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13.07.2016

Motorrad-Strecken im Check: Wie sie sicherer werden

Der ÖAMTC hat sich sieben Biker-Strecken angesehen. Angepasste Fahrweise und verbesserte Infrastruktur macht die Fahrt sicherer.

Motorradfahren ist beliebt. Letztes Jahr wurden 483.000 Bikes zum Verkehr zugelassen (zum Vergleich: im Jahr 1992 waren es noch 125.000). Der Anteil an tödlich verunglückten Bikern ist im selben Zeitraum von 5 auf 17 Prozent gestiegen, allein heuer starben bereits 37 Motorradfahrer.

Ein Problem liegt für den Motorrad-Chefinstruktor des ÖAMTC, Georg Scheiblauer, freilich darin, dass viele das Motorradfahren als Freizeitvergnügen betreiben, entsprechend selten fahren und dann fehlt die Routine.

Vor allem passieren die meisten Unfälle mit Todesfolge auf Freilandstraßen und diesbezüglich sind zum einen die Biker gefordert. "Viele Unfälle passieren, weil die Lenker eine falsche Linie wählen und das führt zu Unsicherheit", erklärt Georg Scheiblauer. Dazu kommen Fehlreaktionen, Ausweich- und Bremsmanöver und natürlich falsch gewählte Geschwindigkeit. Zum anderen können auch infrastrukturelle Maßnahmen den Bikern helfen und die Sicherheit steigern.

Viele schwere Unfälle ereignen sich auf "klassischen Biker-Strecken". Der ÖAMTC hat sich sieben dieser Routen angesehen und analysiert, warum hier oft besondere Gefahr droht.

Beispiel 1: Hochkönigstraße, Salzburg

Der Streckenverlauf verleitet zu erhöhter Geschwindigkeit. Die Rechtskurve ist aber nicht optimal einsehbar, dass dahinter ein Agrarweg in die Straße einmündet (und das damit hier Schmutz und Steine hinausgetragen werden), sieht man nicht.

Beispiel 2: Hochtannberg, Vorarlberg

Die Kurve verengt sich und es wäre für Biker hilfreich, wenn eine entsprechende Beschilderung vorhanden wäre, so Georg Scheiblauer.

Beispiel 3: Ochssattel, Niederösterreich

Zwischen 2012 und 2014 haben sich hier acht Unfälle ereignet. Eine entsprechende Absicherung mit Leitplanke und Unterfahrschutz wäre wünschenswert, heißt es vom ÖAMTC. Ein Unterfahrschutz sorgt nicht nur dafür, dass der Biker nicht unter der Leitplanke durchrutscht. "Man ahnt als Biker, dass hier schon öfter etwas passiert sein muss und fährt langsamer, es hat also auch eine psychologische Wirkung", erklärt Georg Scheiblauer.

Beispiel 4: Greiner Straße, Oberösterreich

Hier eine Kurve, die schwer "zu lesen" ist. In Sachen passiver Sicherheit hat man an der Greiner Straße aber nachgebessert und einen Unterfahrschutz installiert.

Beispiel 5: Brenner Straße, Tirol

Problem ist hier der Licht-Schatten-Wechsel. Das Anbringen von so genannten Leitwinkeln wäre für die Verkehrsteilnehmer hilfreich.

Beispiel 6: Soboth, Kärnten/ Steiermark

Hier ein positives Beispiel für hilfreiche Straßenmarkierung. Die zusätzlichen Querstreifen halten Motorradfahrer davon ab, die Kurve "zu schneiden". Für den ÖAMTC-Instruktur eine gute Idee.

Beispiel 7: Hochschwab Straße, Steiermark

Das Verkehrsschild, das die Rechtskurve ankündigt würde den Zusatzhinweis "in 300 Metern" brauchen, sagt der ÖAMTC.

Fahrtechniktrainings

Obwohl natürlich mit besserer Ausschilderung und passiven Sicherheitssystemen wie Unterfahrschutz viel gemacht werden kann, ist die Infrastruktur in den seltensten Fällen die Ursache für Unfälle, sagt ÖAMTC-Unfallforscher David Nose. Und Georg Scheiblauer fügt hinzu: "Genau genommen führen nicht die Strecken zu Unfällen, sondern die Biker selbst, wenn sie Fehler machen. Wenn ich meine Geschwindigkeit richtig anpasse, vorrausschauend fahre und auch mit Unerwartetem rechne, dann kann ich das Risiko deutlich reduzieren". Dennoch findet auch er infrastrukturelle Maßnahmen sinnvoll, denn alles, was dabei unterstützt, die Straße und Linienführung zu lesen, kann helfen. "Oft verstellen unnötige Bauten und Gewächse das Sichtfeld oder enger werdende Kurven sind nicht rechtzeitig erkennbar – hier gibt es Luft nach oben", so Scheiblauer.

Viele dieser Strecken sind für viele eine Art Renstrecke, dennoch weiß Scheiblauer, dass 95% der Biker einfach normal und entspannt diese landschaftlich reizvollen und fahrerisch tollen Strecken abfahren wollen.

Für die aktive Sicherheit und Unfälle zu vermeiden, sind zudem Fahrsicherheitstrainings dringend anzuraten. "Wir bekommen regelmäßig Rückmeldungen, dass heikle Situationen dank eines Trainings gemeistert werden konnten. Wir trainieren viele Abläufe und Manöver, die man vielleicht nur einmal braucht, dann können sie aber lebensrettend sein."