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05.12.2011

Mut

Prof. Hermann Kopetz: Sein System steckt in der Super-Boeing wie im Audi A8. Wie er rechtzeitig Nein sagte.

Wissenschaftlern wird oft gerne Weltfremdheit vorgeworfen. Doch oft beweisen sie mehr Realitätssinn, als anderen lieb ist. Dazu gehört der Mut zum Neinsagen im richtigen Moment.

Als Prof. Hermann Kopetz vor 13 Jahren diesen Mut hatte, sorgte er unter Managern einer deutschen Edel-Automobilmarke für ein legendäres Schreiduell. Umso mehr, als der Herr Professor für die Ende der 90er-Jahre in der Autoindustrie gehypte Elektronik ein zukunftsweisendes System entwickelt hatte, das bereits in der Luftfahrt für Furore gesorgt hatte ("Ihr System wird unsere Welt verändern"). Der Autohersteller war sich daher sicher, mit dem Herrn Professor einen großen Fang gemacht zu haben. Theoretisch war dies richtig. Tatsächlich kam's aber anders: Der Herr Professor der TU Wien lehnte nämlich das lukrative Angebot des Autoherstellers ab und bevorzugte es, eine eigene Firma zu haben. Geführt von seinem Sohn und einem engen Mitarbeiter.

Was vielen wie wirtschaftlicher Selbstmord vorkam, erwies sich als Geburt eines der erfolgreichsten Unternehmen seiner Branche: TTTech zählt inzwischen 220 Mitarbeiter, ist weltweit vertreten, wird ob der Kompetenz hoch geschätzt und - expandiert kräftig weiter. Datensysteme der Firma stecken im Dreamliner von Boeing ebenso wie im Super-Airbus oder in den Topmodellen von Audi. Prof. Kopetz hat beides geschafft: Höchste wissenschaftliche Reputation und Erfolg bei der Umsetzung seiner Ideen in der Praxis.

Nachahmer werden dringend gesucht. Der Herr Professor dagegen emeritiert diese Woche.

maria.brandl(at)kurier.at