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28.06.2016

Plug-in-Hybride im Test: Mercedes C350e und VW Passat GTE

Mercedes C 350 E: Warum das Plug-in-Modell von Mercedes den Fahrspaß betont und von Sparefrohs besonders viel Disziplin fordert.

Bei Mercedes ist der C 350 E der zweite der insgesamt 10 bis 2017 geplanten Plug-in-Hybride. Er kombiniert einen Vierzylinder-Turbobenzindirekteinspritzer samt 7-Gang-Automatik (mit zusätzlicher Trennkupplung zwischen Benzin- und E-Motor) mit E-Motor und Lithium-Ionen-Akkus (6,2 kWh). Die elektrische Reichweite laut EU-Normzyklus beträgt 31 km.

Der Lenker kann beim C 350 E unter vier Fahrmodi wählen: Elektrisch, Hybrid, Batterien laden mit Verbrennungsmotor ("Charge") oder Batterieladezustand halten ("E-Save").

Fahrspaß Bei der Philosophie der Antriebsauslegung hält es Mercedes offenbar ähnlich wie BMW: Der zusätzliche E-Antrieb wird vor allem für die Betonung der Sportlichkeit genützt. Das Anfahrdrehmoment ist dank zusätzlichem E-Motor mit 600 Nm gewaltig, auch auf die Beschleunigung wirkt sich der Zusatzantrieb sehr positiv aus (siehe Steckbrief). Das Fahrwerk wurde sehr gut darauf abgestimmt.

Laden Umso mehr Disziplin ist vom Lenker gefordert, will er das Sparpotenzial des Plug-in-Hybridantriebs beim C 350 E nützen. Da die reale Reichweite im städtischen Verkehr im Motor-KURIER-Test bei moderaten Frühlingstemperaturen nur 13 bis 18 km erreichte, ist häufiges Laden unabdingbar und könnte so manchem Mercedes-Besitzer bald einmal lästig fallen. Umso mehr, als für nötige E-Fahrten die Batterien viel bequemer über den Verbrennungsmotor geladen werden können, was den Verbrauch jedoch um 1 bis 2 l im Schnitt hinauftreibt.

Gespart werden kann jedoch auch im Hybrid-Modus. Der Verbrauch im Test betrug im Schnitt (Überland, Autobahn) 7,5 l Benzin/100 km.

Angesteckt wird beim C 350 E das Ladekabel hinten. Als Stauraum für die Kabel steht wie beim VW Passat Platz unter dem Ladeboden zur Verfügung. Das Aufladen dauerte dank der kleineren Batterien im Vergleich zum Passat GTE mit rund 1,5 h weniger lang.

Abstimmung Punkto Fahrkomfort ist den Mercedes-Ingenieuren die Abstimmung im sportlicheren Fahrbereich am besten gelungen, bei langsamen Stadtfahrten mit häufigem Anfahren und Ausrollen sind die Übergänge zwischen den beiden Antrieben überraschend deutlich zu spüren. Auch das Gaspedalgefühl wirkte zwischendurch synthetisch. Die Verarbeitungsqualität entsprach dem Preis.

Sonderausstattung An Extras hatte unser Testmodell z. B. Lederausstattung, vorne Sitzklimatisierung, A-Edition Plus, Totwinkel-Warner, Distronic Plus, Park-Paket, Panorama Schiebedach, Head-up-Display, Comand-Online, Burmester Surround-Soundsystem.

VW Passat GTE

VW kombiniert bei der Plug-in-Hybridversion des Passat, dem GTE, den bekannten 4-Zylinder-Turbodirekteinspritzbenziner mit E-Antrieb samt 9,9-kWh-Lithium-Ionen-Akkus, die auch extern an Steckdosen zu laden sind. Beim Passat GTE liegt die elektrische Reichweite im EU-Normzyklus bei 50 km.

Betriebsarten Der Passat GTE lässt sich wie mit einer Automatik fahren, hat aber ein 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe. Die Fahrmodi mit dem Plug-in-Hybridantrieb sind: Elektrisch, kombiniert im Hybrid-Modus (= Halten des Akkuladezustandes), Laden der Batterien mit dem Benzinmotor.

Der erste Fahreindruck im Vergleich zu Mitbewerbern lässt auf eine sehr gelungene Abstimmung der beiden Antriebe schließen. Die Übergänge bzw. das Zuschalten des Verbrennungsmotors erfolgen sehr harmonisch, nur im sehr langsamen Ausrollen sind leichte "Holperer" zu erkennen.

