ÖAMTC-Sommerreifentest

© ISP Wolfgang Grube/ÖAMTC

News
03/03/2016

ÖAMTC-Sommerreifentest 2016: 32 Pneus im Test

Nur ein Modell unter 32 Kandidaten ist komplett durchgefallen.

Der Sommerreifentest, der von ÖAMTC und ADAC sowie weiteren europäischen Partnerorganisationen durchgeführt wird, hat für 2016 ein ansehnliches Ergebnis gebracht.

Von je 16 Pneus der Dimension 185/65 R15 88 H (Klein- und Kompaktwagen) und der Dimension 225/45 R17 94 Y ist nur ein einziges Modell mit "Nicht empfehlenswert" durchgefallen. Der betroffene Reifen GT Radial Champiro VP1 ist allerdings nur noch selten zu finden, weil es bereits ein Nachfolgemodell auf dem Markt gibt.

Die sonstige Notenbilanz: 11-mal wurde "Sehr empfehlenswert" vergeben, 18-mal "Empfehlenswert" und nur 2-mal, für den Nankang Green-Sport Eco-2+ und den Marxis Victra Sport VS01, setzte es ein "Bedingt empfehlenswert". Diese Bilanz ist bemerkenswert, zeigt aber einen Trend, der nicht unbedingt erfreulich ist: Nahezu alle Kandidaten, die nicht mit der Bestnote beurteilt wurden, zeigten stark ausgeprägte Schwächen bei nasser Fahrbahn. Das mag im Sommer keine so große Rolle wie in den Übergangszeiten spielen, Ruhmesblatt ist es aber dennoch nicht.

Wie immer ist Reifenbau eine Ansammlung von Zielkonflikten: Die Veränderung einer oder mehrerer Eigenschaften zieht zwangsläufig auch eine Veränderung bei anderen Eigenschaften nach sich. Auf den vorderen Plätzen landen daher regelmäßig Hersteller, die ein Gesamtpaket ausgewogen bereitstellen können. Dieses Gegenspiel von Eigenschaften lässt sich beim durchgefallenen Reifen gut studieren: Er erzielte die Bestnote beim Verschleiß, versagte aber auf nasser Fahrbahn völlig.

In Summe steht ein sehr breites Spektrum an sehr brauchbaren Reifen zur Auswahl. Namentlich bei der großen Dimension fehlen in diesem Jahr prominente Namen wie Goodyear, Dunlop oder Bridgestone, was schlicht an der Testkonfiguration liegt. Die Vorlaufzeit beträgt gut ein Jahr, einige der Testreifen waren im Handel damals einfach noch nicht erhältlich.

Ein Kunststück wurde in der kleinen Dimension beim Pirelli Cinturato P1 Verde registriert. Zwischen zwei Reifensätzen, die aus unterschiedlichen Produktionsstätten stammten, wurden gravierende Unterschiede im Nassgriff festgestellt. Bei eigens nachgekauften Reifensets trat diese Diskrepanz ebenfalls auf – weshalb der Reifen aus der Wertung genommen wurde, weil ein eindeutiges Ergebnis nicht gewährleistet werden konnte. Womöglich sollten interessierte Kunden hier beim Reifenhändler etwas intensiver nachfragen.

Penible Messungen

Der ÖAMTC und seine Partner führt die Reifentests seit nunmehr 46 Jahren durch. Von jedem Reifenmodell werden anonym bei europäischen Händlern bis zu 28 Reifen gekauft. Umfangreiche Messungen werden u.a. auf angemieteten Testgeländen von Herstellern (z.B. auf dem Contidrom bei Hannover) durchgeführt. Eine Manipulation, also die Anlieferung von gezielt präparierten Reifen, soll so weitgehend ausgeschlossen sein. Dass es so etwas bei Auto- und Fachmagazinen gegeben hat, musste erst vor wenigen Tagen unter öffentlichem Druck der finnische Hersteller Nokian zugeben. Große Verlage und Magazine kaufen heute allerdings ihre Reifen ebenfalls im freien Handel ein.

Rückrufe

Nicht nur bei Autos, Lebensmitteln oder diversen Elektrogeräten gibt es übrigens Rückrufe durch die Hersteller – das geht auch bei Reifen. Abgezählte 1084 Reifen von Goodyear/Dunlop ruft der Hersteller derzeit zurück, um jene genau 369 Reifen aus dem Verkehr ziehen zu können, bei denen irrtümlich eine falsche Gummimischung verwendet wurde, was zu einer laut Hersteller "deutlich reduzierten Haftung des Reifens bei Nässe" führt. Es handelt sich um Reifen des Modells Dunlop SportMaxx GT für Pkw in der Größe 255/40 ZR19 100Y XL, die in den Wochen 37 und 38 des Jahres 2015 hergestellt wurden. Sie sind an der DOT-Nummer DN5W JC1R 3715 oder DN5W JC1R 3815 in der Seitenwandmarkierung zu erkennen.

Die Reifenwand

Damit ist auch schon die häufig gestellte Frage "Wie komme ich zum richtigen Reifen?" auf dem Tisch. Tests – wie der vom ÖAMTC – sind immer ein guter Fingerzeig. Es ist allerdings sehr wichtig, genau die richtige Dimension zu beachten, weil sich wegen des wechselnden Konkurrenzumfeldes beim gleichen Modell in zwei unterschiedlichen Dimensionen auch unterschiedliche Bewertungen ergeben können.

Die für das eigene Auto möglichen Reifengrößen sind in der Bedienungsanleitung zu finden. Falls nicht: Fast alle Reifenhersteller und viele Händler bieten im Internet kostenlose Suchfunktionen an, bei denen lediglich das Automodell eingegeben werden muss.

In der Betriebsanleitung finden sich meist mehrere Rad- und Reifendimensionen, die für das konkrete Auto zugelassen (möglich) sind. Am Beispiel 205/55-R16 91 V: 205 steht für die Reifenbreite in mm, 55 für das Querschnittsverhältnis (die Reifenhöhe beträgt 55 % der Breite), R für Radialreifen, 16 für den Felgendurchmesser in Zoll.

91 bedeutet, dass der Reifen mit maximal 615 Kilo belastet werden darf und V schließlich steht für die Geschwindigkeit, die im konkreten Beispiel auf maximal 240 km/h limitiert ist.

Grafik