E-Mobility
10.11.2016

Opel Ampera-e: Das Ende der Reichweitenangst?

Erstmals an Bord des Elektroautos, das gleich weit kommen soll wie ein konventioneller Kleinwagen. Mit Video.

Natürlich geht es zunächst vor allem um eindrucksvolle Zahlen. Mit über 500 km theoretischer Reichweite nach NEFZ (Neuer Europäischer Fahrzyklus) für den Ampera-e setzt sich Opel in der PR-Schlacht um die Etablierung des E-Autos als massentaugliches Produkt derzeit an die Spitze. Zum Vergleich: Für den frisch aufgebesserten Renault Zoe werden 400 km angegeben, für BMW i3 und den VW E-Golf 300 km.

Nach dem praxisnäheren WLTP-Zyklus, der demnächst in der EU gelten soll, sind es immer noch 380 km, verspricht Opel-Chef Karl-Thomas Neumann. Und letztlich ist ein Ampera-e im September von London nach Paris gefahren ohne nachzuladen. 418 km im normalen Verkehr (Autobahn allerdings nur mit Tempo 90) und die Batterie (60 kWh) war im Ziel unterm Eiffelturm immer noch nicht ganz leer.

Soweit das PR-Geklingel um den Ampera-e, der im Frühjahr in Europa (zunächst in den Ländern mit ausgeprägter E-Auto-Förderung) auf den Markt kommen wird. Aber wie fährt es sich in diesem Wundertier, mit dem Opel die Reichweitenangst der potenziellen Kundschaft endgültig überwinden will?

Selbst ans Steuer wollte man eine handverlesene Schar europäischer Fach-Journalisten in der Vorwoche in Rüsselsheim zwar noch nicht lassen. Aber chauffiert von einem der Entwicklungsingenieure, konnte der Autor bereits erste Eindrücke vom Ampera-e im normalen Straßenverkehr sammeln.

Kraftpaket

Was zunächst auffällt ist, dass Opel nicht auf die extrem schmalen Räder mit großem Durchmesser setzt, die etwa im BMW i3 Strom sparen helfen sollen. Aber selbst die normalen 17-Zöller haben beim Ampelstart auf nasser Straße so ihre Probleme, all die unmittelbar einsetzende Kraft des E-Motors (204 PS und 360 Nm) in Vortrieb umzusetzen. Der Antischlupfregelung sei Dank, geht es nach einmal hergestelltem Grip aber äußerst hurtig vom Fleck. Die 3,5 Sekunden für den Sprint von 0 auf 50 km/h aus dem Datenblatt sind jedenfalls kein rein theoretischer Wert.

Von der Bedienung her ist der Ampera-e einfach ein Opel mit einem anderen Motor. Keine exotischen Cockpit-Spielereien lenken vom Wesentlichen ab. Sogar einen Schalthebel (und Flappen am Lenkrad) gibt es. Damit können vier unterschiedlich starke Rekuperationsstufen angewählt werden – die stärkste bringt die Fuhre ohne Einsatz der Bremsen zum Stillstand, so der Pilot nicht auf dem Gaspedal (pardon: Fahrtgeber) bleibt.

Zum Thema reale Reichweite wird erst mehr zu sagen sein, wenn der Ampera-e für eigene Praxistests zur Verfügung stehen wird. Dass man bei Opel aber zuversichtlich ist, dass die Kundschaft nicht ständig zum Ladekabel greifen wird müssen, zeigt auch ein vergleichsweise banaler Umstand: Es ist in einem Fach unter dem Laderaumboden vergraben.

Daten und Technik

Opel Ampera-e

Mit einer Länge von 4,17 m ist er kürzer als ein VW Golf (4,25 m), bei praktisch gleich viel Kofferraum (381 l) und viel Platz (5-Sitzer). Die Lithium-Ionen-Batterie (288 Zellen, 60 kWh) ist im Unterboden verbaut (Garantie 8 Jahre/160.000 km). Geladen werden kann via 50-kW- Schnellladung (150 km Reichweite in 30 Minuten), bei 22-kW-Ladesta- tionen bzw. an jeder Steckdose.

Leistung: 204 PS/150 kW, 360 Nm Drehmoment

Beschleunigung von 0 auf 50 km/h in 3,5 Sekunden, Spitze 150 km/h. Reichweite über 500 km (NEFZ) bzw. 380 km (WLTP).

Verkaufsstart in Europa im Frühjahr, Österreichstart noch nicht festgelegt.

Preis: Erwartbar ist ein Startpreis zwischen 35.000 und 40.000 Euro.

Sprint-Vergleich: Ampera-e gegen Corsa OPC, Astra TCR, Insignia OPC und Adama R2