Reichweite Als sehr positiv erweist sich die im Passat deutlich höhere elektrische Reichweite als im Mercedes im Hinblick auf die Ladedisziplin. Dank bis zu rund 40 km rein elektrischer Fahrt mit vollen Batterien im Stadtverkehr mit zahlreichen Ampelstopps reicht das Laden an der Steckdose im Test-Schnitt ein Mal pro Tag oder alle zwei Tage. Angesteckt wird vorne am Kühlergrill.

Die Abdeckung wirkt beim Passat übrigens viel solider ausgeführt als bei früheren Plug-in-Modellen des VW-Konzerns.

Die Ladekabel finden unter dem Ladeboden Platz und verschmutzen so nicht das normale Gepäck. Die Bedienung ist ebenso vorbildlich einfach wie die Anzeige der Ladedauer im Cockpit. Ein kleiner Wunsch bleibt dennoch: Die Warnung vor offenen Türen sollte auf die Ladeabdeckung vorne beim Kühlergrill ausgedehnt werden. Zu leicht wird nach dem Verstauen des Kabels aufs Schließen der Klappe vergessen.

Verbrauch Der Verbrauch betrug im Motor-KURIER-Test im rein elektrischen Betrieb im Stadtverkehr 14,4 kWh, im Hybridmodus (Überland und Autobahn) zwischen 5,6 und 6,4 l Benzin. Das Laden an der Wallbox dauerte im Schnitt 2.45 h. VW ist es gelungen, den zweiten Antrieb ohne große Verluste bei Variabilität und Fassungsvermögen im Kofferraum unterzubringen. Die Verarbeitungsqualität zeigte keine Schwächen. An Extras hatte unser Testmodell z. B. eine anklappbare Anhängevorrichtung, ein Premium-Paket, die Telefonvorbereitung "Comfort" sowie eine Rückfahrkamera.

Mercedes TC 350 E T-Modell

Antrieb: Plug-in-Hybrid. Benziner: Turbo-Direkteinspritzer-Vierzylinder, 1991 ccm. 7-Gang-Automatik, Lithium-Ionen-Akkus 6,2 kWh, E-Reichweite (Norm) 31 km, Heckantrieb, 0–100 in 6,2 sec, Spitze 246 km/h (elektr.: 130 km/h).

Benziner: 211 PS/155 kW

E-Motor: 82 PS/60 kW

Gesamtleistung: 279 PS/205 kW maximales Drehmoment: 600 Nm

Fahrwerk: Einzelradaufhängung, vier Scheibenbremsen, ABS, Stabilitätssystem ESP, Attention Assist (Müdigkeitswarner), Collision Prevention Assist Plus (Kollisionswarner zwischen 7 und 200 km/h), Anhängelast gebremst/ungebremst 1600/750 kg. Ladezeit (Haushaltsstrom) 2,15 h, mit Wallbox 1,45 h.

Maße (L x B x H): 4702 x 1810 x 1457 mm

Radstand: 2840 mm

Kofferraum: 350–1370 l Gewicht: 1765 kg Gesamtgewicht: 2385 kg Tankinhalt: 50 l

Normverbrauch: Gesamtsystem 2,1 l/100 km 49 g/km CO²

Testverbrauch: Hybridmodus/7,5 l/100 km E-Reichweite: 13–18 km

Preis:53.890 €

Preis Testwagen: 76.720 €

Motorbezogene Versicherungssteuer: 1054,44€

VW Passat GTE Variant

Antrieb: Plug-in-Hybrid, Benziner: Turbodirekteinspritzer-Vierzylinder, 1395 ccm , 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe, Lithium-Ionen-Akkus, 9,9 kWh, E-Reichweite (Norm) 50 km, Frontantrieb, 0–100 in 7,6 sec, Spitze 225 km/h.

Benziner: 156 PS/115 kW

E-Motor: 116 PS/85 kW

Gesamtleistung: 218 PS/160 kW

Fahrwerk: Einzelradaufhängung, vorne McPherson, hinten Mehrlenkerachse, vier Scheibenbremsen, ABS, Stabilitätssystem Bremsassistent, ESP, Anhängelast gebremst/ungebremst 1600/750 kg. Ladezeit an Wallbox, 3,6 kW: 2.3 h, Haushaltsstrom (2,3 kW, Netzkabel serienmäßig) 4.15 h.

Maße (L x B x H): 4767 x 1832 x 1462 mm

Wendekreis: 11,4 m Radstand: 2786 mm

Kofferraum: 483–1613 l Gewicht: 1724 kg Gesamtgewicht: 2250 kg Tankinhalt: 50 l

Normverbrauch: Gesamtsystem 1,6 l/100km 37 g/km CO²

Testverbrauch: Hybridmodus 6 l/100 km E-Reichweite 40 km

Preis: 49.220 €

Preis Testwagen: 53.277 €

Motorbezogene Versicherungssteuer: 694,44 €