulen der Kinder den auserkorenen Bauernhof erreicht haben. Rund 250 Kilometer zählt die Fahrt von Wien-Hietzing nach Mühlen in der Steiermark und sie war problemlos. Trotz oder gerade wegen des Elektrobusses.

Der EQV hat nämlich alles, was es braucht, um entspannt – mit drei kleinen Kindern – zu reisen.

Der Weg ist das Ziel

Die Routenplanung funktioniert im EQV tadellos: Wer das Ziel auf dem 12,1 Zoll großen, mittig platzierten Bildschirm eingibt, erfährt auch, wie weit ihn die 90 kWh-Batterie bringt und wo diese auf der Route aufgeladen werden kann oder soll. Wunderbar klappt das auch mittels Spracherkennungssoftware: Ein „Hey Mercedes“ genügt, und die höfliche Dame aus dem Off fragt, womit sie helfen kann.

Reichweite

352 Kilometer soll der EQV nach WLTP erreichen. So ganz wollen wir das auf unserer ersten längeren Autobahn-Strecke mit diesem fast 2,9 Tonnen Brummer nicht glauben. Das Misstrauen endet in einer Mittagspause und nach 45 Minuten sind Bäuche und Batterie wieder voll.

Auf dem Rückweg sind wir mutiger, planen keine Ladepause und starten voll aufgeladen (jedes Dörflein verfügt mittlerweile über eine Ladestation) bei Regen in den Nordosten. Und obwohl wir auf der Autobahn mit 110 bis 120 km/h unterwegs sind, kommen wir mit 115 Kilometern Restreichweite in Wien an. Starker Rekuperation und dem Eco-Modus sei Dank. Der EQV ist ein Reichweitenwunder.

Assistenten

Auch wenn man anfänglich das Head-up-Display vermisst, fehlt es nach kurzer Zeit nicht mehr. Denn der kleine Bildschirm auf dem Armaturenbrett, der zwischen zwei analogen Anzeigen sitzt, zeigt digital alles an, was man wissen möchte: Unkompliziert kann man über das Multifunktionslenkrad zwischen verschiedenen Anzeigen wählen und hat etwa Verbrauch, Reichweite, Geschwindigkeit, den Abstand zum Auto davor und vieles mehr im Blick. Auch schön: Das Trackpad, das auch Handschrift erkennt.

Haptik

Im EQV quietscht nichts oder klappert nichts, auch wenn man schneller unterwegs ist. Gut, nichts anderes ist von einem Mercedes Benz, der bei gerundet 80.000 Euro startet, zu erwarten. Angeführt werden darf es trotzdem, weil es das gute Gefühl mitträgt, das man bei diesem E-Auto hat. Es passt in den Details, die andere Busse vermissen lassen: Die Tür fällt satt ins Schloss, die Heckklappe ist auf Knopfdruck zu öffnen und zu schließen und jeweils ein Arm darf auf den äußeren Sitzen im Fond auf einer Armlehne rasten. Und natürlich ist standesgemäß jede Menge Platz im Inneren. Unmengen zuladen kann man allerdings nicht: Mit knapp 2,9 Tonnen ist der EQV ein Schwergewicht. Dazu dürfen noch einmal 600 Kilogramm kommen, denn er ist auf 3,5 Tonnen Gesamtgewicht zugelassen. 600 Kilogramm sind für einen 8-Sitzer nicht gerade viel.

Zwei Dinge sind nicht nachvollziehbar: Auf dem Beifahrersitz ist keine Isofix-Vorrichtung für Kindersitze vorhanden. Auch fehlt eine solche auf je einem Außensitz in der zweiten und dritten Sitzreihe. Wenn einem Kind in der dritten Reihe übel wird, wird es mit dem Angebot knapp. Und: Wieso in aller Welt gibt es hier noch einen Zündschlüssel

Auch wenn das Ladenetz in ganz Europa massiv ausgebaut wird, aktuell gleicht  es eher einem Fleckerlteppich: In Italien und Kroatien haben es E-Autofahrer noch schwer, eine Ladestelle zu finden, in Frankreich und Holland wiederum herrschen  paradiesische Zustände. Abenteuerlich wird es bei den Tarifen, denn es gibt  keine einheitliche Lösung.  Daher  ist man gut damit beraten, vorab  zu  recherchieren – etwa mit dem Routenplaner von goingelectric.de –,  wo man laden möchte, welchem Betreiber die Ladestelle gehört und wie hoch die Tarife sind. Um zu bezahlen, muss man nicht von jedem Betreiber eine Karte haben. Denn: „Eine EU-Verordnung regelt, dass  an öffentlichen Ladestellen   barrierefreies Laden möglich sein muss, dass also mit Kreditkarte gezahlt werden kann“, so Ute Teufelberger, Vorsitzende vom  BEÖ (Bundesverband für Elektromobilität). 

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