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20.02.2017

Porsche 911 GTS: Darf’s ein bisserl mehr sein

Mit den neuen GTS-Modellen füllen die Stuttgarter ab März die Lücke zwischen dem 911 S und dem Turbo.

Für Außenstehende mag es nach purer Liebhaberei aussehen. Ob 420 PS oder 450 PS zur Verfügung stehen, wird den Spaß an einem 911er-Porsche für seinen Piloten im Normalfall nicht noch wesentlich weiter erhöhen.

Für die Porsche-Kundschaft ist es hingegen ein lange erwarteter Schritt, der die guten Verkaufszahlen der 911er-Reihe weiter beflügeln wird. Erwartet man sich für die im März startenden GTS-Modelle doch einen Anteil von 40 bis 50 % an allen 911-Verkäufen. Dies auch, weil alle fünf Versionen (Coupé und Cabrio jeweils mit Heck- bzw. Allradantrieb, plus der Targa) gleich vom Start weg verfügbar sein werden.

Zur Einordnung: Der neue 911 GTS hat 20 PS mehr als der Vorgänger, 30 PS mehr als der aktuelle Carrera S, aber 90 PS weniger als der Turbo. Dessen Bremsanlage hat er jedoch bekommen. Überdies unterscheidet er sich von den normalen 911ern durch das serienmäßige Sportfahrwerk (außer bei Cabrio und Targa, wo es aus Platzgründen nicht unterzubringen ist), die Sportauspuffanlage mit schwarzen Endrohren, die Räder mit Zentralverschluss (wie beim Turbo), eine aerodynamisch geänderte Frontschürze sowie ein weiter ausfahrender Heckspoiler.

Und da alle GTS-Varianten (auch die reinen Hecktriebler) die breitere Karosserie der Allrad-Modelle verwenden, verfügen sie auch über eine breitere Spur.

All diese Änderungen summieren sich letztlich zu einem atem(-be-)raubenden Handling, wenn dem Dreiliter-Sechszylinder-Biturbo-Boxer die Sporen gegeben werden können. Dessen maximales Drehmoment von bärigen 550 Nm liegt zwischen 1250 und 5000 Touren an und wer sich nicht scheut, im manuellen 7-Gang-Getriebe kräftig umzurühren bzw. das Doppelkupplungsgetriebe per Schaltwippe entsprechend zu dirigieren, wird mit enormem Schub in allen Fahrsituationen belohnt.

Auf der Rundstrecke

Vor allem auf der Rundstrecke lässt sich das Leistungsplus des GTS gegenüber dem aktuellen Carrera S merkbar erfahren. Wie der Motor-KURIER auf einigen heißen Runden im Schlepptau von Porsche-Werksfahrer und Le-Mans-Sieger Marc Lieb auf der eher rumpligen Rennstrecke von Killarney bei Kapstadt am Steuer eines Carrera 4 GTS Coupé selbst erfahren konnte, lässt das Sportfahrwerk keine Zweifel aufkommen, dass es mit all der Kraft souverän fertig wird (so der Pilot die Grenzen der Physik respektiert).

Kurvengeschwindigkeiten, die man angesichts des alles andere als glattgebügelten Streckenbelags zunächst nicht für möglich gehalten hätte, sind die Folge der Verbesserungsmaßnahmen – und des Vertrauens in die Linie und das Tempo des Le-Mans-Siegers da vorne im Führungs-Auto.

Nordschleife in 7:26

Um die Sache in neutraler Währung zu illustrieren: Für die Nürburgring-Nordschleife brauchen Piloten im Range eines Herrn Lieb mit dem neuen Carrera GTS nur mehr 7 Minuten und 26 Sekunden. Und das sind satte 12 Sekunden weniger, als man mit dem Vorgänger-Modell gebraucht hat (und 4 Sekunden weniger als mit dem aktuellen Carrera S).

Die wahre Größe konnte der neue Carrera GTS dann aber auf den normalen Straßen des Kaplandes zeigen. Dort trat er den schlüssigen Beweis an, dass Rundstreckentauglichkeit dieser Dimension nicht zwangsläufig mit nervigem Geholpere im Alltagseinsatz erkauft werden muss. Die beeindruckende Spreizung zwischen problemlos zu fahrendem Alle-Tage-Auto und scharfem Sportwagen für die Rundstrecke, die den aktuellen 911er schon bisher ausgemacht hat, wurde bei den GTS-Modellen noch um ein gutes Stück erweitert.

Das muss einem dann schon zumindest € 152.024,– für den Einstieg in die Carrera-GTS-Welt wert sein.