News 05.12.2011

Peugeot 508: Bärig, der Löwe

Peugeot 508: Bärig, der Löwe
© Werk

Repräsentativer 407- und 607-Nachfolger mit hohem Qualitätsniveau und tollem Turbodiesel.

Bei Weitem kein Styling-Flop, war der 407 aber offensichtlich auch nicht jener Mega-Seller, den sich die Peugeot-Verantwortlichen bei der seinerzeitigen Premiere erhofft hatten.

Soll ein Auto erfolgreich sein, muss es über ein mehrheitsfähiges Styling verfügen. Und das hatte der 407 allem Anschein nach nicht. Beim 508, der in einem Aufwaschen den 407 und auch gleich den glücklosen 607 ablöst, ist der am häufigsten kritisierte Styling-Makel - so er denn einer war -, der gewaltige Kühlerschlund, verschwunden. Dort, wo früher ein ödes, aggressiv wirkendes schwarzes Loch war, stemmt sich heute eine ebenso dezente wie elegante mit zartem Chrom umrandete Kühleröffnung gegen den Wind. Ob der 508 nun im optischen Mainstream angekommen ist, an Extravaganz und Flair verloren hat oder nicht, mag dahingestellt sein: Interessenten und 407-Aufsteiger werden - so mutig darf man sein - den 508 mögen.

Peugeot 508: Konventioneller Kühler statt riesigem Haifischmaul.
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Das gilt zuvorderst für die Version namens GT. Und zwar deswegen, weil der dem Topmodell vorbehaltene 2,2-Liter-Diesel ein Triebwerk ist, das ohne jeden Fehl und Tadel ans Werk geht. Der weiterentwickelte Selbstzünder-Turbo leistet 204 PS und 450 Newtonmeter, beides Werte, die schon auf dem Papier vielsprechend klingen und es in der Realität auch sind. Der Vierzylinder, der dem Gebot des Downsizings folgt und analog dazu den 204 PS starken 2,7-V6 aufs Altenteil wirft, beschleunigt das Auto souverän, überzeugt mit strengem, ernsthaftem Schubverlauf und zieht bereits aus dem Drehzahlkeller heraus geschmeidig durch.

Das Triebwerk ist wegen der Kultiviertheit und Laufruhe gefühlsmäßig näher an einem Sechs-, wenn nicht sogar Achtzylinder, Besseres kann man einem Motor nicht attestieren.
Dass sich das alles mit weniger als acht Liter im Schnitt realisieren lässt: Umso erfreulicher.
Erfreulich ist auch die Tatsache, dass der Peugeot - früher gern als der Mercedes Frankreichs bezeichnet - bei der Qualität der Verarbeitung recht eindeutig in Richtung Premium entwickelt wurde: Alles ist sauber und akkurat verarbeitet. Die Sitze bieten
ordentlichen Seitenhalt, alle Schalter und Bedienhebel sind ergonomisch günstig platziert, die Instrumente sind klar gezeichnet und deshalb gut ablesbar.

Sicheres Fahrverhalten

Peugeot 508: Konventioneller Kühler statt riesigem Haifischmaul.
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Der Mittelklasse-Löwe lässt sich spielerisch leicht bewegen, in Kurven drängt die 4,80-Meter-Limousine nur verhalten mit dem Bug nach außen, ESP braucht nur selten zu intervenieren und tut das spät, dann aber konsequent.

Wo Licht ist, da ist auch Schatten. Das Cockpit verfügt über erschütternd wenige Ablagen, der 515 Liter Ladegut fassende und auf 1381 Liter erweiterbare Kofferraum ist nur durch eine sehr schmal geschnittene Luke zugänglich und der Wendekreis ist mit über 12 Meter deutlich zu groß.

Peugeot 508: Konventioneller Kühler statt riesigem Haifischmaul.
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Überraschend ist die Tatsache, dass Peugeot den Trend zu Sicherheitssystemen nicht mitmacht und auf Spurhalte-, Spurwechsel- und Einparkassistent ebenso verzichtet wie auf Abstandsregelung oder Verkehrszeichenerkennung. Immerhin aber gibt's ein Head-up-Display, dessen Plastikvisier surrend aus dem Armaturenbrett auftaucht, aber so altväterisch wirkt, als hätte es Peugeot aus einem zehn Jahre alten BMW geklaut.

Jammern auf hohem Niveau - richtig vorzuwerfen ist dem Löwen aus Sochaux nämlich nichts. Der 508 GT HDi ist ein rundum gelungenes Fahrzeug, dessen Erfolg programmiert ist.

(Kurier) Erstellt am 05.12.2011