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02.11.2016

Neue Marke Lync&Co: Ein Geschenk für Designer

Wie das erste Modell der neuen Marke entstanden ist, mit dem die Chinesen Europa erobern wollen.

"Das ist sehr befreiend für einen Designer!" Peter Horbury, Chef der Formgeber des chinesischen Geely-Konzerns, weiß, wovon er spricht, wenn er den Ausgangspunkt der Entstehung des ersten Modells der neuen Auto-Marke Lync & Co beschreibt. Selbst ein Veteran der Szene mit Erfahrungen als Designer bei Ford und Volvo, hatte er es in seiner Karriere noch nie erlebt, dass er tatsächlich mit dem berühmten weißen Blatt Papier anfangen konnte.

Horbury: "Bei jedem klassischen Hersteller gibt es Unmengen von Vorgaben und Rücksichten, auf die man beim Design eines neuen Autos eingehen muss. Das reicht von der Geschichte der Marke bis zur Berücksichtigung einer bestimmten Form der Kühlermaske als Erkennungsmerkmal."

Als er jedoch den Auftrag bekam, eine neue Marke für den Geely-Konzern zu entwickeln, mit der die Chinesen den Automarkt in Europa und den USA erobern wollen und die in der Mitte zwischen den Basis-Produkten der Heimmarke Geely und den Premium-Modellen des Konzern-Aushängeschildes Volvo platziert werden soll, empfand er das als eine Art Geschenk. Dementsprechend leicht war es auch, Designer für dieses Projekt anzuheuern, die in den Studios in Schanghai, Barcelona und Los Angeles an der Entwicklung einer neuen Formensprache für Lynk & Co. arbeiten sollte.

Starkes Gesicht

Einer davon ist Andreas Nilsson, früher ebenfalls bei Ford in den USA und zuletzt bei Volvo, heute Chef-Designer des Lynk-&-Co-Projektes. Nilsson über die einzigen Vorgaben, die er mit seinem Team zu berücksichtigen hatte: "Das Auto sollte weltweit gefallen, aber europäisch aussehen und deutlich hervorstechen aus der Masse." Da trotz der Konzentration auf die Eroberung der Kunden in Europa und den USA aber auch der Heimmarkt in China wichtig für den Erfolg des Projektes ist, war sofort klar "dass das neue Markengesicht optisch sehr stark sein musste". Nilsson: "Ein starkes Gesicht ist für Chinesen bei Autos ganz wichtig."

Daher entschloss man sich, den Kühlergrill über die gesamte Wagenbreite zu strecken und die Hauptscheinwerfer darin optisch zu verstecken. Die auffällige Leuchteneinheit auf den Radhäusern besteht nur aus schmalen LED-Leuchtbändern für das Tagfahrlicht.

Bei der Gestaltung des Cockpits ließen sich die Designer von den Smartphones der angepeilten Kundschaft inspirieren. Diese "jungen, urbanen Digital Natives" will man mit voller Vernetzung des Autos (permanente Verbindung mit dem Netz via Daten-Cloud) und zahlreichen speziell für die Anwendung im Lynk & Co 01 gestalteten Apps (auf einer für jeden Programmierer offenen Plattform) ins Auto bringen. Dort können sie dann einen 10,1 Zoll großen Bildschirm bedienen, der nicht nur frei gestaltbar ist, sondern auch eine Schaltfläche aufweist, über die man sein Auto mit anderen Nutzern teilen kann.

Letztlich ist der Lynk & Co 01 ein mittelgroßes SUV, (4,99 m Länge, 1,84 m Breite, Radstand 2,73 m), das von Turbo-Benzinern (3-Zylinder mit 180 PS, Vierzylinder mit 200 PS) angetrieben wird. Geschaltet wird per Hand (6 Gänge) oder via Doppelkupplungsgetriebe (7 Gänge). Auf Dieselmotoren verzichtet man, hingegen wird es sowohl eine Hybrid- als auch eine Plug-in-Hybrid-Version geben. Reiner E-Antrieb ist voraussichtlich ab 2019 verfügbar.

Trotz der SUV-Hülle hat man sich die Inspiration für die Gestaltung "nicht aus den Werbefilmen geholt, in dem solche Autos über leere Straßen durch einsame Landschaften fahren", so ein schmunzelnder Peter Horbury. "Unsere Inspiration stammt aus den Megacities wie Schanghai." Pragmatischer Nachsatz: "Dieses Auto wird nämlich den Großteil der Zeit in der Stadt verbringen."