News 07.01.2013

Moto Guzzi California 1400 Touring: Die Auferstehung des Adlers

Moto Guzzi California 1400 Touring: Die Auferstehung des Adlers
© Werk

Neustart mit Traktionskontrolle, Tempomat und dickem V2.

Kultmarken verzeiht man vieles, aber nicht alles. Nachdem die Geduld der Guzzisti in den vergangenen Jahren schon bis zum Zerreißen strapaziert worden ist – fehlende Innovationen, veraltete Technik und immer wieder haarsträubende Qualitätsmängel – scheint nun endlich der Lohn fürs Durchhalten gekommen zu sein: Ein Relaunch der Marke, angeführt von der neuen Moto Guzzi California als imposantes Flaggschiff.

Eindrucksvoll ist allein die Größe: Mit ihren mächtigen Dimensionen, dem breiten 200er-Hinterreifen und einem Gewicht von 337 Kilo entspricht die California Touring amerikanischen Maßstäben. Im Gegensatz zu fernöstlichen Harley-Kopien kann sie dabei auf die eigene Historie zurückgreifen: 1968 wurde auf Betreiben des US-Importeurs eine Polizei-Version der damals aktuellen V7 aufgelegt, die zunächst vom LAPD in Dienst gestellt wurde. Diese Version mit großer Scheibe und Verkleidung wurde bald auch zivil nachgefragt und begründete ab 1970 den Mythos der California.

Dass diese Geschichte im neuen Modell durch ein smartes Retro-Design mit vielen eleganten Details wie der Sitzbank-Reling zitiert wird, ist sicher kein Fehler. Hauptverantwortlich dafür ist einmal mehr Stardesigner Miguel Galluzzi, der sich schon mit der Ducati Monster ein Denkmal gesetzt hat.

Gute Vibrationen

Technisch ist an der California hingegen alles neu. Das beginnt beim größten Guzzi-V2 aller Zeiten: 1400 Kubikzentimeter, resche 96 PS, 120 Newtonmeter Drehmoment, Vierventiltechnik, DOHC – damit kann man erhobenen Hauptes gegen Harley-Davidson antreten. Dazu kommt eine neue elasto-kinematische Motor-Aufhängung. Diese Kombination aus Gummilagerung und Streben ermöglicht es, am Stand die mächtigen Vibrationen des V2 spielen zu lassen, während davon unter der Fahrt fast nichts mehr zu spüren ist.

Eine geglückte Mischung aus Retro und Moderne: Das Rundinstrument.
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Der Motor selbst gefällt durch Geschmeidigkeit und lässt sich elektronisch beeinflussen: Sport, Touring und Pioggia (Regen) heißen die drei Modi. In Letzterem werden Leistung und Drehmoment um ein Viertel zurückgefahren. Eine Traktionskontrolle ist serienmäßig.

Das Sechsganggetriebe und der Antrieb über Kardan funktionieren unauffällig, besonderes Lob gebührt der Bremserei: Zum ersten Mal an einem Cruiser werden leistungsfähige Radialbremsen verbaut, klassenüblich mit ABS. Ihre Perfomance ist so gut, dass die 337 Kilo rasch in den Hintergrund treten – unterstützt durch die gut gewählte Lenk-Geometrie und das solide abgestimmte Fahrwerk . So findet man rasch zu einer flotten Fahrweise, die man dem Schiff gar nicht zutrauen würde. Die großen Trittbretter – und leider auch die Befestigung des Seitenständers – setzen allzu großer Schräglage aber bald eherne Grenzen.

Langstrecke

Für Reisen ist die California gut gerüstet: Ein großer, weicher Sattel und eine kommode Sitzposition sind die besten Voraussetzungen. Die Koffer wirken solide, wollen aber patscherterweise mit einem eigenen Schlüssel versperrt werden. Die Scheibe wiederum bietet guten Schutz, könnte aber für größere Fahrer ruhig höher sein.

Kommode Sitzposition, die Scheibe könnte für größere Fahrer ruhig größer sein.
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Der Spagat zwischen Komfort, Fahrspaß und imposantem Auftritt markiert dennoch ein neues Niveau im Cruiser-Segment, das man zum Preis von 21.999 Euro bereits bei den Guzzi-Händlern ordern kann. Im März folgt dann der nächste Streich: die sportlichere California Custom um 19.499 Euro.

(Kurier) Erstellt am 07.01.2013