Technik
11.11.2016

Peugeot/Citroën: Automatisch über die Autobahn

Seit 2014 testet Peugeot/Citroën automatisiertes Fahren, 2020 sollen erste Funktionen serienreif sein.

Paris, Avenue de la Grande Armée, Anfang Oktober: Auf dem Gehsteig warten zwei Citroën C4 Picasso, die uns autonom über die Autobahn im Westen von Paris führen sollen. Allerdings dürfen wir bei Citroën nicht hinterm Lenkrad Platz nehmen wie im Sommer im Audi "Jack", sondern sitzen wie im Taxi auf der Rückbank.

Von der technischen Ausstattung dagegen sind auch hier die bei modernen Fahrassistenten üblichen Sensoren – Lang- und Kurzstreckenradar, Kamera, Infrarot – im Einsatz, dazu kommen zwei Lasersensoren, von denen derzeit aber nur der vordere genützt wird, so Projektleiter Vincent Abadie. Als Bordspannung reicht das übliche 12-Volt-System, jedoch wird eine zweite Bleibatterie eingebaut. Für die Navigation nützt PSA den Dienst "HERE", ohne zusätzliches Differenzial-GPS.Vier C4 Picasso sind für automatisiertes Fahren derzeit ausgerüstet. Mindestvoraussetzung für den möglichen Umbau sei eine elektro-mechanische Servolenkung. Die junge Marke DS, die das nicht hat, scheidet deshalb derzeit aus.

Seit 2014 testet PSA automatisiertes Fahren auf der Autobahn. 60.000 km wurden auf europäischen Autobahnen und Schnellstraßen in Frankreich, den Niederlanden, Spanien bereits heruntergespult. "Man muss real mit den Autos fahren, da kann man nicht viel simulieren", so Abadie. Wie bei den Konkurrenten samt Tesla handelt es sich dabei um die Stufe 2 der fünfteiligen Skala des automatisierten Fahrens, wo das Auto selbstständig lenkt, bremst und beschleunigt, der Lenker bei Bedarf aber jederzeit eingreifen können muss. 2020 soll die Stufe 3 serienreif sein, die ersten Anwendungen daraus, die der Kunde als Extra bestellen kann, seien der Stauassistent sowie ferngesteuertes Parken per Smartphone. Dabei kann der Lenker das Auto beim Einparken verlassen, muss aber weiterhin im Abstand von 7 m stehen bleiben, sonst wird der Parkvorgang gestoppt.

Ohne Hand, mit Hirn

Dank der technischen Einführung ist die Zeit wie im Flug vergangen und wir entern mit dem C4 Picasso die Autobahn, wo per Knopfdruck der Computer das Fahren übernehmen kann. Vorerst braucht er aber noch ein bisschen, um sich zu orientieren, doch dann leuchtet ein grünes Lamperl im Cockpit auf "HAD available", was so viel wie "Automatisiertes Fahren möglich" bedeutet. Wird der Knopf gedrückt, übernimmt die Elektronik.

Auch hier fällt auf, wie harmonisch die Fahrmanöver von der Elektronik durchgeführt werden im Vergleich zu den meist hakeligen Lenk- und Spurhalteassistenten von heute. Wir, die Passagiere, können inzwischen auf einem Bildschirm im Cockpit verfolgen, was die Sensoren links und rechts, vorne und hinten erkennen. Automatisch Spur wechseln und überholen kann dieses Testfahrzeug noch nicht, dafür muss die Technikerin am Volant vorher blinken.

Um die Erlaubnis für die Tests mit automatisiert fahrenden Autos auf öffentlichen Straßen von der französischen Regierung zu erhalten, mussten die Testpiloten und -pilotinnen übrigens eine Testfahrerausbildung machen. Die Autos haben eigene Nummernschilder, womit sie für die Polizei leichter erkennbar sind. Eine Fahrschullehrerausbildung, wie sie Deutschland für solche Fälle vorschreibt, ist in Frankreich laut PSA nicht nötig. Auch Frankreich hat eine eigene, branchenübergreifende Arbeitsgruppe für den Hoffnungsbereich des automatisierten Fahrens eingerichtet. Vier Ministerien sind dafür laut Abadie zuständig.

PSA arbeitet diesbezüglich mit namhaften Zulieferern wie Bosch, Valeo, Mobileye zusammen, aber auch mit französischen Eliteschulen und US-Prestigeuniversitäten.Erste autonome Citroën sind übrigens bereits in Singapur in speziellen Zonen als Roboter-Taxis unterwegs. Es handelt sich um die E-Autos C-Zero, die von der Fremdfirma nuTonomy dafür umgebaut wurden. Der ORF meldet bereits erste Unfälle.

Unterwegs im autonom fahrenden Citroën