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05.12.2011

Neue EU-Regelungen für Label, Luftdruck, ESP

© Bild: Borgwarner BERU Systems GmbH

Verpflichtendes ESP für Pkw kommt EU-weit noch heuer im November, Reifenpickerl und obligatorisches Luftdruckkontrollsystem 2012. Bereits zugelassene Autos sind nicht betroffen.

Ab dem 1. November des heurigen Jahres müssen Pkw, die innerhalb der EU neu typisiert werden, mit einem elektronischen Fahrdynamik-Regelsystem ausgerüstet sein. Das häufig auch "ESP" (elektronisches Stabilitätsprogramm) genannte System soll vor allem durch gezielte Bremseingriffe das beginnende Schleudern eines Autos unterbinden und damit Unfälle verhindern.

In Österreich wenig bekannt ist, dass das Einführungsdatum ein - diesmal positiver - Fall von Lobbying ist. Die EU-Kommission hatte nämlich (ab 2008) 2012 ins Auge gefasst. Vor allem der heimische ÖAMTC befand, dass es für eine so lange Wartezeit keinerlei Grund gab - schon gar keinen technischen. Also wurden die damaligen EU-Abgeordneten Otmar Karas (ÖVP) und Wolfgang Bulfon (SPÖ) informiert, die ihrerseits die jeweiligen Fraktionen im EU-Parlament überzeugen konnten (und 2010 forderten). Als Kompromiss kam dann schließlich 2011 heraus.

Reifen

© Bild: Borgwarner BERU Systems GmbH

Ein Jahr später, am 1. 11. 2012, wird verpflichtend das sogenannte "Label" für neue Reifen eingeführt, das optisch bewusst an die Kennzeichnung von Kühlschränken angelehnt wurde. Es gibt über Geräusch, Nassgriffeigenschaften und "Kraftstoffeffizienz" Auskunft, die Angaben müssen durch ein technisches Gutachten belegt werden. Letzte Unklarheiten vor allem zum Messverfahren beim Nassgriff sind jetzt beseitigt, die EU-Kommission hat am 7. März dieses Jahres eine Verordnung (Nr. 288/2011) publiziert.

Luftdruck

Ebenfalls ab November 2012 müssen neu zu typisierenden Pkw ein Überwachungssystem für den Luftdruck in den Reifen haben. Die bisher vorliegende Regelung lässt offen, ob ein System mit Direktmessung (mit Sensoren in den Reifen) oder ein indirektes System (Errechnen von Druckverlust aus Veränderung der Raddrehzahlen) zur Anwendung kommt. Ersteres erlaubt zusätzliche Komfortfunktionen und ist wesentlich genauer,
aber auch deutlich teurer.

Bis dato sind nur wenige Eckpunkte festgelegt. Das System muss in jedem Fall ab 40 km/h funktionieren und innerhalb von spätestens 10 Minuten ein optisches Warnsignal zum Aufleuchten bringen, wenn der Luftdruck in einem der Reifen um 20 % sinkt oder beim Mindestdruck von 150 kPa liegt.

Beim deutschen Continental-Konzern hält man diese Schwelle für viel zu großzügig und plädiert deshalb für ein Direktmess-System. "Je genauer, desto besser", sagt Enno Pflug von der Continental Automotive GmbH, schließlich könnte das verpflichtende System die Lenker dazu verleiten, noch seltener die Luft zu kontrollieren.

Die Sensoren in den Reifen werden in absehbarer Zeit auf Batterien (für den Funk zum Steuergerät) verzichten können. Der Piezoeffekt (Auftreten von elektrischer Spannung bei elastischer Verformung von Festkörpern) wird dann als Stromquelle dienen.

Pumpen, Rückruf, Unbekannte

USA - Werkstatt muss pumpen:

Seit September 2010 sind Kfz-Werkstätten in Kalifornien verpflichtet, bei Kundenautos den Reifenluftdruck zu überprüfen und bei Bedarf zu korrigieren. Bei Unterlassung drohen bis 1000 US-Dollar Geldstrafe. Kalifornien hat sich zuletzt auch einer Regelung angeschlossen, welche Reifenauswuchtgewichte aus Blei verbietet und in mehreren Bundesstaaten gilt. Als Ersatz werden üblicherweise Gewichte aus Zink eingesetzt.

Rückrufe auch bei Reifen:

Continental will nach einem Bericht von Reifenpresse.de in den USA freiwillig 390.000 Reifen aus dem Verkehr ziehen und hat dazu einen Rückruf gestartet. Es geht um Reifen für leichte Nutzfahrzeuge, die ab Werk auf Ford-Pick-up-Trucks montiert wurden. Es könne zu ungleichmäßiger Abnutzung kommen, was in Folge - bei Überladung oder zu niedrigem Luftdruck - zur Ablösung des Laufstreifens führen könne.

"Unbekannte" Marken:

Wer beim Reifenkauf zu einer bekannten Marke greift, kann grundsätzlich nicht viel falsch machen. In Test landen aber immer häufiger "Unbekannte" weit vorne. Beim ÖAMTC-Sommerreifentest (195/65 R15 V) erhielt z. B. der Vredestein Sportrac 3 Bestnoten, ebenso der Nokian V. Dahinter fand sich ein Maloya Lugano. In der kleineren Dimension mischte der Hankook Optimo K715 vorne mit.