Tests
22.02.2017

Citroën C3: Klein-Cactus wirbt mit Retro und Chic

Wie sich der neue C3 mit vielen neuen Ideen und fast vergessenen Traditionen in der Praxis bewährt.

Er hat es bis in die Schlussrunde der Car-of-the-Year-Juroren geschafft: Der neue Citroën C3. Der "kleine Cactus" (kleiner C4) vollbringt tatsächlich einen imposanten Spagat: Einerseits werden Menschen bedient, die alten Zeiten nachhängen, anderseits befriedigt der C3 die Ansprüche junger Social-Media- und Smartphone-Nützer.

Aber der Reihe nach. Schon der Schlüssel deutet an, dass hier Retro großgeschrieben wird: Der C3 wird mit dem Drehen des Schlüssels gestartet, auch das Tankschloss ist nur per Schlüssel zu bedienen.

Weniger Retro ist die Bedienung im Cockpit: Die diversen Funktionen wie Heizung, Navigation etc. sowie Assistenten werden über den zentralen Bildschirm per Antippen gesteuert. Teilweise ausschließlich. Das spart Knöpfe, erhöht aber nicht die Aufmerksamkeit: Der Bildschirm ist relativ tief im Cockpit angeordnet, die Schrift ist klar, aber sehr klein und somit der Blick weg von der Straße hin zum Bildschirm unnötig lange. Der Radioempfang überraschte mit zahlreichen kurzen Unterbrechungen.

Der Motor klingt beim Kaltstart und im Leerlauf wie die selige Ente oder "rural nach Diesel", wie Nichtnostalgiker meinen. Tatsächlich hatte unser Testmodell einen Dreizylinder-Benziner, ohne Turbo, ohne Start-Stopp. Er beschleunigt den C3 in 13 sec von 0 auf 100, geschaltet wird übrigens mit 5-Gang-Handschalter, ebenfalls ein Retrodetail im modernen Umfeld, das Schaltfaule freuen wird. Der Verbrauch mit hohem Autobahn- und Stadtanteil lag bei 6,6 l/ 100 km. Nicht sehr angenehm ist das Metall am Schaltknauf im Winter, das die Finger schnell klamm werden lässt. Wer viel Autobahn fährt oder oft Steigungen zu bewältigen hat, sollte sich einen größeren Motor überlegen und freut sich höchstwahrscheinlich über einen niedrigeren Verbrauch.

Großer Kleiner

Das Interieur mit den laut Werk bequemen Sitzen vermittelt ein für die Klasse üppiges Raumgefühl. Die Türschlaufen zum Öffnen (Extra) sowie die Textileinlagen im Cockpit finden die einen chic, andere sehen darin die Gefahr frühzeitiger Alterung.

Ein großes Lob verdient das komfortable Fahrwerk und die Federungsabstimmung, die auch auf Autobahnen mit Betonquerrillen nicht unwirsch reagiert und die Passagiere komfortabel drüberbalanciert.

Nicht zu viel versprochen hat der Konzern mit der Qualitätsoffensive. Selbst auf sehr schlechter Fahrbahn neigte der C3 zu keinen Polter-, Dröhn- und sonstigen unangenehmen Geräuschen.

An Extras hatte unser Testmodell der Ausstattungslinie Shine noch z. B. stark getönte Seiten- und Heckscheiben, Connect-Nav, Polsterungspaket "Metropolitan Grey".

Citroën C3 PureTech 82 Shine

Antrieb: 3-Zylinder-Benziner, ohne Turbo, kein Start-Stopp-System (erst für die Versionen ab 110 PS),

Hubraum: 1199 cm³

PS/kW: 82/60

maximales Drehmoment:118 Nm bei 2750 U/min

Vorderradantrieb, 5-Gang-Schaltgetriebe, 0 auf 100 km/h in 13 sec, Spitze 168 km/h, Abgasnorm Euro6.

Fahrwerk: Einzelradaufhängung, vorne McPherson-Federbeine mit Dreieckslenkern, hinten Achse mit gezogenen Schwingarmen und verformbarer Hinterachse, Servolenkung, vorne innen belüftete Scheibenbremsen, hinten Trommelbremsen, ABS, ESP (Stabilitätssystem), Anhängelast gebremst/ungebremst 450 kg, Höhe der Ladekante 750 mm.

Maße (L x B x H):3996 x 1749 x 1490 mm

Wendekreis: 10,7 m Radstand: 2539 mm Kofferraum: 300 l

Gewicht: 1037 kg Gesamtgewicht: 1550 kg Tankinhalt: 45 l

Normverbr.: 4,7 l/100 km 109 g/km CO²

Testverbrauch: 6,6 l/100 km

Preis:14.290 €

Preis Testw.: 18.185,60 €

Motorbezogene Versicherungssteuer: 270,15 €