Zweirad
17.11.2016

BMW G310: Wegbereiter

Mit 313 Kubik aus nur einem Zylinder geht BMW-Motorrad auf die Jagd nach neuen Verkaufsrekorden.

Der ehrgeizige Wachstumsplan des bayerischen Konzerns gibt die Richtung vor: Spätestens 2020 will BMW weltweit 200.000 motorisierte Zweiräder pro Jahr an den Mann bringen. Zwar verbuchen die Münchner nun schon sechs Jahre in Folge satte Zuwächse, trotzdem fehlen aktuell noch 64.000 Einheiten auf das ambitionierte Ziel. Weil das bayerische Stamm-Segment der Motorräder mit mehr als 500 Kubik Hubraum kaum mehr Steigerungspotenzial bietet, soll ab 2017 das in Deutschland konzipierte und kostengünstig bei TVS in Bangalore produzierte Einsteigermotorrad G 310 R die Entwicklungsmärkte (wie Asien und Brasilien) und neue Kundengruppen erobern. Mit der bewährten Strategie erhofft man sich ansehnliche Erfolge: Konkurrent KTM hat es mit den bei Bajaj gefertigten Modellen 125 und 390 Duke bereits vorgemacht, die sich nicht nur in Asien wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln verkaufen. In Österreich sicherten sich die KTMs "Made in India" mit 819 verkauften Exemplaren den beachtlichen dritten Platz in der Zulassungsstatistik 2015.

Auch die neue BMW G 310 R hat das Zeug zum Bestseller, denn trotz der finalen Qualitätskontrolle in Deutschland wird das ab Oktober bei uns erhältliche Einsteiger-Fahrzeug nur 4950 Euro kosten.

An moderner Technik wurde jedoch nicht gespart: Der komplett neu entwickelte Einzylindermotor mit Benzineinspritzung verfügt über zwei obenliegende Nockenwellen, reibungsminimierend beschichtete Komponenten und vier Ventile. Der leichtgewichtige Stahl-Gitterrohrrahmen, die Alu-Schwinge, kräftige Brembo-Scheibenbremsen, serienmäßiges ABS-System, das präzise rastende Sechsganggetriebe und die hochwertige Michelin-Erstbereifung runden das knapp 160 Kilo leichte Paket ab.

Nicht nur für Riesen

Im Unterschied zu vielen Mitbewerbern in dieser Hubraumklasse machen auf der "kleinen" BMW aber auch Piloten mit mehr als 175 Zentimetern Größe gute Figur. Trotz der niedrigen Sitzhöhe von 785 Millimetern wirkt der Körperbau der G 310 R erstaunlich erwachsen und bietet überdurchschnittlich viel Komfort und Bewegungsfreiheit.

Wie erwartet reißen 34 PS und 28 Newtonmeter keine Bäume aus. Für zügiges Vorankommen muss hohen Drehzahlen gehuldigt werden, denn ihre Maximalleistung erreicht der vibrationsarme 313-Kubik-Einzylinder bei 9500 Touren. Trotzdem erreicht man ganz locker 145 Stundenkilometer am digitalen Multifunktionsdisplay, das unter anderem über Tankinhalt, Gangwahl und Durchschnittsverbrauch informiert.

Apropos Verbrauch: Mit nur 3,7 Litern war der Durst bei unserer Testfahrt bescheiden. Besonderes Lob verdient das hervorragend ausbalancierte, souverän abgestimmte Fahrwerk, dessen Komponenten vom japanischen Spezialisten Kayaba entwickelt und in China gefertigt werden. Ohne Kraftaufwand am Lenker lässt sich die G 310 R spielerisch in Schräglage bugsieren, verzichtet auf nervige Hyperaktivität und gleitet stoisch durch allerlei Kurvenradien – mit satter Straßenlage, die nicht nur jene der Konkurrenz in der Einsteigerklasse in den Schatten stellen dürfte.