Zweirad
15.05.2017

Harley-Davidson Street Rod: Die Kraft im zweiten Anlauf

Speedige Erweiterung der Einstiegsklasse: Mit mehr Power und Premium-Parts.

Es ist alles eine Frage der Perspektive: Als Harley im Jahr 2014 mit der Street 750 eine neue Einstiegs-Baureihe begründete, hatte die US-Company vornehmlich die sogenannten "emerging markets" im Visier: Entwicklungsländer. Dort verkaufte sich die günstigste Harley auch ganz anständig.

Europäischen Ansprüchen wollte das wassergekühlte Bike indes nicht so recht entsprechen: Zu wenig Liebe im Detail, miserable Bremsen (anfangs ohne ABS) und ein wackeliges Fahrwerk ließen die Harley-Fans weiterhin lieber zu einer etwas teureren Sportster greifen.

Mit der Erweiterung der Baureihe um ein deutlich dynamischeres, hochwertiger ausgestattetes Modell könnte sich das nun ändern: Die Street Rod trägt nicht nur einen klingenden Namen (2006/’07 als Ableger der V-Rod gebaut), sondern bietet schon auf den ersten Blick deutlich mehr Feinheiten als die Street 750.

Edle Komponenten

Die Updates greifen praktisch an allen Ecken und Enden: Das Fahrwerk besitzt eine mit 43 Millimeter ungewöhnlich üppig dimensionierte Upside-down-Gabel, die beiden Federbeine am Heck punkten nicht nur mit einer orangeroten Feder, sondern auch mit Ausgleichsbehältern und einer fünfstufig einstellbaren Vorspannung. Ebenso deutlich erstarkt zeigt sich die Bremsanlage, mittlerweile natürlich – wie auch die Street 750 – mit serienmäßigem ABS: Zwei große Bremsscheiben mit je 300 Millimeter Durchmesser sorgen für gute Verzögerungswerte.

Letztlich wurde auch der Motor nochmals überarbeitet. Eine Fülle von Tuningmaßnahmen – höhere Verdichtung, schärfere Steuerzeiten, eine voluminösere Airbox, vergrößerter Ventilhub – bescheren der Street Rod ein Leistungsplus von knapp 20 Prozent: 71 statt 58 PS. Auch das Drehmoment stieg von 59 auf 65 Newtonmeter.

Diese sportliche Attitüde wird durch eine entsprechend dynamische Sitzhaltung unterstrichen: Der breite Drag-Bar-Lenker und der höher gelegte, aber immer noch moderate Sitz (765 Millimeter) sorgen für eine aktivere, leicht nach vorne geneigte Position. Die sportliche Beinfaltung bedingen höher gelegte, leicht nach hinten verschobene Alu-Fußraster, die gemeinsam mit dem auf 17 Zoll angewachsenen Hinterrad eine deutliche Vergrößerung der Schräglagenfreiheit ermöglichen: Von 30 auf 40 Grad.

So dramatische Umbrüche müssen sich zwangsläufig bemerkbar machen – und tatsächlich bringt die Street Rod einen gewaltigen Umschwung: Jetzt macht das Fahren plötzlich Laune. Das Chassis erweist sich als gut balanciert und handlich, die Federelemente dämpfen nicht nur anständig, sondern bieten auch guten Komfort.

Die am Stand noch etwas eigenwillige Sitzposition erweist sich beim Fahren als gut gewählt und erinnert an ein sportliches Naked Bike, während der Motor nur beim Gas-Zudrehen ein freches Grummeln von sich gibt. In allen übrigen Fahrsituationen zeigt er artige Manieren: Er läuft schon ab 1500 Umdrehungen schön rund und gibt seine neu gewonnene Kraft über das gesamte Drehzahlband verblüffend linear ab. Mit dumpfem Bass ist auch für eine Soundkulisse gesorgt, die zu Harley-Davidson passt, aber nachbarschaftstauglich bleibt.

Sportliches Cruisen

Unterm Strich: Im zweiten Anlauf haben die Amerikaner nun alles besser gemacht. Mit deutlich gehobener Verarbeitung, edleren Komponenten, nachgeschärftem Look und vor allem unterhaltsamer Fahrdynamik bietet die Street Rod nun dynamisches Cruiser-Feeling am unteren Ende der Harley-Preisliste – bei gleichzeitig unkomplizierter Handhabung und leichtfüßiger Fahrbarkeit.