Zweirad
17.05.2017

Honda CMX500 Rebel: Die Sehnsucht nach dem Einfachen

Ein kleiner, smarter Cruiser wirft uns zurück auf die Basics des Motorradfahrens.

Mittelklasse-Cruiser haben bei Honda lange Tradition, mehr noch: eine Erfolgsgeschichte.

Noch in den Neunzigerjahren waren die Straßen voll mit der VT600 Shadow und auch der Name Rebel ist keineswegs neu: Beginnend in den frühen Achtzigern gab es zunächst einen 250er-, später einen 125er-Cruiser unter diesem Label.

Mit den eher barocken, chromblitzenden Motorrädern jener Jahre hat die neue Rebel freilich wenig zu tun. Sie zeigt sich im puristischen, dunklen Look zeitgemäßer Custombikes: Rahmen, Räder, der gesamte Antrieb inklusive Abgasanlage, Lenker, Blinker – alles ist schwarz gehalten. Witzige Design-Gags sind der aufgesetzte, aufragende Tank, der kleine Rundscheinwerfer, der fette Vorderreifen und der neu entwickelte Stahlrohrrahmen, der rund um den Fahrersitz noch einen kecken Bogen schlägt.

Der kleine Beifahrersitz – ohnehin nur eine Notlösung – lässt sich mit zwei Schrauben demontieren, womit der Auftritt erneut puristischer wird.

Noch bodenständiger als das Design ist die Technik. Das Fahrwerk besteht aus soliden, aber schlichten Komponenten: Einer Telegabel mit 41-Millimeter-Standrohren und zwei Federbeinen am Heck, deren Vorspannung sich in lediglich zwei Stufen verstellen lässt. Die Bremserei kommt mit jeweils einer Scheibe vorne und hinten aus, ABS ist mittlerweile Pflicht.

Einfach, aber effektiv

So simpel diese Einrichtungsgegenstände wirken, so effizient gehen sie zu Werke. Jeder verrichtet seine Aufgabe pflichtgemäß, das Fahrwerk bietet neben souveränem Roadholding sogar für diese Klasse erstaunlich guten Komfort.

Diesen Spagat aus Budget – die Rebel kostet nur 6690 Euro – und bravourösem Auftritt gelingt auch dem Zweizylinder-Reihenmotor, den Honda aus der CB500-Baureihe übernommen hat. Ein dezentes Re-Tuning sorgt für mehr Drehmoment bei niedrigeren Drehzahlen, hat aber eine kleine Leistungs-Minderung auf 45 PS zur Folge. Nicht weiter schlimm: Die Rebel teilt sich ihre Kräfte gut ein, sorgt für durchaus flottes Weiterkommen und vor allem Cruiser-Feeling, das man dem kleinen Gerätchen kaum zutrauen würde: Die Mischung aus Sound, Vibrationen und relaxter Fahrkultur wurde maßstabsgetreu von den schweren und teuren Eisen heruntergebrochen.

Niedrige Sitzhöhe

Alles zusammen ergibt ein günstiges, einsteigertaugliches und natürlich zum A2-Führerschein passendes Motorrad, das mit seiner extrem niedrigen Sitzhöhe (nur 690 Millimeter) auch kleineren Fahrerinnen und Fahrern einen festen Stand und damit Sicherheit gibt – gleichzeitig aber jede Menge Fahrspaß und Besitzerstolz, der sich aus der Coolness des Designs nährt.

Die paar wenigen Nachteile lassen sich mit guter Argumentation und Wechsel des Blickwinkels entschärfen: So dürfte der nur 11,2 Liter fassende Tank angesichts der bekannt sparsamen Trinksitten des Zweizylinders auf Touren keine lästigen Tankstellensuchen erzeugen; Reichweiten von 200 Kilometer sollten zu schaffen sein.

Und das LCD-Cockpit mit der Reduktion auf die wesentlichsten Anzeigen darf als Erholung der Sinne in unserem Facebook-Smartphone-Instagram-Alltag gelten. Eigentlich wäre es ohnehin cooler, die Geschwindigkeit am Fahrtwind abzulesen.